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Region Schwandorf
Sonntag, 27. Mai 2018 27° 2

Umwelt

Baumfällung sorgt in Bodenwöhr für Ärger

Die Rodung des Bodenwöhrer Badeplatzes beschäftigte das Landratsamt. Im örtlichen Rathaus herrscht derweil Verärgerung.
Von Cornelia Lorenz und Philipp Seitz

Der Badeplatz Seewinkl am Hammersee soll bis Anfang Juni wieder genutzt werden können.Foto: Renate Ahrens

Bodenwöhr.Noch ist kein Gras über die ganze Sache gewachsen: Die Rodung von 30 Bäumen am Badeplatz Seewinkl am Hammersee hat Ende Januar 2017 in Bodenwöhr für große Aufregung gesorgt. Im vergangenen Jahr musste sich sogar das Landratsamt mit dem Fall beschäftigen. Jochen Surel, Ortsvorsitzender der Schwandorfer ÖDP, hatte eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Bodenwöhrs Bürgermeister Richard Stabl (Bürgerliste) eingereicht und ihn bei der Unteren Naturschutzbehörde angezeigt.

Das Landratsamt hat inzwischen auf die Dienstaufsichtsbeschwerde geantwortet. Dabei entlastet sie Bürgermeister Stabl. Dieser hatte im Dezember 2016 einen Ortstermin am Badeplatz Seewinkl einberufen, im Januar 2017 wurden schließlich die Bäume gefällt. Doch zu diesem Zeitpunkt fehlte ein rechtsgültiger Gemeinderatsbeschluss. Landratsamt-Sprecher Hans Prechtl erklärt: „Es ist positiv, sich bei einem Ortstermin verschiedene Meinungen einzuholen. Doch ein derartiges Treffen ersetzt keinen rechtsgültigen Beschluss.“ Somit hätte es zunächst keine rechtsgültige Grundlage für den Bürgermeister gegeben, die Rodung der Bäume vorzunehmen.

Ermahnung vom Landratsamt

Aus dem Badeplatz „Seewinkl“ in Bodenwöhr wurde binnen kürzester Zeit ein „Holzlagerplatz. Foto: Archiv

Erst in der Aprilsitzung fassten die Räte einen Beschluss zur Fällung der Bäume. Zu diesem Zeitpunkt waren aber durch die Rodung längst schon Fakten geschaffen. „Mit diesem Beschluss hat der Gemeinderat das Handeln des Bürgermeisters nachträglich legitimiert“, heißt es aus dem Landratsamt. Der Sachverhalt sei „rechtlich gesehen geheilt worden“. Für den schon seit mehreren Monaten erkrankten Stabl hat die Sache damit keine weiteren Konsequenzen. Eine Mahnung spricht das Landratsamt dennoch aus: „Wir haben die Gemeinde Bodenwöhr darauf hingewiesen, dass diese Vorgehensweise nicht der Regelfall sein darf. Erst kommt der Beschluss und dann die Umsetzung.“

„Erst kommt der Beschluss und dann die Umsetzung.“

Hans Prechtl, Pressesprecher des Landratsamtes

ÖDP-Ortsvorsitzender Jochen Surel zeigte Bodenwöhrs Bürgermeister an. Foto: Archiv/Heinzl

In seiner Dienstaufsichtsbeschwerde hatte Surel die Kommunalaufsicht aufgefordert, „die rechtlichen Grundlagen des Kahlschlags zu klären“. Surel ist selbstständiger Landschaftsgärtner und setzt sich in seiner Heimatstadt Schwandorf regelmäßig lautstark und äußerst vehement für den Naturschutz ein. Die Ereignisse in Bodenwöhr hat er zwar nicht persönlich vor Ort, aber durch die Berichterstattung der Mittelbayerischen Zeitung interessiert mitverfolgt. Viele Bodenwöhrer waren damals von dem Kahlschlag entsetzt. In manchen Kreisen hatte man gar von einer Nacht- und Nebelaktion gesprochen, die der Bürgermeister durchgesetzt habe.

