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Projekte

Am Hirtberg wächst der Unmut

Altanlieger fühlen sich von neuen Projekten in Burglengenfeld in die Zange genommen. Ist die Nachverdichtung übertrieben?
Von Thomas Rieke

Die ersten Bäume sind längst gefallen: Auf diesem Grundstück, Am Hirtberg, sollen rund 50 Wohneinheiten entstehen. Das ehemalige Zierer-Anwesen (im Bild) bleibt bestehen. Nachbarn ist die Dichte der Bebauung viel zu hoch. Foto: Rieke
Die ersten Bäume sind längst gefallen: Auf diesem Grundstück, Am Hirtberg, sollen rund 50 Wohneinheiten entstehen. Das ehemalige Zierer-Anwesen (im Bild) bleibt bestehen. Nachbarn ist die Dichte der Bebauung viel zu hoch. Foto: Rieke

Burglengenfeld. „Nachverdichtung!“, so heißt aktuell in vielen Bauabteilungen landauf, landab das Zauberwort. Um den Flächenfraß in den Griff zu bekommen und trotzdem der Nachfrage nach zusätzlichem Wohnraum gerecht zu werden, scheint es in der Tat angebracht, zunächst einmal Baulücken zu schließen, als ständig weiteres fruchtbares Ackerland in Baugebiete umzuwandeln.

Doch die Nachverdichtung stößt längst nicht überall auf Begeisterung, im Gegenteil. Im Herbst letzten Jahres berichtete unser Medienhaus über ein Projekt in Wölland, das in der Nachbarschaft sehr kritisch gesehen wird; nun gibt es einen vergleichbaren Fall Am Hirtberg, der zwischen dem westlichen und östlichen Teil der Maxhütter Straße liegt.

CSU-Fraktion ist uneinig

Bei einem Ortstermin im Februar debattierte der Bauausschuss des Stadtrats unter anderem über die Erschließung. Foto: Rieke
Bei einem Ortstermin im Februar debattierte der Bauausschuss des Stadtrats unter anderem über die Erschließung. Foto: Rieke

Auf dem Grundstück des ehemaligen Zierer-Anwesens (insgesamt fast 9000 Quadratmeter) möchte Unternehmer Bayram Karagöz sechs Mehrfamilienhäuser (MFH) und eine Doppelhaushälfte errichten; die „MFH“ sollten zunächst jeweils aus acht Einheiten bestehen; nachdem Mitglieder des Bauausschusses bei einem Ortstermin im Februar Bedenken erhoben hatten, erklärte sich der Investor spontan bereit, zwei Blöcke um jeweils zwei Wohnungen abzuspecken. Dadurch sollte Rücksicht auf bestehende Anwesen genommen werden.

Fast zeitgleich wird, einen Steinwurf entfernt, ein weiteres Projekt vorangetrieben: Eine Bauherrin beabsichtigt, auf einem Gelände, das knapp 8000 Quadratmeter misst, in zwei Geschosswohnungsbauten jeweils zwölf Einheiten realisieren. Auch hier spricht Bürgermeister Thomas Gesche von „sinnvoller Nachverdichtung“. Dabei gehen die Meinungen hier sogar innerhalb der CSU weit auseinander. Thomas Hofmann betonte im Stadtrat am 9. Mai: „Teilen unserer Fraktion ist das zu massiv.“

Zwischen Projekt 1 und 2 quasi eingekeilt befinden sich die Anwesen Am Hirtberg 3 und 3a von Petra und Georg Pfad sowie Hans Hirschmann. Sie verfolgen die Entwicklung der Dinge seit geraumer Zeit mit wachsendem Unbehagen. Als das Vorhaben von Bayram Karagöz nun erneut im Bauausschuss und wenig später im Stadtrat vorgelegt wurde, um das gemeindliche Einvernehmen herzustellen, sah sich Petra Pfab gezwungen, Einspruch einzulegen.

In einem Brief an den Rathauschef. spricht sie von einer „übertriebenen Anzahl und Größe“ der geplanten Häuser; sie seien einen Stock höher als der Bestand. Dies führe zu einer „unangemessener Bevölkerungsdichte“ – und entsprechend viel Verkehr. Dabei sei die Zahl der Stellplätze, die vorgesehen sind (56), viel zu gering, so dass die Maxhütter Straße verstärkt zum Parken genutzt werde – zum Nachteil des Verkehrsflusses, der seit ein paar Jahren sowieso schon immer öfter ins Stocken gerate.

Pfab befürchtet ferner für sich persönlich eine unzumutbare Belastung, weil in unmittelbarer Nähe ihres Schlafzimmers zwanzig Parkplätze vorgesehen seien; Vor dem Hintergrund der unterschiedlichsten Arbeitszeiten der künftigen Nachbarn seien ständiges Türenzuschlagen und Motorengeräusch auch zu frühester Stunde zu erwarten.

Wie viel Verkehr verkraftet diese Zufahrt (zwischen rotem und schwarzem Pkw)? Altanlieger befürchten, dass es zu Schwierigkeiten kommen wird. Foto: Rieke
Wie viel Verkehr verkraftet diese Zufahrt (zwischen rotem und schwarzem Pkw)? Altanlieger befürchten, dass es zu Schwierigkeiten kommen wird. Foto: Rieke

Nicht zuletzt ist Pfab die Zufahrt zum „Zierer-Areal“ ein Dorn im Auge. Sie sei für die geplante Bewohnerzahl ungeeignet. Die Belastung durch Lärm und Abgase werde wegen der Steigung und hohen Fluktuation (auch durch Lieferverkehr) heftig.

Ab Dienstag neue Auslegung

Bürgermeister Gesche hat umgehend reagiert. In seiner Antwort kündigt er an, Pfabs Anliegen werde einer „ordentlichen Abwägung unterzogen“. Am 2. Mai sei einstimmig beschlossen worden, den Bebauungsplan noch einmal vier Wochen auszulegen, um die Öffentlichkeit zu beteiligen. Andererseits betont Gesche auch, dass die vorgesehene Bebauungsdichte im Rahmen des Üblichen liegen würde. Der Flächenverbrauch sei unterm Strich deutlich geringer, als wenn nur Einfamilienhäuser geplant würden.

In der Ratssitzung hatte Gesche allerdings selbst eingeräumt, dass auch er wachsende Verkehrsprobleme in der Maxhütter Straße für möglich hält. Deshalb regte er an, gegebenenfalls über Parkverbote nachzudenken. „Das könnte ein Lösungsansatz sein.“

Dass es zur erwähnten erneuten Auslegung des Vorhabens von Bayram Karagöz kommt, geht auf eine Initiative von SPD-Fraktionschef Sebastian Bösl zurück; ihm war von Anfang an ein Dorn im Auge gewesen, dass das Projekt ursprünglich im beschleunigten Verfahren durchgezogen werden sollte. „Auch wir sind dafür, dass Wohnungen gebaut werden. Aber die Belange der Nachbarn sind zu berücksichtigen und sorgfältig abzuwägen.“

Petra Pfab hört dies gern, bleibt aber skeptisch. Sie hat nachdem, wie das Verfahren bisher gelaufen ist, das Gefühl, dass die Interessen der Altanlieger bisher viel zu wenig Beachtung gefunden haben.

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