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Region Schwandorf
Samstag, 18. August 2018 29° 3

Übungsstunde

Auch Gassi gehen will gelernt sein

Beim Schäferhundeverein Saltendorf üben die Vierbeiner und ihre Halter das richtige Verhalten beim Spazierengehen.
Von Werner Artmann

Bei den gemeinsamen Ausbildungsspaziergängen erlernen die Hunde das richtige Verhalten in der Gruppe Fotos: bat
Bei den gemeinsamen Ausbildungsspaziergängen erlernen die Hunde das richtige Verhalten in der Gruppe Fotos: bat

Teublitz. Wenn man die Namen „Nick“, „Bugsy“, „Amy“, „Sammy“ und „Elli“ rund um den Saltendorfer Weiher und entlang der Naab-Auen hört, dann reagiert auf das Rufen nicht etwa eine Kindergruppe. Sondern die Ausbildungswartin der „Hundara“ des Schäferhundevereins, Colette Pirzer, ist mit den Zwei- und Vierbeinern bei ausgedehnten Hundespaziergängen unterwegs. Ziel ist es, die „Leinenführigkeit“ in Alltagssituationen zu verbessern und das richtige Verhalten gegenüber Passanten und anderen Mensch-Hund-Teams zu erlernen. Mit dieser interessanten Ausbildungsidee für Vierbeiner, der sich rund zehn Hundeführer/innen angeschlossen haben, startete der Schäferhundeverein Saltendorf heuer ins 50. Vereinsjahr.

Der Hund zerrt und bellt

„Die meisten Hundebesitzer träumen davon, auf ausgedehnten Spaziergängen gemeinsam mit ihrem Vierbeiner die Natur zu genießen und sich ruhig und sicher im Straßenverkehr zu bewegen,“ so die Saltendorfer Ausbildungswartin. Leider sieht dabei die Realität oft anders aus. Der Hund zerrt an der Leine, bellt, schnüffelt oder bleibt stehen, wann und wo es ihm passt. In den Kleingruppen haben die Hundeführer bei den Hundespaziergängen die Möglichkeit, sich mit anderen „Hundaran“ auszutauschen und wichtige Tipps und Tricks beim Umgang mit den Vierbeinern zu erfahren. Weiterhin wird auch das Verhalten im Straßenverkehr geübt. Wenn es der Leistungsstand der Gruppe zulässt, lernt der Hund, beim Stadtspaziergang vor einem Geschäft auf seinen Begleiter zu warten, sich am Restauranttisch ruhig zu verhalten und vieles andere mehr.

Ausbildungswartin Colette Pirzer mit ihrem „Liebling“
Ausbildungswartin Colette Pirzer mit ihrem „Liebling“

Ein großes Anliegen der Ausbildungsleiterin war es, den Teilnehmern zu vermitteln, wie man sich als verantwortungsbewusster Hundehalter in der Öffentlichkeit benehmen sollte. Dazu gehört z.B., dass man seinen Hund grundsätzlich anleint, wenn man Passanten, aber vor allem auch anderen Hunden, begegnet. Das Wegräumen der Hinterlassenschaften sollte selbstverständlich sein.

Der Kurs umfasst eine einführende Einzelstunde und neun Gruppenstunden mit vier bis acht Teilnehmern. Geeignet ist der Kurs für alle Hunde, die älter als fünf Monate sind, unabhängig von Größe oder Rasse. „Hunde mit ausgeprägten Aggressionen gegenüber Menschen oder Artgenossen werden bei dem Kurs nicht zugelassen“, sagt Colette Pirzer im Gespräch mit der MZ. Benötigt werden ein normales Halsband mit Leine, das Impfbuch und der Nachweis einer Tierhalterhaftpflichtversicherung. Eine Mitgliedschaft im Verein ist nicht nötig. Die Dauer einer Übungsstunde beträgt immer 60 Minuten.

