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Umdenken

Baumbestattung in Schwandorf geplant

Die Stadt Schwandorf will die herkömmlichen Bestattungsmöglichkeiten bald um zwei Alternativen für Urnen erweitern.
Von Elisabeth Hirzinger

  • In Schwandorf wird derzeit geprüft, Menschen, die eine Urnenbestattung wählen, eine Baumbestattung anzubieten. Foto: dpa
  • Auf halber Höhe des Waldfriedhofes steht Friedhofwärter Thomas Böckl neben einem Ahornbaum, in dessen Wurzelbereich die Urnen vergraben werden könnten. Foto: Hirzinger

SCHWANDORF.Vor drei Jahren noch hat der damalige Oberbürgermeister der Stadt, Helmut Hey, auf Nachfrage der MZ verlauten lassen, dass es in Schwandorf keine Baumbestattungen geben werde. Schließlich habe die Stadt erst jüngst neue Urnengräber geschaffen, und dort seien noch ausreichend Plätze vorhanden.

Inzwischen hat in der Stadt ein Umdenken stattgefunden. Auf Initiative der Verwaltung will die Stadt die herkömmlichen Bestattungsmöglichkeiten bald um zwei Alternativen erweitern. Angedacht sind Baum- und Stelenbestattungen, bestätigt die Pressestelle aktuelle Informationen der MZ.

Allerdings dürfe man eine Baumbestattung in einem Friedhof nicht mit einem Friedwald verwechseln, betont Lothar Mulzer. Mit dem in Nittenau beantragten und heftig umstrittenen Friedwald sei das Schwandorfer Vorhaben nicht zu vergleichen. Denn, während in der Nachbarkommune ein Teil eines Waldes als Friedwald ausgewiesen werden sollte, geht es in Schwandorf nur darum, kleine Bereiche in mehreren städtischen Friedhöfen umzuwidmen.

Gleich ist allerdings die Art der alternativen Bestattung: In beiden Fällen ruht die Asche der Verstorbenen in einer biologisch abbaubaren Urne an den Wurzeln eines Baumes. Die Grabpflege übernimmt die Natur.

Auch eine Stelenbestattung wäre in Schwandorf ein Novum. Angedacht ist, zum Beispiel auf leerstehenden Grabstellen Stelen aufzustellen, in denen mehrere Urnen untergebracht werden können. Freie Flächen gäbe es im Zentralfriedhof genügend, auch unten an der Wackersdorfer Straße, wie Lothar Mulzer recherchiert hat.

Mit beiden Angeboten würde die Stadt auf jeden Fall eine Lücke schließen. Davon ist auch Sabine Hauer-Pusz vom Bestattungsunternehmen Hauer überzeugt. Immer wieder erkundigten sich Schwandorfer nach Naturbestattungen, erzählt sie im Gespräch mit der MZ. Bisher musste sie die Angehörigen auf Friedwälder in Franken oder Niederbayern verweisen, mit denen das Unternehmen Hauer zusammenarbeitet.

Fakt ist, dass die Zahl der Urnengräber größer wird, während immer mehr Erdgräber in den Friedhöfen leer stehen. Den Trend bestätigen auch die Zahlen, die die Pressestelle der Stadt vorlegt. Demnach ist allein seit 2011 der Anteil der Urnenbestattungen von 46,8 Prozent auf 60,6 Prozent gestiegen.

Künftig sollen die Bürger von Schwandorf, die sich für eine Feuerbestattung entscheiden, die Wahl haben zwischen einer Beisetzung in einem Urnengrab, in einer Urnenwand, einer Stele oder im Wurzelbereich eines Baumes. Allerdings mit einer Einschränkung. Baumbestattungen sollen vorerst nur im Zentralfriedhof, in Dachelhofen und in Klardorf möglich sein. Darauf haben sich die Vertreter der Stadtratsfraktionen nach mehreren Ortsbegehungen mit den Mitarbeitern der Verwaltung verständigt.

Noch ist allerdings nichts beschlossen. Laut dem Pressesprecher der Stadt gibt es „verwaltungstechnisch noch einige Punkte abzuklären“. Unter anderem ist eine Satzungsänderung erforderlich. Die Gebühren müssen festgelegt und die vorgesehenen Flächen gewidmet werden.

Noch im ersten Halbjahr 2015 soll sich der Stadtrat mit der Idee auseinandersetzen. „Das Angebot könnte auf Interesse stoßen“, sagt Lothar Mulzer mit Verweis auf Erfahrungen, die andere Städte gemacht haben. Dort werde das Angebot gut angenommen.

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Baumbestattung

  • Der Begriff:

    Die Naturbestattung ist, laut Wikipedia, „ein aus dem Umfeld der Urnenwaldbetreiber geprägter Begriff. Im eigentlichen Sinn ist es die Bezeichnung für Bestattung in freier Landschaft. Bezugspunkt ist ein Naturelement. Die Form eines Grabes ist als solches nicht zu erkennen. Die Kommerzialisierung der Waldbestattung geht auf den Schweizer Ueli Sauter zurück, der sein 1993 entwickeltes Konzept „FriedWald“ als Marke eintragen ließ.

  • Baumbestattung:

    Mittlerweile bieten auch Friedhöfe Baumbestattungen an. Voraussetzung ist die vorherige Kremation. In der Regel wird eine biologisch abbaubare Urne verwendet. Eine kleine Tafel mit Inschrift kann den Platz der Urne markieren.

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