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Gymnasien

Bildungsgerechtigkeit für Jugendliche

Zehn Jahre nach der Einführung steht das G8 wieder auf der Kippe. Die MZ sprach mit Schulleitern der Gymnasien darüber, wie sie die Lage einschätzen.
Von Elisabeth Hirzinger

Gestern begannen die Abiturprüfungen am Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium. Sollen die Gymnasiasten künftig wieder neun statt acht Jahre die Schulbank für die Allgemeine Hochschulreife drücken? Foto: Huck

Schwandorf. Das G8 gehört zu den umstrittensten Entscheidungen der Kultusminister. In vielen Ländern können Eltern heute bereits zwischen dem achtstufigen und neunstufigen Gymnasium wählen. In Bayern wird zurzeit über verschiedene Alternativen diskutiert.

Die Freien Wähler wollen die Rückkehr zum G9, parallel zum G8, mit einem Volksbegehren erzwingen. Beide Schulformen anzubieten, hält aber Kultusminister Ludwig Spaenle für „organisatorisch nicht machbar“. Seit Wochen befeuern die Lehrerverbände die Debatte. Sowohl der Philologenverband als auch der BLLV lehnen das G8 in seiner jetzigen Form ab.

Mit gemischten Gefühlen beobachten die Leiter der Gymnasien im Landkreis die aktuelle Debatte. Einerseits wollen sie das G8 nicht schlechtreden, schließlich haben sie sich zehn Jahre abgemüht, das Beste daraus zu machen – mit Erfolg, wie sie der MZ unisono versichern. Andererseits sehen sie auch die Vorteile eines neunstufigen Gymnasiums, das den Schülern mehr Zeit zum Reifen geben würde.

Es sei unbestritten, dass Jugendliche „alle Bildungszeit brauchen, um zu reifen“, sagt Fritz Pawlick, Leiter des Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasiums in Schwandorf. Aber aus seiner Sicht führt die G8/G9-Diskussion „an den eigentlichen Aufgaben, die zu lösen wären“, vorbei. Pawlick fordert Bildungsgerechtigkeit ein. Jugendliche, die hier geboren werden, sollten keine Nachteile gegenüber Schülern aus München haben. Der Schulleiter hält global einheitliche Richtlinien für unerlässlich, um „die Qualitätssicherung der Bildung zu gewährleisten“.

Die Debatte um das G8 lenkt laut Pawlick vom eigentlichen Problem ab, nämlich dem, dass viele Abiturienten nicht mehr studierfähig seien, was seiner Überzeugung nach wiederum daran liegt, dass heute viele nicht mehr den Königsweg zum Abitur gingen. Immer mehr Eltern, deren Kinder sehr geeignet für das Gymnasium seien, wählten den vermeintlich bequemeren Weg über Realschule, FOS und BOS zur allgemeinen Hochschulreife.

Utopisch ist für den Schulleiter die Idee, beides anzubieten, ein G8 und ein G9. Selbst wenn eine entsprechende Ausstattung, personell und finanziell gegeben wäre? „An den Klapperstorch glaube ich schon lange nicht mehr“, kontert Pawlick.

Eine Wahlfreiheit zwischen G8 und G9, davon ist auch Franz Xaver Huber überzeugt, würde viele Gymnasien an die Grenzen der Organisationsfähigkeit bringen. „Wenn man das politisch will, muss man entsprechende Ressourcen zur Verfügung stellen“, sagt der Leiter des Andreas-Schmeller-Gymnasiums in Nabburg. Dann habe er mit einer Verlängerung der Schulzeit auch kein Problem.

Huber ist weit davon entfernt, das G8 schlechtzureden. Er hat nicht den Eindruck, dass die Schüler im G8 hoffnungslos überfordert sind oder keine Zeit mehr haben. „Wer bevölkert denn nach der Schule stundenlang die sozialen Netzwerke?“, fragt der Schulleiter. Nein, er glaubt, „dass wir aus dem G8 eine gute Schulform mit sehr guter Qualität gemacht haben“.

Und wenn doch die Kehrtwende zum G9 vollzogen wird? „Dann werden wir daraus wieder ein vernünftiges Gymnasium machen“, sagt Franz Xaver Huber, der sich nur wünschen würde, dass die begabten Kinder auch tatsächlich ans Gymnasium gehen.

Bernhard Rothdauscher könnte mit beiden Systemen leben. Mit dem G8, das inzwischen „sehr gut läuft“, genauso wie mit dem G9, für das es aber noch „kein gscheits Konzept“ gebe. Der stellvertretende Schulleiter des Johann-Michael-Fischer-Gymnasiums in Burglengenfeld fände es angebracht, wenn im Vorfeld der Entscheidung der Wille der Eltern und Lehrer erfragt werden würde. „Nichts übers Knie brechen“, lautet sein Credo.

Dass sich das Hin und Her um G8 und G9 negativ auf die Einschreibung an den Gymnasien auswirken könnte, glaubt keiner der Schulleiter. Die Eltern, argumentiert Rothdauscher, schauten sich die Konzepte der einzelnen Schulen genau an, „und entscheiden dann, ob ihr Kind ans Gymnasium oder an die Realschule geht“.

Für Günter Jehl steht außerdem fest: „Wenn sich etwas ändert, dann wird das sicher nicht zum Nachteil der Schüler sein“. Auch der Schulleiter am Ortenburg-Gymnasium in Oberviechtach bricht eine Lanze für die Jugendlichen, die „mehr Zeit zum Reifen“ brauchen. Wenn die Schüler wieder in neun Jahren zum Abitur geführt würden, bliebe den Schulen mehr Raum für erzieherische Aufgaben. Die Schüler ihrerseits könnten die elfte Klasse wieder zur Orientierung und Selbstfindung nutzen.

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