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Erinnerung

„Brücke über Intoleranz“ gebaut

Die Stadt Schwandorf gedachte der Opfer des Brandanschlags auf das „Habermeier-Haus“ bei einer Gedenkstunde in der Mädchenrealschule St. Josef.
Von Andrea Rieder

  • Generalkonsulin Ece Öztürk Cil und Oberbürgermeister Helmut Hey legten Blumen am Habermeierhaus nieder. Fotos: Rieder
  • Die Realschülerinnen setzten ein Zeichen gegen Intoleranz. Fotos: Rieder

Schwandorf. Am Montag jährte sich der Brandanschlag auf das „Habermeier-Haus“ zum 24. Mal. Vier Menschen hatte ein Schwandorfer Rechtsextremist am 17. Dezember 1988 dabei getötet.

Seit 2009 wird den Opfern – Osman, Fatma und Mehmet Can und Jürgen Hübener – jährlich bei einer Gedenkstunde gedacht, in diesem Jahr erstmals in der Mädchenrealschule. In einer szenischen Darstellung bauten die Schülerinnen eine „Brücke über die Intoleranz“ und stellten sich mit Liedern und Bildern gegen Hass und Gewalt. Dieses Gedenken ausrichten zu dürfen sei ehrenvoll, so Schulleiterin Marlies Hoffmann, nehme die Schule aber auch in die Pflicht, die Grundwerte einer an den Menschenrechten orientierten, offenen und demokratischen Gesellschaft nahezubringen. Diesen Auftrag werde die Mädchenrealschule auch in Zukunft beherzt wahrnehmen.

Im Jahr 2009 hatte der Stadtrat einstimmig eine jährlich wiederkehrende Gedenkfeier am 17. Dezember beschlossen. Die Stadt habe den unbegreiflichen Brandanschlag und die Opfer nicht vergessen, so Oberbürgermeister Helmut Hey. Das Stadtoberhaupt mahnte dazu, jeglichen Angriff auf die Achtung der Menschenwürde mit Entschlossenheit entgegenzutreten und zu zeigen, „dass unsere Stadt bunt ist und hier kein Platz für Extremismus ist“. Schwandorf sei eine offene, tolerante und moderne Stadt. Die Gedenkfeier in einer katholischen Schule, von einem evangelischen Pfarrer und einem türkischen Immam und seiner Kulturgemeinde mitgetragen, belege dies überaus eindrucksvoll.

Die Türkische Generalkonsulin Ece Öztürk Cil aus Nürnberg war seit 2009 bei jeder Gedenkfeier dabei. Ihre Amtszeit geht mit diesem Jahr zu Ende. In Erinnerung aus ihren Besuchen in Schwandorf bleibe ihr die Jugendarbeit gegen Rassismus, die besonders wichtig sei, „um die Menschen vor dieser schrecklichen Ideologie zu schützen“.

Es sei traurige Tatsache, dass rechtsextreme Straftaten deutlich zugenommen hätten und lange Zeit verharmlost worden seien. Dr. Cafer Acar, türkischer Attache für Religionsangelegenheiten aus Nürnberg, appellierte an die gesellschaftliche Verantwortung; auch heute noch würden die gleichen Gefahren wie vor 24 Jahren lauern. Er mahnte die Bürger dazu, ihre Wachsamkeit aufrecht zu erhalten.

Der evangelische Pfarrer Arne Langbein und der Imam der türkisch-islamischen Kulturgemeinde Schwandorf Hakif Sekmen sprachen zum Abschluss der Gedenkfeier Friedensgebete. Anschließen zogen alle Anwesenden gemeinsam zum ehemaligen „Habermeier-Haus“, wo die Angehörigen der Opfer, Oberbürgermeister Helmut Hey und Generalkonsulin Öztürk Cil Blumen an der Gedenktafel niederlegten.

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