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Sanierung

„Alte Post“: Stück Heimat geschaffen

Ein Bauwerk, das Geschichte ausstrahlt, prägt wieder das Landschaftsbild an der Bundesstraße 15 in der Nähe von Maxhütte-Ponholz.

  • Die Alte Post erstrahlt in neuem Glanz. Fotos (3): Wanner

MAXHÜTTE-HAIDHOF.Wer Richtung Regensburg über die B 15 in den vergangenen Jahren gefahren ist, für den ist die Veränderung in Höhe Ponholz unübersehbar: Stolz wie ihn ihren besten Zeiten, im kräftigen Gelb und weithin leuchtend, prägt die „Alte Post“ das Bild. Wer weiß, ob die „Alte Post“ so gut ausgesehen hat, als der bislang prominenteste Besucher dort geruhte, ein Frühstück einzunehmen? Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe machte während seiner Italienreise am Montag, 4. September 1786, hier Station.

Es brauchte die passende Zeit

Mit der Sanierung ist ein neues Kapitel in einer Geschichte aufgeschlagen, die seit Jahrhunderten währt. Zu verdanken ist es Dipl. Ing. Robert Gerstl, der so manches Mal in den vergangenen Jahren am Gebäude vorbeigefahren war: „Und immer wieder fiel mir die ,Alte Post‘ auf.“ Wie so oft im Leben brauchte es die passende Zeit, damit ein Gedanke Früchte tragen konnte. Die kam für den Ingenieur, als dessen Firma, die Lorenz engineering GmbH, angesiedelt in Regenstauf, mehr Platz benötigte. Gerstl stand vor der Frage, ein größeres Gebäude zu mieten oder einen Neubau anzudenken. Doch es gab da ja noch die „Alte Post“. Ein Bauwerk, das Geschichte ausstrahlt, „etwas ganz anderes, als ein moderner und noch so funktioneller Neubau.“ Und wer mit Gerstl über das Gebäude spricht, der weiß, man kann sich nicht nur in eine Frau verlieben. „Jeden Samstag, jeden Sonntag“ war der Ingenieur selbst in der „Alten Post“, um an der Sanierung mitzuarbeiten. Mit viel Liebe zum Detail und immer in Übereinstimmung mit dem Denkmalschutz wurde renoviert und saniert. Ob der guten Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege geht ein ausdrücklicher Dank von Gerstl an die Behörde.

900 000 Euro Gesamtkosten

Start der Generalsanierung war vor rund eineinhalb Jahren und im „goldenen Oktober“ wird laut Gerstl der letzte Handwerker abrücken und auch Restaurant und Wirtshaus würden fertiggestellt sein, sprich das Erdgeschoß, in dem momentan noch gearbeitet wird. Es ist dies Bauabschnitt Nummer drei, die Abschnitte eins (Dachgeschoß) und zwei (Obergeschoß) sind abgeschlossen. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 900000 Euro. Wo immer es ging, wurde die historische Substanz berücksichtigt, etwa originales Parkett wiederverwendet. Besucher werden die „Alte Post“ durch das renovierte alte Tor betreten. Gerstl freut sich über die große Resonanz, die die Sanierung erzeugt. Für ihn, der schon in China Fabriken gebaut hat, ist der Erhalt des Gebäudes „das Schaffen von Heimat“. „Man kann noch so eine große Fabrik bauen, das hier hat eine besondere Bedeutung“.

Die Zukunft der „Alten Post“ scheint gesichert und damit die Fortsetzung einer Geschichte, die in den 1740er Jahren begonnen hat. Wer allerdings vermutet, dass die Post damals durch Ponholz rollte, liegt falsch. Die ursprüngliche Poststation an diesem Teil eines Postkurses von Regensburg über Schwandorf nach Amberg lag in Pirkensee und nicht in Ponholz, wie Forschungen von Dr. Martin Dallmeier verraten. Die stellen die Vorgeschichte so dar: Ende des Jahres 1764 berichtet ein Wolfgang Wilhelm Lassleben an die „thurn und taxissche Geheime Kanzlei“: „Die von Höchstdenenselben mir gnädigst anvertraute Poststation Birkensee, solche in der von der von Regensburg nacher Schwandorf und Amberg gehenden Postroute kündigermaßen ziemlich abwegs situiert ist, auf sehr nützliche Art und zwar auf das Churpfälzische Dorf Bonnholz transferiert werden könnte.“ Anders gesagt, Pirkensee lag abseits vom Schuss, da sowohl von Regensburg über Regenstauf bis Ponholz „ein völlig gemachter Weg“ führt, wie auch von dort bis „Deublitz, wohin Weg rechts und gread über den so genannten Sauforst gehet“.

Angebot von Wilhelm Lassleben

Dort in Teublitz mündete der Weg wieder in die ordentliche Poststraße nach Schwandorf. Lassleben unterbreitete das Angebot, weil die Passage nicht so bequem wie die ordentlichen Haupt- und Poststraßen war, diese zusammen mit dem Posthalter zu Schwandorf „zur Bezeugung ihres Diensteifers“ den erwähnten „ungemachten und etwa eine starcke Stund betreffenden Distrikt“ auf eigene Kosten dem Niveau der anstoßenden Poststraßen anzupassen. Auch berichtet der Posthalter, dass er „durch göttlichen Segen ein ansehnliches Gut“ in Ponholz kaufen konnte. Damals wie heute heißt es bei solchen Projekten: bürokratische Hindernisse überwinden. Es brauchte die Intervention von Reichsgeneralpostmeister Alexander Ferdinand von Thurn und Taxis beim Kurfürsten Karl Theodor von der Pfalz, zu dessen Herrschaftsbereich Ponholz damals gehörte, bis es soweit war: Ab dem vierten Quartal 1765 hieß es, Passagiere und Kuriere sowie alle „Ordinarsendungen und Estaffetten nur noch über Ponholz zu verführen“.

Die Postgeschichte endete 1808

Nach geschafftem Umzug, kam die Poststation 1766 zu ihrem heutigen Aussehen: Ein breiter, rechteckiger Bau von 25 mal 18 Metern mit korbbogigem Eingangstor in der Mitte der Westfassade, den runden Nischen neben dem mittleren Fenster des Obergeschoßes mit breitem Zwerchgiebel. Die Postgeschichte währte bis ins Jahr 1808, die Geschichte der „Alten Post“ währt hoffentlich noch lange.

Am Tag des offenen Denkmals, am Sonntag, öffnet auch die „Alte Post“ ihre Pforten.Eine Besichtigung ist am Sonntag von 10 Uhr bis 18 Uhr möglich. Um 11 Uhr, 13 Uhr, 15 Uhr und 17 Uhr werden Führungen angeboten, außerdem gibt es einen Biergartenbetrieb.Näheres zur Geschichte der Alten Post erfährt man auf der Internetseite des „Oberpfälzer Kulturbundes“ (www.operpfaelzerkulturbund.de). Dort sind die Forschungen von Dr. Martin Dallmeier zur kaiserlichen Reichspoststation Pirkensee und Ponholz veröffentlicht. (bxh)

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