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Prozess

Baumers Verlobter kommt vor Gericht

Der Krankenpfleger muss sich wegen Kindesmissbrauchs verantworten. Er ist auch verdächtig, seine Freundin getötet zu haben.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Der ehemalige Verlobte der getöteten Maria Baumer muss sich wegen Kindesmissbrauch und sexueller Nötigung vor Gericht verantworten. Foto: Rieder
Der ehemalige Verlobte der getöteten Maria Baumer muss sich wegen Kindesmissbrauch und sexueller Nötigung vor Gericht verantworten. Foto: Rieder

Regensburg.Der ehemalige Verlobte der tot aufgefundenen Maria Baumer kommt vor Gericht: Ab 21. November wird vor der Großen Jugendkammer am Landgericht Regensburg gegen ihn wegen sexuellen Missbrauchs von zwei Schülern des Domspatzen-Gymnasiums, wegen sexueller Nötigung und vorsätzlicher Körperverletzung einer ehemaligen Patientin am Bezirksklinikum, wegen Diebstahls von Medikamenten sowie dem Besitz von kinderpornografischen Darstellungen verhandelt. Wie der Sprecher des Landgerichtes Regensburg, Thomas Polnik, unserer Zeitung am Dienstag bestätigte, ist der Prozess zunächst auf zehn Verhandlungstage angesetzt.

Angeklagter hat nun zwei Anwälte

Die Straftatbestände, die das Gericht zu verhandeln hat, sind im Zuge der Ermittlungen der Polizei gegen den Mann im Zusammenhang mit dem rätselhaften Tod von Maria Baumer aufgetaucht. Der Verlobte gilt als einziger Tatverdächtiger, die Ermittlungen – zunächst wegen des Verschwindens der damals 26-Jährigen und später wegen der ungeklärten Todesumstände – dauern weiter an. Das Ermittlungsverfahren soll nach den Worten der Staatsanwaltschaft Regensburg aber noch in diesem Jahr zu einem Abschluss kommen. Der Ausgang ist völlig offen. Der Krankenpfleger streitet vehement ab, etwas mit dem Tod seiner zukünftigen Frau, die er eigentlich kurz nach deren Verschwinden heiraten wollte, zu tun zu haben.

Dennoch durchforsteten Beamte der Ermittlungsgruppe Maria das Leben des 31-jährigen Krankenpflegers akribisch, was dessen Anwalt Michael Haizmann gegenüber der MZ mehrfach kritisierte. Dies sei nicht mehr im normal üblichen Rahmen passiert, sagte Haizmann, der den 31-Jährigen nun auch in dem Prozess juristisch vertreten wird. Inzwischen hat die Familie des Angeklagten mit dem Frankfurter Anwalt Michael Euler noch einen zweiten Rechtsbeistand ins Boot geholt. Euler wurde in Bayern als Anwalt des geistig behinderten Ulvi K. im sogenannten „Peggy“-Prozess bekannt. Er hatte maßgeblich dazu beigetragen, dass das Verfahren neu aufgerollt werden musste und Ulvi K. frei kam. Nun beschäftigt er sich mit den Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Tod von Maria Baumer.

MZ-Reporterin Isolde Stöcker-Gietl schätzt den Fall im Video näher ein.

MZ-Spezial: Maria Baumers Verlobter angeklagt

In dem nun anstehenden Strafverfahren vor der Großen Jugendkammer, der drei Berufsrichter und zwei Schöffen angehören werden, geht es um Funde der Ermittler, die bei Auswertungen von Computer und Festplatten des 31-Jährigen gemacht wurden. Dabei stießen sie auf Hinweise, dass der Mann – bis 2004 selbst ein Domspatz – sexuelle Kontakte zu jungen Schülern gesucht hatte. Im Einzelnen soll es bei einem damals elf- oder zwölfjährigen Schüler 2003 oder 2004 zu einem sexuellen Übergriff sogenannter „einfacherer Art“, also einem Übergriff ohne Sexualverkehr, gekommen sein. Im Falle eines weiteren Schülers soll es im Zeitraum zwischen Februar 2006 und Juli 2011 zu mehreren Taten gekommen sein, darunter einen einfachen sowie einen schweren sexuellen Missbrauch mit Eindringen in den Körper im Jahr 2006. Der Schüler war damals 13 Jahre alt. In der Folgezeit habe es weitere sexuelle Handlungen mit dem nun Jugendlichen gegeben, so die Ermittlungsergebnisse von Polizei und Staatsanwaltschaft. Der Krankenpfleger und der Schüler waren befreundet und übernachteten auch gemeinsam. In vier Fällen sei es zu sexuellen Berührungen im Schlaf gekommen, die der Angeschuldigte auch gefilmt oder fotografiert habe, teilte die Staatsanwaltschaft bei Anklageerhebung mit. Auf dem Rechner des Krankenpflegers wurden zudem drei kinderpornografische Videos gefunden, die ebenfalls zur Anklage gebracht wurden.

Gericht lässt auch Nebenklagen zu

Im Fall der ehemaligen Patientin wird dem Mann vorgeworfen, er habe der damals 20-Jährige, die er im Bezirksklinikum kennengelernt hatte, bei einem späteren privaten Treffen Betäubungsmittel verabreicht und sie sexuell genötigt. Wegen dieses möglichen Straftatbestandes saß der 31-Jährige zwei Wochen in Untersuchungshaft. Derzeit sind sämtliche Haftbefehle gegen den Mann außer Vollzug gesetzt worden.

Nach Auskunft des Landgerichtes Regensburg wurden in dem nun anstehenden Gerichtsverfahren auch die Nebenklagen der drei Opfer zugelassen. Es werden eine Reihe von Zeugen sowie drei Sachverständige zu Wort kommen. Der Prozess wurde zunächst bis 20. Dezember terminiert. Ein Urteil könnte also noch kurz vor Jahresende fallen.

Der Fundort von Maria Baumers Skelett

Der Tod der früheren Verlobten des Mannes werde in dem nun anstehenden Verfahren keine Rolle spielen, betonte die Staatsanwaltschaft kürzlich auf eine Nachfrage der MZ. Man gehe derzeit davon aus, dass es keinen Zusammenhang gebe und durch den Prozess auch keine neuen Erkenntnisse zum gewaltsamen Tod von Maria Baumer gewonnen werden könnten.

Die Verlobte des Angeklagten war im September 2013 in einem Wald bei Bernhardswald tot aufgefunden worden. Zuvor war 16 Monate intensiv nach ihr gesucht worden. Unter anderem hatten der Verlobte und die Zwillingsschwester der Frau in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen xy“ einen verzweifelten Appell an die Zuschauer gerichtet. Aufgrund von Hinweisen, die damals in der Sendung eingingen, wurde die 26-jährige, gläubige Windanlagengutachterin auf dem Jakobsweg gesucht. Im September fanden dann allerdings Pilzsammler in der Nähe von Bernhardswald die sterblichen Überreste der Frau. Aufgrund des Zustandes der Leiche konnten keine Hinweise mehr auf die Todesursache, den Todeszeitpunkt und einen möglichen Tatort gefunden werden. Am Fundort der jungen Frau fand die Polizei allerdings einen Spaten sowie eine Trinkflasche mit DNA-Spuren. Der Spaten, so bestätigte die Staatsanwaltschaft der MZ mehrfach, spielt im Rahmen der Ermittlungen eine wesentliche Rolle.

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