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Film

Aus Doku-Reihe ist ein Festival geworden

Die Schwandorfer Dokumentarfilmtage „Zwickl“ sind zu einem echten Markenzeichen für die Stadt geworden. Bis aus Nürnberg reisten die Besucher an.
Von Hubert Heinzl

Geschafft: Zwickl 2014 ist Geschichte. Doch Initiatorin Anne Schleicher (li.) und Kulturamtsleiterin Susanne Lehnfeld versprechen eine Neuauflage im nächsten Jahr. Foto: Heinzl

Schwandorf.2400 zahlende Gäste, 24 Dokumentarfilme an drei Spielstätten, ein Budget von rund 17 000 Euro, das zu jeweils einem Drittel von den Besuchereinnahmen, Sponsoren und der Stadt Schwandorf gedeckt worden ist – das sind die dritten Schwandorfer Dokumentarfilmtage „Zwickl“ in Zahlen, am Tag nach dem ersten Kassensturz.

Doch nicht die Finanzen sorgen bei den Machern um Initiatorin Anne Schleicher und Kulturamtsleiterin Susanne Lehnfeld nach einer Woche Doku-Marathon für zufriedene Gesichter. Im Vergleich zum Vorjahr, sagt Anne Schleicher, ist etwas Entscheidendes passiert: „Dieses Jahr ist es zum ersten Mal ein richtiges Festival geworden.“ Susanne Lehnfeld hat gar während der Zwickl-Tage ein „heiteres Lebensgefühl“ rund um das ehemalige Metropolkino ausgemacht, eine gewisse Leichtigkeit: Eine Stadt sieht Dokumentarfilme und feiert sich damit auch ein Stück weit selbst.

Viel überregionaler geworden

Fakt ist, dass sich die Sache mit dem „Zwickl“ inzwischen herumgesprochen hat. „Im Vergleich zum letzten Jahr sind wir viel überregionaler geworden“, sagt Anne Schleicher, die Herz und Seele des ganzen Unternehmens ist. Die Besucher kamen aus der ganzen Oberpfalz und auch aus der Frankenmetropole Nürnberg nach Schwandorf, um sich Filme von „Bottled Life“ bis zur WAA-Doku „Spaltprozesse“ anzusehen. Der Ostbayerische Tourismusverband hat auf seiner Homepage für das Festival geworben, und auch in der Filmszene hat sich „Zwickl“ bereits einen Namen gemacht. Redakteure, Kameraleute waren da, um ihre Filme zu begleiten. Selbst Hans Söllner hatte sich in diesem Jahr für die Vorführung seiner „Wirtshaustour“ angesagt, musste aber wegen eines Bandscheibenvorfalls daheimbleiben. Das Kunstfälscher-Paar Beltracchi dagegen schaffte es dank offenem Vollzug tatsächlich nach Schwandorf und sorgte am Samstag im ehemaligen Metropolkino für ein volles Haus.

Kurzum: Die Schwandorfer Dokumentarfilmtage sind dabei, zu einem echten Markenzeichen zu werden. „In der ganzen Region gibt es nichts Vergleichbares“, schwärmt Kulturamtsleiterin Lehnfeld. Dass der städtische Kulturausschuss in seiner nächsten Sitzung eine Fortführung der finanziellen Unterstützung beschließt, darf deshalb als gesichert gelten. Die Organisatoren wollen ohnehin weitermachen. „Dass das Zwickl weiterlebt, da sind wirklich alle dahinter“, sagt Anne Schleicher. Alle – das sind auch die vielen Helfer, ohne die das Festival nicht möglich gewesen wäre – neben den Mitarbeitern der Stadt vor allem die jungen Leute von Jugendbeirat und Pinhead Concerts, dazu Familienangehörige, Freunde, Bekannte.

ZMS-Leitwarte einmalige Aktion

Wie die Dokumentarfilmtage im nächsten Jahr aussehen könnten, daran hat Anne Schleicher so kurz nach dem Ende des Festivals noch keinen Gedanken verschwendet. Das Konzept der drei verschiedenen Spielstätten hat sich in ihren Augen jedenfalls bewährt. Allerdings steht die ZMS-Leitwarte, in der die Dokus gleich an vier Bildschirmen gleichzeitig liefen, künftig nicht mehr zur Verfügung. Denn von hier aus werden demnächst die Abläufe im Müllkraftwerk rund um die Uhr überwacht. Und ob das ehemalige Metropolkino, in dem das Herz des ganzen Festivals schlug, auch nächstes Jahr geöffnet wird, ist noch nicht ausgemacht. Alexander Heinz, der am Montag im früheren Lichtspielhaus wieder Pflanzen und Deko einräumte, zeigte sich zwar aufgeschlossen, mochte sich aber noch nicht definitiv festlegen. „Ich muss das erst einmal sacken lassen“, sagte er der MZ.

Wie auch immer, wo auch immer – geht es nach Anne Schleicher, soll „Zwickl“ sich weiter so „natürlich entwickeln“ wie das bisher der Fall gewesen ist. Ganz so wie die Facebook-Gemeinde, die inzwischen auf 400 Likes gewachsen ist. Für etwas so Sperriges wie Dokumentarfilme ist auch diese Zahl in der neuen Internet-Währung ganz beachtlich.

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