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Starkbierfest

Bruder Michael sagte „Servus“

Der Pentinger Fastenprediger machte nun Schluss, weil einige Derbleckte keine Kritik vertragen haben.
Von Helga Probst

  • Den bayerischen Defiliermarsch spielte die „Blescherblosn“ zum Auftakt, die den Abend mit gemütlicher bayerischer Musik begleitete.Fotos: ghp
  • Bruder Michael hielt sich für sein Publikum ein Hintertürchen offen.

PENTING.Die Zahl 13 brachte dem Starkbierfest der FFW Penting am Samstag im Pfarrheim kein Glück. Die 13. Auflage des Derbleckens mit Bruder Michael endete mit Tränen, die nicht vom Lachen herrührten. Denn der Fastenprediger hielt seine letzte Predigt: Aus – Schluss – vorbei. 200 Gäste erlebten die tiefsinnige und humorvolle Fastenpredigt von Michael Baumer mit. Stehend mit kräftigem Applaus zollten sie ihm Anerkennung und Respekt für seine wohl beste Fastenpredigt der vergangenen 13 Jahre.

Den Spiegel vorhalten

Wie gewohnt marschierte Bruder Michael um 21.30 Uhr in das voll besetzte Pfarrheim ein. Den bayerischen Defiliermarsch dazu spielte die „Blescherblosn“, die den Abend mit gemütlicher bayerischer Musik begleitete. Organisator und Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr Penting, Florian Meier, sorgte wieder für einen reibungslosen Ablauf des Starkbierfestes und begrüßte zahlreiche Ehrengäste.

Heuer hatte Michael Baumer den großen Badspiegel von zu Hause mitgebracht und hielt ihn den Besuchern vor. So machte er deutlich, wie Derblecken zu verstehen sei. Das bezeichne im Bayerischen das kritische Spiegel-Vorhalten gegenüber Personen des öffentlichen Lebens. Im Redensarten-Index heißt es dazu: „Jemanden treffend und kritisch beschreiben; jemandem sein Handeln begreiflich machen; jemandem zeigen, wie er empfunden wird oder wirklich ist.“ Das Internetlexikon-Projekt Wikipedia erklärt, dass „Derblecken“ vermutlich von „Zähne blecken“ kommt. Die bayerische Tradition gehe auf die Begrüßung der Gäste durch den Wirt zurück, der mit den im Ort kursierenden Geschichten und Gerüchten bestens vertraut war. Humorvoll habe er damit die Stammgäste „aufegschossen“. Von den jeweiligen „Opfern“ des Spotts sei erwartet worden, dass sie es mit Humor nehmen; eine beleidigte Reaktion löse umso größere Erheiterung bei den anderen Gästen aus.

Hätte das der Süllner Mich doch im vergangenen Jahr schon erklärt, dann hätte er vielleicht nicht bei zwei „Derbleckten“ antanzen müssen. Im „Pentinger“, seiner Fastenzeitung aus dem kleinen Bergdorf Penting, wurden die Unmutsäußerungen dieser „Betroffenen“ noch einmal zum Thema. „Wir leben in einem demokratischen Land, in dem seit 70 Jahren keine Kriegshandlungen mehr stattgefunden haben. Wir können Menschen aus Krisengebieten Zuflucht gewähren, es geht uns gut, wir haben mehr Essen als wir brauchen und können das Geld mit vollen Händen rauswerfen – aber wir können keine Kritik mehr vertragen“, hat Michael Baumer auf die Titelseite geschrieben. Wenn auf keine Missstände mehr hingewiesen werden dürfe, dann sei es an der Zeit, aufzuhören, platzte die Bombe und das Publikum war schockiert. Mit Tränen beendete Bruder Michael seine vorerst letzte Fastenpredigt mit dem Wunsch „bleibt’s g’sund und schaut’s af unser Heimat“.

Nicht fehlen durfte ganz zum Schluss sein Kulttrinkspruch der vergangenen Jahre, der wieder Lachsalven auslöste: „S’Hemd verkotzt und Hos’verschissen, vo gestern Abend nix mehr wissen. D’Trepp’n aufe auf alle vier – Rhanerbock – welch ein Bier“.

Zum Klatschen erhoben sich die Zuhörer am Schluss der viel gelobten Fastenpredigt und sagten: „Du kannst nicht aufhören.“ Im schönsten bayerischen Dialekt begrüßte Bruder Michael heuer „im rebellischen Bergdorf in Benting, des am Ortseingang no koan Grostoi hod, so wia d’Neinburger seit kurz’m“. Er habe ja schon des Öfteren über das Sterben in der Neunburger Innenstadt referiert. Dass man sich aber freiwillig für mehrere 10 000 Euro selber einen Grabstein zu Lebzeiten setzt, da gehöre schon viel Galgenhumor dazu, kommentierte Baumer die neue Gestaltung des Parkplatzes am Plattenberg.

Natürlich fanden sich die Egelsrieder Großökonomen mehrmals im vorgehaltenen Spiegel wieder und Bruder Michael fragte: „Warum haben Landwirte so große Nasenlöcher? Weil die Luft nichts kostet.“ Auch Seebarn wurde dableckt und der Besuch des Bischofs noch einmal humorvoll verarbeitet. Lustig war auch der Umstand, dass in Penting keine Kinder auf der Straße zu sehen seien. Da müsse man schon Insider sein und wissen, dass die mit Taschenmesser und Gartenpflegegeräten ihrer Eltern bewaffnet in der „Gilgngass“ unterwegs sind. Heimkommen die Kinder erst, wenn die Hosen so voll Dreck sei, dass sie von alleine in der Ecke stehen können oder sie der Hunger heimtreibe, weil die selbst gedrehten Lehmspotzn aus der Hohlgasse beim Irlbacher nicht schmecken.

Kein Wechsel nach Seebarn geplant

Mit Text und Bild sind die Kinder im Pentinger Untergrund in der letzten Fastenzeitung des Süllner Michs verewigt. Die Fastenzeitung war heuer kostenlos, aber nicht umsonst. Zweite Bürgermeisterin Margit Reichl hat beim Starkbierfest versprochen, ein Exemplar für Bürgermeister Martin Birner mitzunehmen, damit dessen Mutter nicht wieder nach Penting fahren muss, um eine Ausgabe zu erbetteln. Das spontane Angebot beim Singspiel in Seebarn eine Rolle zu übernehmen, lehnte Michael ab und sagte: „Vielleicht mache ich ja irgendwann wieder einmal eine Fastenpredigt für das Starkbierfest in Penting.“ Und da war noch der Versprecher „Fötus aus der Asche“ statt Phönix. Servus Bruder Michael, du wirst uns fehlen.

Das 13. Starbierfest

  • Veranstalter:

    FFW Penting (federführend Vorsitzender Florian Meier)

  • Ort:

    Pfarrheim Penting

  • Fastenprediger:

    Bruder Michael (alias Michael Baumer)

  • Musikalische Umrahmung:

    „Blescherblosn“ mit bayerischer Musik

  • Gäste:

    200 Besucher

  • Starkbierlieferant:

    Rhanerbrauerei Rhan (ghp)

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