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Kriminalität

Baumer-Verlobter: Opfer bricht Schweigen

Der Prozess gegen den Krankenpfleger steht bevor. Nach einer ehemaligen Patientin geht ein Mitschüler an die Öffentlichkeit.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Ab November muss sich der Krankenpfleger vor Gericht verantworten. Foto: dpa
Ab November muss sich der Krankenpfleger vor Gericht verantworten. Foto: dpa

Regensburg.Das Landgericht Regensburg bereitet den Prozess gegen den früheren Verlobten der unter rätselhaften Umständen ums Leben gekommenen Maria Baumer vor. Es geht nicht um den Tod der jungen Frau, sondern um sexuellen Missbrauch von zwei Schülern des Domspatzengymnasiums sowie sexuelle Nötigung und Körperverletzung einer ehemaligen Patientin am Bezirksklinikum. Jetzt hat sich ein weiteres mutmaßliches Opfer zu Wort gemeldet. Der „Bild am Sonntag“ sagte ein 25-jähriger ehemaliger Schüler des Domspatzengymnasiums: „Ich hoffe, er wird eingesperrt. Er gehört ins Gefängnis. Das weiß ich jetzt.“ Der Schüler war zum Zeitpunkt der Geschehnisse elf Jahre alt.

„Ich wollte nicht, was er tat“

Vor Gericht wird sein Fall als „einfacher sexueller Missbrauch“ verhandelt. Was damals vorgefallen ist, das kann der junge Mann auch heute nur schwer in Worte fassen. „Ich war ja sexuell total unerfahren. Aber ich wollte das nicht, was er tat.“

Der deutlich ältere Mitschüler habe sich zunächst „wie ein Bruder“ um ihn gekümmert. Der Elfjährige, der aus dem Bayerischen Wald in das Regensburger Internat gekommen war, genoss den Zuspruch, es half ihm über die Einsamkeit hinweg, wie er sagt. Christian F. habe mit ihm Fußball gespielt, er sei mit ihm auf den Arber zum Skifahren gefahren. Er habe ihn auch zu Hause bei seinen Eltern besucht. Auch sie hatten nichts gegen diese Verbindung – trotz des Altersunterschiedes von sieben Jahren ließen sie ihren Sohn sogar mit dem 18-Jährigen zum Zelten an den Chiemsee fahren. „Er hat sich perfide das Vertrauen der ganzen Familie erschlichen“, sagt Rechtsanwalt Josef Richter aus Regen zu „Bild am Sonntag“. Richter vertritt die Familie in dem nun anstehenden Prozess.

Geahnt, dass nun alles rauskommt

Der 25-Jährige, der die Ereignisse jahrelang verdrängte, ging zunächst nicht zur Polizei. Nach der Ausstrahlung der Sendung Aktenzeichen XY, in der Christian F. nach seiner Verlobten suchte, habe er aber unbewusst schon geahnt, dass nun alles rauskommen werde, sagte er „Bild am Sonntag“. Erst als sich die Polizei meldete, habe er sich auch seiner Frau anvertraut. Der 25-Jährige macht inzwischen eine Therapie.

Es ist auffallend, wie sich die Aussagen der mutmaßlichen Opfer ähneln. Die ehemalige Patientin am Bezirksklinikum, die sich vor einigen Monaten zu einem Gespräch mit unserer Zeitung traf, hatte von der herzlichen und freundlichen Art des Krankenpflegers Christian F. gesprochen. Ihre Eltern hatten den heute 31-Jährigen als gebildet und überaus höflich beschrieben. „Wir empfanden ihn als eine Bereicherung in unserem Haus“, sagte die Mutter. Die junge Patientin und F. kannten sich bereits einige Monate als Maria Baumer verschwand. Nun muss das Gericht darüber entscheiden, ob Christian F. der jungen Frau Psychopharmaka verabreichte, in der Absicht, sich an ihr zu vergehen. Zu dem Übergriff soll es im April 2014 gekommen sein. Bei einem zweiten mutmaßlichen Opfer aus dem Kreis der Domspatzen geht die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage davon aus, dass es zwischen 2006 und 2011 immer wieder zu sexuellen Übergriffen kam. Also auch noch zu einem Zeitpunkt als Christian F. bereits mit Maria Baumer verlobt war. In diesem Fall sei es auch zu einem Fall von schwerem sexuellen Missbrauch mit Eindringen in den Körper gekommen, sagt die Staatsanwaltschaft. Zudem soll Christian F. den damals Jugendlichen im Schlaf sexuell berührt haben und dies mit Fotos und auf Video festgehalten haben. Die Polizei hatte das Beweismaterial im Zuge der Ermittlungen im Zusammenhang mit dem ungeklärten Tod der Verlobten des Mannes entdeckt. Es befand sich auf einer externen Festplatte, die mit herkömmlichen Methoden zunächst nicht entschlüsselt werden konnte. Der Prozess vor dem Landgericht Regensburg beginnt am 21. November.

Die Hintergründe zum ungeklärten Tod von Maria Baumer können Sie hier nachlesen:

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