MyMz
Anzeige

Sicherheit

Anwohner warnt vor „Horror-Kreuzung“

Am Ortseingang von Nittenau hat es in diesem Jahr mehrmals gekracht. Das sagen Polizei und Feuerwehr dazu.
Von Cornelia Lorenz

Attila Biro macht sich große Sorgen: Er befürchtet an der Regentalstraße weitere schwere Unfälle. Foto: Lorenz
Attila Biro macht sich große Sorgen: Er befürchtet an der Regentalstraße weitere schwere Unfälle. Foto: Lorenz

Nittenau.Von seinem Balkon aus hat Attila Biro freie Sicht auf die Regentalstraße am Ortseingang von Nittenau. Vier Mal hat es hier in den vergangenen sechs Monaten an der Abzweigung nach Bruck gescheppert. „Das ist eine Horror-Kreuzung. Ich mache mir Sorgen, dass bald jemand sterben wird“, sagt Biro. Die Polizei hält mit ihrer Unfallstatistik dagegen.

Seit elf Jahren lebt Biro im kleinen Nittenauer Ortsteil Obermainsbach. Rund 150 Meter Luftlinie sind es von seiner Wohnung aus bis zu der Stelle, wo die Staatsstraße 2149 aus Richtung Stefling kurz vor dem Nittenauer Ortsschild auf die Abzweigung in Richtung Bleicher Kreisel trifft. Seit knapp eineinhalb Jahren sind hier Biros Beobachtung nach deutlich mehr Autos unterwegs als vorher. Das hänge mit der halbseitigen Sperre auf der großen Regenbrücke in der Innenstadt zusammen, ist Biro überzeugt.

Anwohner kritisiert die Vorfahrtsregelung

Das gestiegene Verkehrsaufkommen an der Einmündung ist für ihn auch der Knackpunkt: Die vorhandene Vorfahrtsregelung passt aus seiner Sicht nicht zur neuen Situation mit viel mehr Verkehr aus Richtung Innenstadt. Vor allem kritisiert Biro, dass die vergleichsweise wenigen Linksabbieger aus Richtung Stefling Vorfahrt haben – vor den zahlreichen Autofahrern, die aus Nittenau kommen und rechts Richtung Bleicher Kreisel abbiegen.

Gleichzeitig, so moniert Biro, müssten die Linksabbieger aus Stefling aber jene Autofahrer durchlassen, die von Nittenau aus geradeaus in Richtung Stefling unterwegs seien. Das sei an der eigentlich sehr übersichtlichen Stelle inzwischen problematisch und führe deshalb immer wieder zu Zwischenfällen. Um die aus seiner Sicht so gefährliche Situation an der Einmündung zu entschärfen, würde Biro einen Umbau begrüßen. „Ich wäre hier total für einen Kreisverkehr“, sagt er. Zuletzt hatte er in den sozialen Medien auf die Problematik aufmerksam gemacht und damit eine lebhafte Diskussion um die Einmündung ausgelöst.

Schon vier Unfälle in diesem Jahr

Bei einem Unfall am 14. Juni wurden zwei Männer verletzt. Foto: taf/Archiv
Bei einem Unfall am 14. Juni wurden zwei Männer verletzt. Foto: taf/Archiv

Dass es an der Stelle in letzter Zeit einige Unfälle gab, ist unbestritten. Zuletzt hatte es hier am 24. Oktober gescheppert. Dabei wurden zwei Personen leicht verletzt. Kurz zuvor, am 28. September, waren bei der Kollision eines Pkw mit einem Motorrad zwei Menschen schwer und eine Person leicht verletzt worden. Bereits im Juni 2019 hatte es hier einen Unfall mit zwei zum Teil schwer verletzten Personen gegeben. Im Mai war hier ein 17-Jähriger mit seinem Leichtkraftrad auf ein Fahrschulauto aufgefahren und hatte sich dabei Prellungen und Schnittverletzungen zugezogen.

Polizei stuft die Einmündung als unauffällig ein

Doch kann man nach diesen Vorfällen tatsächlich von einem Unfallschwerpunkt sprechen und daraus Handlungsbedarf ableiten? Bei der Polizeistation Nittenau schätzt man beim Blick in die Statistik die Einmündung als „nicht auffällig“ ein. Wolfgang Schuhmann, stellvertretender Leiter der Polizeistation, räumt aber ein, dass der Verkehr hier aufgrund der halbseitigen Sperrung der großen Regenbrücke im Juli 2018 zugenommen habe. So könnte bei den Anwohnern durchaus das Gefühl einer gestiegenen Gefahr entstehen, auch wenn sich das anhand der Zahlen nicht verifizieren lasse, sagt er.

Polizei sieht keinen Unfallschwerpunkt

  • Definition:

    Aus Polizeisicht spricht man von einem Unfallschwerpunkt, wenn sich an einer Stelle innerhalb von drei Jahren mindestens drei Unfälle mit schwerverletzten Personen oder mindestens acht Unfälle mit Leichtverletzten ereignet haben.

  • Beurteilung:

    Nach Einschätzung der zuständigen Polizeiinspektion Burglengenfeld ist die Einmündung aufgrund der Unfallzahlen „meilenweit von einem Unfallschwerpunkt entfernt“. Zudem sei die Kreuzung sehr übersichtlich, sagt Verkehrssachbearbeiter Stefan Hannig.

Ähnlich beurteilt der zuständige Verkehrssachbearbeiter von der Polizeiinspektion Burglengenfeld die Situation. Beim Blick in den Computer findet Stefan Hannig seit dem Jahr 2010 in Summe fünf Verkehrsunfälle, die sich hier an der Abzweigung ereignet hätten. In vier Fällen hätten hier Linksabbieger aus Stefling dem Gegenverkehr die Vorfahrt genommen, sagt er.

Stefan Hannig von der Polizeiinspektion Burglengenfeld. Foto: bbs/Archiv
Stefan Hannig von der Polizeiinspektion Burglengenfeld. Foto: bbs/Archiv

„Das ist eine ganz normale Einmündung“, lautet deshalb Hannigs Fazit. Im Polizeialltag kommt es seiner Erfahrung nach recht häufig vor, dass Anwohner einer Kreuzung, die einen Unfall hautnah mitbekämen, die Gefahren sehr drastisch einschätzten, die Realität aber anders aussehe. „Das liegt unter anderem daran, dass auch viele in letzter Folge eher harmlose Unfälle zunächst ein hohes Aufgebot an Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei auslösen, das dann für spektakuläre Bilder sorgt“, sagt Hannig.

Feuerwehr-Kommandant sieht keinen Unfallschwerpunkt

Die Freiwillige Feuerwehr Nittenau war nach Angaben von Kommandant Michael Kerkez im Jahr 2019 drei Mal wegen Unfällen an der Einmündung im Einsatz. Auch er sieht die Stelle nicht als Unfallschwerpunkt. Schließlich müsse man die Zahlen aufs Jahr hochrechnen – und das ergebe, verglichen mit anderen Kreuzungen, ein ganz normales Bild. Auch die Verkehrsregelung hier sei Standard. „Fast jede größere Kreuzung ist so aufgebaut“, sagt er.

Sicherheit

Winter ist für die Regenbrücke riskant

Das 70 Jahre alte Bauwerk in Nittenau muss dringend ersetzt werden. Jetzt hat das Projekt eine weitere Hürde genommen.

Mehr Nachrichten aus Nittenau lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht