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Sport

Bettina Zimmermann ist Weltmeisterin

Die Neunburger Stockschützin hat mit dem deutschen Team in Amstetten den Titel geholt. Ihr nächstes Ziel ist die EM 2019.
Von Ralf Gohlke

Stolz präsentiert Bettina Zimmermann die Goldmedaille, die sie in Amstetten gewonnen hat. Foto: R. Gohlke
Stolz präsentiert Bettina Zimmermann die Goldmedaille, die sie in Amstetten gewonnen hat. Foto: R. Gohlke

Neunburg.Eine musste den Anfang machen. Die Wahl des deutschen Teamchefs der U 23 weiblich fiel auf die Neunburgerin Bettina Zimmermann, die sich bei einem Auswahllehrgang im niederbayerischen Regen als Mitglied des deutschen Nationalkaders für die Weltmeisterschaft 2018 im Stockschießen im österreichischen Amstetten qualifiziert hatte. Am Ende stand ein Weltmeistertitel. Ihre Domäne ist das Zielschießen. Im Einzelschießen erreichte sie immerhin einen neunten Platz.

Im Teamwettbewerb auf der Position eins zu starten bedeutete für sie dann eine zusätzliche Hauerausforderung. Am Rand der Jahreshauptversammlung der Neunburger Stockschützen war sie gern bereit, über ihre Eindrücke und Gefühle beim Wettkampf mit dem Reporter unseres Medienhauses zu sprechen.

Alles besser als eine Null

„Die Eröffnungsfeier war schon so ein wenig wie bei Olympiade“, schilderte sie. Die Mannschaften marschierten hinter ihren Fahnen in das Stadion ein. Nach einem freien Training schlossen sich später die Einzelwettbewerbe an, bei der ihre Mannschaftskameradin Verena Gotzler hinter zwei Österreicherinnen immerhin Bronze holte. Nach einer Erholungspause am Freitag, startete am Samstag der Teamwettbewerb. „Nach sechs Probeschüben bedeutete das für mich, als erste die zwölf Wertungsschübe in die Zielmitte zu setzen“, erinnert sich Zimmermann.

Das Team U23 weiblich war als Außenseiter zur WM gefahren und schlug nicht nur die Italienerinnen, sondern auch die als Favoriten gesetzten Österreicherinnen, die nur auf Rang drei landeten. Foto: DESV
Das Team U23 weiblich war als Außenseiter zur WM gefahren und schlug nicht nur die Italienerinnen, sondern auch die als Favoriten gesetzten Österreicherinnen, die nur auf Rang drei landeten. Foto: DESV

Der erste Schub war dann auch „nur“ ein Vierer, zudem die Sportlerin meinte: „Das war nicht so toll, aber alles ist besser als Null“. Hinzu kam die mentale Belastung durch die Lautstärke: „Wir standen genau zwischen Österreich und Italien.“ Immerhin blieb sie mit 88 Punkten nur zwei Punkte hinter der Österreicherin zurück, lag aber sogar drei Punkte besser als die Italienerin.

An zweiter Stelle gesetzt legte ihre Teamkameradin Julia Windmeisser 155 Punkt vor und setzte damit die Favoriten deutlich unter Druck, die nur 68 Punkte erzielte. „Da lagen wir auf einmal 40 Punkte vor Österreich, das war echt der Hammer“, ließ Zimmermann ihre Emotionen aufleben. Die Italiener lagen sogar noch weiter zurück. Mit ihrer Leistung von 90 Punkten vergrößerte Verena Gotzler den Vorsprung auf nun 70 Punkte.

Das wäre der Punkt gewesen, an dem die Favoriten endgültig eingebrochen seien. Regina Brandmüller stellte mit 46 Zählern das Endergebnis von 339 Punkten her, das sich deutlich von den Zweitplatzierten Italienerinnen mit 246 Punkten und den geschlagenen Österreichern mit 240 Punkt abhob.

Zielschießen mit dem Eisstock ist die Domäne von Bettina Zimmermann. Die Disziplin erfordert ein hohes Maß an Konzentration, aber auch köperlicher Fitness. Für das Team erspielte sie 88 Punkte. Foto: DESV
Zielschießen mit dem Eisstock ist die Domäne von Bettina Zimmermann. Die Disziplin erfordert ein hohes Maß an Konzentration, aber auch köperlicher Fitness. Für das Team erspielte sie 88 Punkte. Foto: DESV

„Mental hab ich nach den schlechten Probeschüben gezittert, mich dann aber noch einmal voll konzentriert und so meinen Anteil an dem Ergebnis geliefert“, sagte die Sportlerin. Das ganze Team hätte sie im Hinterkopf gehabt, dass die Österreicherinnen natürlich den Heimvorteil für sich hätten nutzen wollen. Umso größer sei die Freude über den eigenen Sieg gewesen.

Selbst als die Mannschaft nach dem dritten Durchgang mit 70 Punkten vorn gelegen und ein Aufholen kaum möglich gewesen sei, habe man den Gedanken „du bist Weltmeister“ kaum realisieren können.

Alle wollten gratulieren

Aber nach dem Moment der Erkenntnis dominierte nur noch die Freude. Beeindruckend fand sie die Gratulation der Östereicherinnen trotz deren sichtlicher Enttäuschung. „In der Umkleidekabine ist dann mein Handy nach dem Einschalten fast explodiert“, erinnert sich Bettina Zimmermann. Daheim hatten alle Freunde den Wettkampf im „Livestream“ verfolgt und wollten nun alle gratulieren. Besonders lagen ihre die Worte ihres Vaters Josef Zimmermann noch im Ohr: „Gel, du bringst mir schon eine Medaille mit?“ „Da war Gold natürlich perfekt, besser geht’ s nicht.“ Hoch kochten die Emotionen natürlich noch einmal bei der großen Siegerehrung mit allen Teilenehmern. „Das singt man die Nationalhymne gerne mit, wenn das Ziel erricht ist“, sagte die Sportlerin.

„Da singt man die Nationalhymne auf dem Treppchen gerne mit, wenn das gesteckte Ziel erreicht ist.“

Bettina Zimmermann, Weltmeisterin

Stolz ist sie aber auch in anderer Hinsicht auf ihre Leistung. Ihre Vereinkameradin Renate Schwindler, ebenfalls Weltmeisterin, war vom Beginn ihrer sportlichen Laufbahn an ihr großes Vorbild. „Ihr verdanke ich viel. Sie ist so etwas wie mein Mentor, immer für mich da und unterstützt mich auch im Training. Mit ihrer WM-Erfahrung habe sie ihr einen Großteil ihres Selbstvertrauens vermittelt, dass für den Sport immens wichtig sei.

„Sie wollte auch immer, dass ich mal mit einer Goldmedaille heimkomme, darum ist das jetzt eine richtig geile Geschichte.“ Ob sie den Titel verteidigen kann, weiß Zimmermann nicht, weil die Kader immer neu zusammengestellt werden. Das Nahziel ist auf jeden Fall die Europameisterschaft 2019.

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