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Hilfe

Auch nach 20 Jahren Hilfskonvoi viel zu tun

Der 22. Konvoi der Aktion Tschernobyl bricht am 20. April in die Ukraine auf. Sechs Lastwagen bringen medizinische Geräte.
Von Andrea Rieder

  • Waisenkinder dürfen sich über Päckchen freuen.
  • Ein neuer Krankentransportwagen wird heuer nach Naroditschi gebracht.
  • Mehrere Lastwagen voll mit Hilfsgütern rollen jedes Jahr in die Ukraine.
  • Die ukrainischen Kinder freuen sich ganz besonders über den Besuch der Aktion Tschernobyl.

Pfreimd. Die Vorbereitungen laufen mittlerweile auf Hochtouren. In den Lagern in Pfreimd, Schwarzenfeld, Weiden und Wernberg-Köblitz müssen Hilfsgüter verpackt und verladen werden, bevor der Konvoi in gut einer Woche Richtung Ukraine rollen kann. Sechs Lastwagen werden es diesmal sein, die fünf Krankenhäuser mit mehreren Tonnen medizinischem Versorgungsmaterial ausstatten. „Das fängt bei Bettwäsche und Waschmittel an und hört bei medizinischen Geräten auf“, sagt Initiator Dr. Josef Ziegler.

Diesmal unter den Spendengütern: ein neuer Krankentransportwagen für 90000 Euro, ein mobiles Röntgengerät für 45000 Euro und ein Gastroskop für 23000 Euro – alles Dinge, die im ehemaligen Katastrophengebiet von 1986 dringen gebraucht werden. Besonders der Ort Naroditschi in der Verstrahlungszone 2 liegt Ziegler in diesem Jahr am Herzen. Ein ganzer Lastwagen geht allein an das dortige Krankenhaus.

Konvoi legt 5000 Kilometer zurück

Seit 1991 startet jährlich ein solcher Konvoi in die Ukraine. In den über 20 Jahren mag sich die wirtschaftliche Situation der Bevölkerung etwas verbessert haben. „Für die medizinische Versorgung gilt das aber nicht“, sagt Ziegler. Vor allem auf dem Land seien die Bedingungen immer noch schlecht. Dabei seien die ukrainischen Ärzte hervorragend ausgebildet. Es fehle ihnen schlicht an der nötigen Ausstattung. Und auch die hygienischen Voraussetzungen müssten verbessert werden. Viele Sterilisatoren hat der Hilfskonvoi deshalb bereits in die Ukraine gebracht. Nahrungsmittel und Kleidung werden dagegen nicht mehr mitgekommen. Ziegler: „Die Menschen dort brauchen keine gebrauchte Kleidung oder Essen. Sie verhungern nicht. Es fehlt ihnen ganz klar an der medizinischen Versorgung.“

33 Helfer nehmen die Strapazen der langen Reise in diesem Jahr wieder auf sich, legen bei Hin- und Rückreise insgesamt 5000 Kilometer zurück, schlafen in den Lastwagen und warten teilweise acht bis zehn Stunden geduldig an der Grenze, bis der Zoll grünes Licht gibt. Das Schlimmste sei für sie der Schlafentzug, sagt Ziegler. Drei Mechaniker, die sich um die Wartungsarbeiten und Installation der Geräte kümmern, reisen außerdem mit dem Flugzeug an.

Der Lohn für den Einsatz: Die Menschen in der Ukraine empfangen sie mit offenen Armen und nehmen die Hilfsgüter mit großer Dankbarkeit entgegen. Und Jahr für Jahr dürfen die Mitglieder der Aktion Tschernobyl erleben, wie sich wieder ein bisschen was verbessert hat. In der Kinderklinik von Professor Orlov zum Beispiel, die schon 20 Jahre beliefert wird und „langsam aussieht wie eine westeuropäische Klinik“.

Und dennoch: „Es gibt genug zu tun“, sagt Dr. Ziegler, auch nach 20 Jahren Hilfskonvois. Immer wieder würden Krankenhäuser mit Bitten an den Pfreimder Verein herantreten. Weil nicht alle Hilfsgüter im Konvoi mitgenommen werden können, bietet man größeren Krankenhäusern mittlerweile an, Materialien und Versorgungsmittel selbst in der Oberpfalz abzuholen, falls es diesen finanziell möglich ist. In der Lagerhalle in Weiden stehen zum Beispiel 20 Krankenhausbetten und Nachtkästchen bereit, die demnächst abgeholt werden.

Ein Kraftakt ist nicht nur der jährliche Konvoi an sich. Für die einwöchige Fahrt findet Ziegler leichter Mitfahrer als Helfer für die viele Arbeit unter dem Jahr: um Spenden bitten, die Spenden abholen, lagern und warten – das kostet Zeit und Kraft. Ohne einige engagierte Rentner sei dies nicht zu stemmen, so Ziegler. Er selbst sei mittlerweile ein guter Spediteur und Lagerist geworden. Auch die Organisation von Lagerhallen und Lastwagen sei nicht immer einfach. Die Transporter, die dem Konvoi kostenlos zur Verfügung gestellt werden, kommen aus ganz Bayern.

Spenden, die auch ankommen

Immer wieder Spender zu finden, ist ebenfalls keine leichte Aufgabe für die Aktion Tschernobyl. „Es gibt so viele Katastrophen, die Leute wissen ja gar nicht mehr, wo sie spenden sollen“, sagt Ziegler. Dennoch finde die Aktion Tschernobyl immer wieder Unterstützer, wie zum Beispiel Josef Wagner und Karl Eckert, die einen Aufsitzmäher für einen Kindergarten gesponsert haben. Ziegler: „Die Leute in der Region wissen, dass bei uns 98 Prozent der Spenden in die humanitäre Hilfe gehen.“ Lediglich ein Bruchteil würde für Organisatorisches wie Papier oder Porto benötigt, alles andere geschehe ehrenamtlich. Auch daran, dass die Hilfe bei den Bedürftigen ankommt, gebe es keinen Zweifel. Immerhin liefern die Mitglieder der Aktion Tschernobyl diese persönlich vor Ort ab. Das gilt auch für die Geschenkpakete der jährlichen Päckchenaktion: „Jedes Kind bekommt sein Päckchen persönlich von uns in die Hand gedrückt“, so Ziegler. 350 bis 500 Stück verteilen die Mitglieder der Aktion Tschernobyl jedes Jahr an bedürftige Waisenkinder in der Ukraine.

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