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Demografie

Brücken bauen für junge Familien

Reichen die Kita-Plätze auch im nächsten Jahr noch? Vor allem wachsende Kommunen im Landkreis Schwandorf müssen nachrechnen.
Von Reinhold Willfurth

Eine Herausforderung für wachsende Kommunen sind die ständige Nachfrage nach Bauplätzen, Krippen und Kindergärten.Foto: Patrick Pleul/dpa
Eine Herausforderung für wachsende Kommunen sind die ständige Nachfrage nach Bauplätzen, Krippen und Kindergärten.Foto: Patrick Pleul/dpa

Schwandorf.Der Bescheid kam zur rechten Zeit. Am nächsten Dienstag diskutiert der Gemeinderat von Steinberg am See über den Neubau eines zweigruppigen Kindergartens inklusive einer Krippengruppe für zwölf Kleinkinder. Seit Donnerstag ist klar: Die Diskussion wird entspannter verlaufen als von manchem befürchtet, denn die erlösende Nachricht aus dem Sozialministerium ist da: Der Staat übernimmt rund 85 Prozent der (förderfähigen) Baukosten, das sind im Fall Steinberg gut 1,5 von insgesamt gut zwei Millionen Euro.

Aufatmen bei Bürgermeister Harald Bemmerl. Der Zuschlag für seine Gemeinde, von Sozialministerin Emilia Müller höchstpersönlich verkündet, sei hart erarbeitet. „Wir haben viele Gespräche führen müssen, aber jetzt ist das eine tolle Sache“. Wenn es irgendwie klappt, soll die neue Kindertagesstätte noch in diesem Jahr gebaut und eröffnet werden.

Erweiterung im Plan inbegriffen

Der Neubau war dringend nötig geworden. Die Gemeinde am Steinberger See wächst wie so viele Kommunen entlang der Naab und im Süden des Landkreises. Noch in diesem Jahr wird in Steinberg wohl die 2000-Einwohner-Grenze überschritten. Um einen Platz im Baugebiet „Hirmerleiten III“ hätten sich 30 junge Familien beworben, sagt Bemmerl. Eine gute Auslastung der 50 Kindergarten- und zwölf Krippenplätze sei vorprogrammiert, eine Erweiterung der Krippe bereits im Entwurfsplan vorgesehen.

Vier Städte, vier Konzepte

  • Burglengenfeld:

    Viele junge Familien aus dem Raum Regensburg zieht es in die Stadt, dazu kommt eine stetig steigende Geburtenrate. Der Stadtrat hat den Bau einer zweigruppigen Krippen- und einer fünfgruppigen Kindergartengruppe beschlossen.

  • Neunburg:

    Die Stadt wächst, wenn auch weniger stürmisch als die Kommunen im Städtedreieck. Trotzdem: Auch hier muss der Stadtrat nachsteuern. Die Kindergärten wie St. Martin sind voll, deshalb wird im September eine neue Gruppe eröffnet.

  • Maxhütte-Haidhof:

    Eine hohe Geburtenrate und eine extrem starke Nachfrage nach Bauplätzen – 400 hat die Stadt in den letzten zehn Jahren ausgewiesen – haben dafür gesorgt, dass die Stadt gleich an fünf Kita-Standorten nachbessern wird.

  • Nittenau:

    Auch die Stadt am Regen verspürt den Siedlungsdruck aus Richtung Regensburg, die Einwohnerzahl wächst kontinuierlich. Die Stadt hat vorgesorgt und bereits in den vergangenen Jahren die Betreuungsplätze ausgebaut.

Der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kleinkinder setzt die Rathäuser von wachsenden Kommunen unter Zugzwang. In der Großen Kreisstadt Schwandorf, die allmählich auf die 30 000-Einwohner-Marke zusteuert, stehen die Signale klar auf einen weiteren Ausbau der Kita-Plätze – obwohl das neue Kinderhaus der Johanniter mit 50 Kindergarten- und 36 Krippenplätzen ab Herbst für Entspannung sorgen soll. Doch laut Sprecher Lothar Mulzer ermittelt die Stadt derzeit außerhalb des gewohnten Rhythmus den Bedarf für noch mehr Betreuungsplätze. Als Grund führt Mulzer die große Nachfrage an – und die lukrative Förderung durch den Staat.

Der Landkreis Schwandorf hat mit einem Geburtenplus von 9,3 Prozent (2016 gegenüber dem Vorjahr) den Oberpfalzschnitt bei weitem und sogar den durchschnittlichen Zuwachs in Bayern überrundet. Allerdings ist die Verteilung im Landkreis nicht gleich. Vor allem Maxhütte-Haidhof und Burglengenfeld glänzen mit hohen Geburtenraten. Dazu kommt, dass es viele Familien aus Regensburg in das Städtedreieck zieht. Beispiel Burglengenfeld: Zur Jahrtausendwende, vor dem Boom also, zählte die Stadt nur knapp über 12 000 Einwohner. Anfang Februar diesen Jahres waren es über 1500 mehr. Erst kürzlich hat der Stadtrat beschlossen, eine Kinderkrippe mit zwei Gruppen sowie einen fünfgruppigen Kindergarten neu zu bauen.

Angenehm, aber anstrengend

Auch wenn man sich in den Kommunen über junge Familien mit Kindern freut, kann die eigentlich angenehme Pflicht, für die nötige Infrastruktur zu sorgen, anstrengend werden, zumal, wenn die Kommunen sehr schnell wachsen. Das gilt auch für Maxhütte-Haidhof, wo man sich gleichwohl zugute hält, sämtliche Hausaufgaben von der Ausweisung neuen Baulands bis zum Kitaplatz sorgfältig und vollständig zu erledigen.

Bürgermeisterin Dr. Susanne Plank Foto: bxh
Bürgermeisterin Dr. Susanne Plank Foto: bxh

Manchmal könnte es auch schneller gehen, aber Genehmigungen brauchen ihre Zeit und beim gegenwärtigen Bauboom eine geeignete Baufirma zu finden kann auch eine Herausforderung sein. Bürgermeisterin Dr. Susanne Plank ist hier besonders den Kirchengemeinden dankbar, die Kindern in der Warteschleife ihre Räume zur Verfügung stellen. Auch in Wackersdorf und Teublitz wird viel getan, um allen Familien Betreuungsplätze zur Verfügung zu stellen. In Teublitz sei die Situation etwas entspannter, sagt Kämmerer Georg Beer. Mit einer neuen Kindergarten- und einer Krippengruppe sei der Bedarf erst einmal gedeckt.

Ein Phänomen bereitet den Planern und Bürgermeistern allerdings schon jetzt Probleme: Der Fachkräftemangel hat auch die Kitas erreicht. Der Markt für Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen gilt als leergefegt.

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