Manche Hunde zeigen auch schon einige „Kunststücke“ wie „Tunnel“.
Manche Hunde zeigen auch schon einige „Kunststücke“ wie „Tunnel“.

Der erste Spaziergang im Rahmen der Ausbildung erfolgte Anfang April und zum Start beim Übungsgelände des Schäferhundevereins hatten sich vier Hundeführer und drei „Hundara“ aus dem eigenen Verein mit ihren Vierbeinern eingefunden. Die Interessenten waren überwiegend Frauen, deren Hunde ein Alter von zwei bis vier Jahren hatten. Es waren ein mittelgroßer Mischling, ein Labradormischling, ein Australien-Shepherd-Mischling und ein Deutscher Schäferhund. Mit dabei war auch die Vorsitzende des Schäferhundevereins Saltendorf, Claudia Krutina, mit dem geprüften Labrador-Therapiehund „Nick von der Danubia“. „Alle haben dann unsere Führtechnik auch in ihrer Freizeit alleine geübt und waren erstaunt, wie entspannt ein Spaziergang gemeinsam mit anderen Hunden sein kann“, bemerkte die Ausbildungswartin Pirzer.

Die Leine soll durchhängen

Beim Hundespaziergangskurs wird besonders darauf geachtet, dass die Hunde lernen, dem Hundeführer ruhig und entspannt zu folgen. „Das Ziehen eines Hundes zerrt an den Nerven“, weiß Pirzer. Mit ein paar Handlungsgrundsätzen kann dieser Teufelskreis aber durchbrochen werden und sogar „erfahrene Zieher“ können innerhalb von wenigen Übungseinheiten lernen, bei durchhängender Leine neben Herrchen oder Frauchen zu laufen.

Für die Führtechnik werden normale, handelsübliche Halsbänder oder Ketten, beide ohne würgende Funktion, verwendet. Leinen, deren Länge man mit Ringen und Karabinern verändern kann, sind vorteilhaft. „Wir benutzen weder Leckerlis noch Spielzeug, da wir unsere Führungsqualitäten unabhängig von diesen Triebzielen stärken wollen“, stellte die Ausbildungsleiterin fest. „Wir vertrauen darauf, dass sich unser Hund als soziales Wesen in unsere Familie, unser Team, einfügen möchte und wir zeigen ihm, wie das gelingen kann. Dabei ist die Körpersprache sehr wichtig.“

Ein wichtiger Bestandteil bei den Spaziergängen ist die Ruhe, das Entspanntsein und das Bestimmende des Hundeführers. Man geht davon aus, dass sich der auszubildende Hund so verhält, wie man es von ihm erwartet. Tut er das nicht, wird er kurz auf seinen Fehltritt hingewiesen. Der Hundeführer bewegt sich nach dem Motto: „Eine Führungsperson beachtet nicht, sie wird beachtet.“

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50 Jahre Schäferhundeverein Saltendorf

  • Die Ortsgruppe Saltendorf

    wurde 1968 aus Mitgliedern des Teublitzer Hundevereins gegründet. Den Vorsitz übernahm Hans Blechschmidt. Die erste Schutzhütte der Hundefreunde bestand aus Holz und der Platz befand sich in einer aufgelassenen Kiesgrube. Die Grube wurde aufgefüllt und 1973 entstand ein massives Gebäude an der heutigen Stelle. Das heutige Vereinsheim wurde 1981 fertiggestellt.

  • Jedes Jahr gab es

    Frühjahrs- und Herbstprüfungen sowie Jugendveranstaltungen. Als Schauleiter organisierte Karl Schneider jedes Jahr Schauen, teilweise mit über 120 Deutschen Schäferhunden. 2017 übernahm Claudia Krutina das Amt der ersten Vorsitzenden. Seither versuchen sich die „Hundara“ mit neuen Angeboten, wie dem „Erziehungsspaziergang“, weiteren Hundebesitzern zu öffnen. (bat)

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