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Beim Kochen in Neunburg Deutsch lernen

Beim Pilotprojekt „Arabisch Catering“ geht die Eingliederung von geflüchteten Müttern buchstäblich durch den Magen.
Von Roland Thäder

Hauswirtschaftslehrerin Margit Meier (Mitte) zeigt den Kursteilnehmerinnen in der Schulküche der Realschule worauf es en Detail ankommt. Mayonnaise als Dressing für den Nudelsalat ist zu fett. Mit Joghurt, Gewürzgurkenwasser und Gewürzen entsteht die richtige Mischung.Foto: Thäder
Hauswirtschaftslehrerin Margit Meier (Mitte) zeigt den Kursteilnehmerinnen in der Schulküche der Realschule worauf es en Detail ankommt. Mayonnaise als Dressing für den Nudelsalat ist zu fett. Mit Joghurt, Gewürzgurkenwasser und Gewürzen entsteht die richtige Mischung.Foto: Thäder

Neunburg. Erfolg und Misserfolg liegen oft nah beieinander. Ein Patentrezept für Erfolg gibt es nicht. Oft hängt es beim davon ab, ob es gelingt, mit geeigneten Zutaten die richtige Mischung zu finden. Die Köchinnen von „Arabisches Catering“, scheinen mit ihrem Pilotprojekt auf dem richtigen Weg zu sein.

Was steckt dahinter? Etwa zehn Frauen treffen sich seit April zweimal die Woche in der Schulküche der Gregor von Scherr Realschule in Neunburg, um gemeinsam zu kochen und Deutsch zu lernen. Ergänzt wird das Angebot durch einen zusätzlichen Sprachkurs der Initiative „Integration SAD“, der ein weiteres Mal pro Woche stattfindet. Gekocht werden überwiegend deutsche Gerichte, zum Teil aber auch arabisch.

Den Alltag bewältigen

Das „Einstundenbrot“ ist eine interessante Alternative zum herkömmlichen Brotbacken.
Das „Einstundenbrot“ ist eine interessante Alternative zum herkömmlichen Brotbacken.

Hier sollen die Mütter genügend Deutsch lernen, um ihren Alltag zu bewältigen, um beispielsweise eine einen Arztbesuch oder Einkäufe oder die Kinderbetreuung selbstständig zu erledigen. Bei „Arabisch Catering“ handelt es sich um ein einjähriges Pilotprojekt, das vom Bayerischen Innenministerium gefördert wird. „Ziel ist es, geflüchtete Frauen zu mobilisieren und in ihrer gesellschaftlichen Teilhabe und beruflichen Orientierung zu bestärken“, so Manuela Dorsch, Bildungskoordinatorin der Lernenden Region am Landratsamt Schwandorf. Sie hat Deutsch als Fremdsprache studiert und selbst schon ihre Muttersprache unterrichtet und weiß daher aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, Deutsch zu lernen. Manuela Dorsch ist neben Integrationsbeauftragter Elke Reinhart und der Neunburger Hauswirtschaftslehrerin Margit Meier eine der „federführenden Köchinnen“ des Pilotprojekts.

Manuela Dorsch, Bildungskoordinatorin der Lernenden Region  Schwandorf, schaut beim Anrichten der SPeisen zu und probiert Leckeres, süßes Baklava-Gebäck. Foto: ro
Manuela Dorsch, Bildungskoordinatorin der Lernenden Region Schwandorf, schaut beim Anrichten der SPeisen zu und probiert Leckeres, süßes Baklava-Gebäck. Foto: ro

Erste Erfolge stellen sich bereits ein. Bei erfolgreichen Bewirtungen Veranstaltungen im Landratsamt und am Beruflichen Schulzentrum in Schwandorf haben die sich Damen Anerkennung für ihre Kochkünste erworben. Und vor kurzem haben sie zusammen mit den Schülern die Teilnehmer eines Workshops zur Digitalisierung bekocht. Dabei waren rund 80 Vertreter des Bayerischen Realschullehrerverbands und des Verbands der Realschuldirektoren zu Gast. Schulleiterin Diana Schmidberger und ihr Stellvertreter Bernd Bischoff bedankten sich dafür bei ihnen während des Besuchs des MZ Reporters mit Gutscheinen. Die Süßigkeiten und der arabische Mokka seien gut angekommen, sagten sie.

Berufliche Perspektiven bieten

Da hat Integrationsbeauftragte Elke Reinhart MZ-Reporter Roland Thäder inflagranti beim Naschen erwischt. Foto: Reinhart
Da hat Integrationsbeauftragte Elke Reinhart MZ-Reporter Roland Thäder inflagranti beim Naschen erwischt. Foto: Reinhart

Die Reste vom Feste, verkochten die Teilnehmerinnen aus Äthiopien, Eritrea, Rumänien und Syrien nun zu einem leckeren kalten Buffet. Davon hat sich der Reporter ausgiebig überzeugt. Der Lachs- und der Apfel-Curry-Brotaufstrich waren meine Favoriten (Info-Kasten). Den Damen hatten die herzhaften Gerichte der Schüler selbst so gut geschmeckt, so dass sie diese nachgekocht haben und damit Reste verwertet haben, damit möglichst keine Lebensmittel weggeschmissen werden, sagte Margit Meier.

„Kochen können sie alle. Im Mittelpunkt stehen vielmehr Organisation und hiesige Gepflogenheiten.

Hauswirtschaftslehrerin Margit Meier“

„Kochen können sie alle. Im Mittelpunkt stehen vielmehr Organisation und hiesige Gepflogenheiten“, so die Hauswirtschaftslehrerin. Deshalb hat eine Referentin des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Nabburg die Teilnehmerinnen zudem in europäischer Tischkultur unterrichtet. Und zusammen mit einem Dolmetscher wurden sie über Hygienevorschriften in der Gastronomie informiert. Während der Unterrichtseinheiten und des Kochkurses ist auch die Kinderbetreuung gewährleistet.

Arabisch Catering

Ein vorrangiges Kursziel ist es, den Frauen „berufliche Perspektiven in der Gastronomie und Hotellerie zu bieten. Deshalb soll es im Anschluss an den Basiskurs eine berufliche Fortbildung geben. Darüber berät Manuela Dorsch gegenwärtig mit Netzwerkpartnern vom Jobcenter der Agentur für Arbeit Schwandorf und dem Amt für Landwirtschaft Ernährung und Forsten (AELF) in Nabburg. Das Teambuilding hat jedenfalls schon geklappt. Hätten die Frauen zu Beginn des Kurses noch viel allein vor sich hin geköchelt, arbeiten sie jetzt gut zusammen, so Margit Meier. Beim Essen im Anschluss an den Kurs zusammen mit ihren Kindern war dies auch gut zu spüren.

Und in der nächsten Woche beginnen die Vorbereitungen für den Romantischen Burg-Advent im Burghof, der vom 14. bis 16. Dezember im Burghof stattfindet. Dort verkaufen die Frauen dann am Stand der Realschule ganz besondere Sachen, beispielsweise Apfel-Karamel-Marmelade, alkoholfreien Punch, selbst gebackene Plätzchen und bieten dazu arabischen Mokka an.

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