Im Bodenwöhrer Rathaus sieht man das hingegen komplett anders. Zweiter Bürgermeister Albert Krieger (FW), der zurzeit den erkrankten Bürgermeister Stabl vertritt, wertete die Abläufe am Seewinkl von Beginn an als „ganz legitime Geschichte“. Im Gemeinderat habe schon lange Einigkeit darüber geherrscht, dass man den Badeplatz neu gestalten wolle und dazu die Nadelbäume weichen müssten. Darüber hätten die Gemeinderäte auch beim Ortstermin im Dezember gesprochen. Ein Protokoll des Ortstermins sei allen Räten zugegangen, Beschwerden dazu habe es nicht gegeben, betont Krieger.

„Durch die Rodung des Baumbestandes ist ein gewaltiger finanzieller Schaden entstanden.“

Jochen Surel, ÖDP-Vorsitzender in Schwandorf

Letztendlich sieht sich Krieger in seiner Einschätzung bestätigt. Sauer auf Surel ist Krieger nicht. „Er hat das so gemacht, das Landratsamt hat uns nun Recht gegeben.“ Der geschäftsleitende Beamte im Rathaus, Otto Eichinger, hatte im vergangenen Jahr einen ähnlichen Standpunkt: „Der Bürgermeister war berechtigt zu sagen, dass die Bäume wegkommen. Das war ja der Tenor des Ortstermins.“

Ein Video von den Arbeiten am Seewinkl sehen Sie hier:

Bodenwöhrer Badeplatz nimmt Form an

Lesen Sie mehr: Der Badeplatz soll Mitte Mai 2018 wieder genutzt werden können. Die Kosten sind von 300 000 auf 420 000 Euro angestiegen.

Mehr Transparenz gefordert

Etwas kritischer sehen einige Gemeinderäte die Abläufe rund um den Badeplatz. Dritter Bürgermeister Georg Hoffmann (CSU) sagte im vergangenen Jahr, nachdem die Beschwerde eingereicht wurde, dass sich Stabl den ganzen Ärger um die Rodung seiner Meinung nach sparen hätte können – durch mehr Transparenz gegenüber dem Gemeinderat und der Öffentlichkeit. SPD-Gemeinderat Michael Mulzer bestätigt, dass sich das Gremium längst einig gewesen sei, dass am Badeplatz etwas passieren müsse. Doch vom Zeitpunkt der Fällaktion und dem Ausmaß sei er überrascht gewesen, sagt Mulzer. Allerdings könne er auch nicht verstehen, warum Surel in Bodenwöhr so aktiv sei. „Er soll sich nicht in Belange anderer Kommunen einmischen.“

„Surel soll sich nicht in die Belange anderer Kommunen einmischen.“

Michael Mulzer, SPD-Gemeinderat in Bodenwöhr

Ähnlich sieht das Surels Stellvertreter Alfred Damm, der dem ÖDP-Ortschef bei der Jahresversammlung der Partei einen Alleingang bei der Dienstaufsichtsbeschwerde vorwarf und Surel dafür kritisierte. Bei den anschließenden Wahlen setzte sich Surel gegen einen Mitbewerber um den Ortsvorsitz knapp mit 10:9 Stimmen durch.

Der selbstständige Landschaftsgärtner Jochen Surel zeigte Bodenwöhrs Bürgermeister Richard Stabl an. Dabei ging es um Brutstätten von Ringelnattern. Für das Landratsamt ist die Sacher aber inzwischen erledigt:

Anzeige gegen Bürgermeister war haltlos

  • Tiere:

    Im Uferbereich des Badeplatzes gibt es laut Surel Ringelnatter-Brutstätten. Die Tiere seien geschützt.

  • Anzeige:

    Gegen Stabl reichte Surel deshalb eine Anzeige wegen Zerstörung der Ringelnatter-Brutstätten ein.

  • Reaktion:

    Die Vorwürfe bezüglich Brutstätten hätten sich nicht verifizieren lassen, hieß es aus dem Landratsamt.

Lesen Sie mehr: Auch bei der Bodenwöhrer Bürgerversammlung ging es um den Kahlschlag am Seewinkl.

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