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Leerstand

Alte Kirche als Raumlabor nutzen

Nutzungsmöglichkeiten für die ehemalige Spitalkirche stehen erneut im Mittelpunkt eines Projekts der Realschule.
Von Ralf Gohlke

Ohne Publikum testeten Stephanie Reiterer und Jahn Weber-Ebnet noch einmal die verschiedenen Möbelelemente, die flexibel für unterschiedliche Zwecke, von der Sitzgelegenheit bis zum Podium, einsetzbar sind. Fotos: R. Gohlke
Ohne Publikum testeten Stephanie Reiterer und Jahn Weber-Ebnet noch einmal die verschiedenen Möbelelemente, die flexibel für unterschiedliche Zwecke, von der Sitzgelegenheit bis zum Podium, einsetzbar sind. Fotos: R. Gohlke

Neunburg. Seit 2015 beschäftigt sich die Gregor-von-Scherr-Realschule Neunburg mit verschiedenen Projekten im Rahmen des Programms Architektur und Schule mit Möglichkeiten für eine Folge-Nutzung der ehemaligen Spitalkirche. 2016 konnte die Stadt Neunburg auch das dazugehörige Spitalgebäude erwerben, womit die Planung für eine Komplettlösung realistischer geworden ist. Unabhängig davon geht die Arbeit an der Schule weiter. Das jüngste Projekt ist mit „Raumlabor Spitalkirche“ überschrieben.

Der örtliche Rotary Club unterstützt die Projektarbeit seit 2015. Peter Scheitinger zeigte sich sehr beeindruckt. Foto: ggo
Der örtliche Rotary Club unterstützt die Projektarbeit seit 2015. Peter Scheitinger zeigte sich sehr beeindruckt. Foto: ggo

Mit Unterstützung der Regensburger Jugendbauhütte wurde jetzt ein einfaches, modulares Mobiliar entwickelt, das sich gleichermaßen als Bar, Bühne, Sitzgelegenhit oder Ausstellungsplattform eignet. Ihren Testlauf erlebten die Möbel, deren besonderes gestalterissches Detail ein goldener Streifen bildet, bei einer öffentlichen Präsentation. Die Schüler zeigten zusätzlich Ergebnisse einer Projektwoche in Form von Stadtteilmodellen, Dossiers zur Raumnutzung und sogar Spitalkirchen aus dem 3D-Drucker.

Mut zur Veränderung

„Wir brauchen die Jugend, um das Leben in der Innenstadt begreifbar zu machen“, betonte Bürgermeister Martin Birner in seiner Eröffnungsrede, bei der unter anderem auch Stephanie Reiterer und Jahn Weber-Ebnet von der Landesarbeitsgemeinschaft Architektur und Schule, Stefan Aichner von der Jugendbauhütte Regensburg und Prof. Klaus Habermann-Nieße, einem der Partner der Aktion „Lost Traces“, willkommen heißen konnte.

Das Catering für die Präsentation der Raummöbel übernahmen in bewährter Weise Schüler der Realschule. Foto: ggo
Das Catering für die Präsentation der Raummöbel übernahmen in bewährter Weise Schüler der Realschule. Foto: ggo

Im Projekt Lost Traces, sollen Schüler und Schülerinnen im Rahmen des europäischen Kulturerbejahres zu Paten dieses Ortes werden. Sie untersuchen seine Geschichte, recherchieren europäische Bezüge und hinterfragen ihn. Zudem gestalten und bespielen sie den Ort für eine bestimmte Zeit künstlerisch, baulich und mit kulturellen Formaten.

Birner betonte unter anderem die Bedeutung des Innenstadtmodells, das aufzeige, was geschehe, wenn Gebäude herausgelöst würden und neue Freiräume entstünden. Dadurch werde der dringend notwendige Mut zur Veränderung deutlich.

Kronleuchter für die Spitalkirche

Stephanie Reiterer lobte die Konzepte, die für diesen besonderen Raum ausgearbeitet worden wurden. Diese gelte es nun auszuprobieren, ein festes Konzept könne es da nicht geben. Nun müssten die Menschen den Raum für sich entdecken. „Zum Ende des Sommers wollen wir dann sehen, was dabei herausgekommen ist“, sagte Reiterer.

Realschuldirektorin Diana Schmidberger bedankte sich zunächst bei den Teilnehmern der Jugendbauhütte für die Unterstützung. Sie berichtete von der Vermessung mittels Quadrocopter und einer 360°-Aufnahme sowie den daraus entstandenen Modellen aus dem 3D-Drucker.

Die Spitalkirche entstand auch im Kleinformat im Rahmen des Unterrichts, am schuleigenen 3D-Drucker.
Die Spitalkirche entstand auch im Kleinformat im Rahmen des Unterrichts, am schuleigenen 3D-Drucker.

„Die zehnten Klassen wollten unbedingt noch einmal etwa bauen“, betonte sie und nannte dazu ein Projekt für einen Kronleuchter. Dazu werde am 2. Juni und 3. Juni ein Workshop stattfinden. Als weitere Programmpunkte kündigte sie für den 8. Juni eine Präsentation eines Nutzungskonzeptes und für den 13. Juni das Thema „Klöster, damals und heute“ an.

Die Kunstgruppe der Realschule werde am 6. Juli eine Vernissage veranstalten und am 8. September sei die Vorstellung der Kirche durch Heimatpfleger Theo Männer am „Tag des offenen Denkmals“ vorgesehen.

Realschuldirektorin Diana Schmidberger setzt sich für die Spitalkirche ein. Foto: ggo
Realschuldirektorin Diana Schmidberger setzt sich für die Spitalkirche ein. Foto: ggo

Mit verschiedenen Aktionen werde sich die Schule auch an der Ausstellung „Ahoj 18“ des Kunstvereins Unverdorben beteiligen. Für den Oktober kündigte die Rektorin in einer Gemeinschaftsaktion von Lost Traces, der Stadt Neunburg und der Gregor-von-Scherr-Realschule eine Bilanzveranstaltung zum „Raumlabor“ an.

Interessenten, welche die Kirche für eine Veranstaltung nutzen möchten, sollten sich mit der Schule in Verbindung setzen. Zusammenfassend stellte sie fest, die Kirche sei es wert, sich Gedanken über ihren Erhalt zu machen. „Gebäude lassen sich aber nur erhalten, wenn man sie auch nutzt“, fügte sie hinzu.

Stellvertretend für die Projektpartner betonte Peter Scheitinger vom Rotaryclub Oberviechtach/Oberpfälzer Wald, bei der Übernahme einer Schirmherrschaft könne nicht immer vorausgesagt werden, was einen erwarte. Neben vielen sozialen Projekten gehöre dieses Projekt zu den wenigen kulturellen Projekten. Es solle helfen, Schwierigkeiten mit der Infrastruktur im Altstadtbereich in den Griff zu bekommen. Dazu gäbe es nichts Besseres, als die Menschen für ein paar schöne Stunden in die Altstadt zu holen. Er hoffte, dass es gelingen werde, die Öffentlichkeit mitzunehmen.

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