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Politik

Bürgermeisteramt als Zweitjob

Albert Krieger ist nicht nur Rathauschef in Bodenwöhr, sondern leitet auch eine Caritas-Sozialstation. Es ist ein Kraftakt.
Von Philipp Seitz

Bodenwöhrs zweiter Bürgermeister Albert Krieger ist gefordert. Hier misst er im Bürgerbüro nach. Foto: Archiv
Bodenwöhrs zweiter Bürgermeister Albert Krieger ist gefordert. Hier misst er im Bürgerbüro nach. Foto: Archiv

Bodenwöhr.Es ist ein Spagat, den Bodenwöhrs zweiter Bürgermeister Albert Krieger derzeit bewältigen muss: Seit Ende November hat er die Amtsgeschäfte des erkrankten Bürgermeisters Richard Stabl übernommen. Diese Vorgehensweise ist üblich, wenn ein Bürgermeister sein Amt vorübergehend nicht ausüben kann. „Mein Arbeitgeber hat Verständnis dafür“, sagt Krieger. Er sei in der glücklichen Lage, dass er sich die Zeit einteilen und die Bürgermeistergeschäfte mit seinem Job vereinbaren könne. Krieger ist seit knapp zwei Jahren Geschäftsführer der Caritas-Sozialstationen in Neunburg vorm Wald und im Städtedreieck.

Hier regelt Krieger nicht nur die finanziellen Aspekte, sondern kümmert sich auch um Personalangelegenheiten. Gute Voraussetzungen also für seinen Übergangsjob im Rathaus. Im Schnitt sechs Stunden verbringe er derzeit unter der Woche im Rathaus, erzählt Krieger. „Auf die Uhr schaue ich dabei aber nicht.“

Die Beschlüsse des Gemeinderates vollzieht der Bürgermeister. Er beruft die Sitzungen des Gremiums ein. Foto: Archiv/tka
Die Beschlüsse des Gemeinderates vollzieht der Bürgermeister. Er beruft die Sitzungen des Gremiums ein. Foto: Archiv/tka

Die Verwaltung leiten, Entscheidungen treffen, Jubilaren zum Geburtstag gratulieren – das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Tagesablauf eines Bürgermeisters. Probleme gebe es durch die Erkrankung des Bürgermeisters nicht, sagt Krieger: „Es geht alles seinen Weg.“ Die Verwaltung leiste gute Arbeit und wisse, was zu erledigen sei. „Die Projekte, die Bürgermeister Stabl angeleitet hat, laufen“, sagt sein Stellvertreter.

Kein Problem für die Verwaltung

Auch im Bodenwöhrer Rathaus herrscht Gelassenheit. Laut Geschäftsstellenleiter Otto Eichinger wirke sich die Erkrankung des Bürgermeisters nicht auf die laufenden Geschäfte der Gemeinde aus: „Wir haben in der Zwischenzeit auch zwei Sitzungen abgehalten.“ Lediglich die für Ende November angekündigte Bürgerversammlung sei abgesagt worden. Sie soll im Frühjahr 2018 nachgeholt werden. Die Verschiebung hatte im Gemeinderat jedoch für Kritik gesorgt. Eichinger allerdings betont, dass die Bürgerversammlung zu den Repräsentationspflichten des Bürgermeisters zähle. Hier könne er seinen Jahresbericht vortragen und den Bürgern zu Projekten und Planungen ausführlich Rede und Antwort stehen.

Bürgermeister Stabl – hier bei der Vorstellung der Bodenwöhr-App – kann sich auf seinen Vertreter verlassen. Foto: Archiv/tgl
Bürgermeister Stabl – hier bei der Vorstellung der Bodenwöhr-App – kann sich auf seinen Vertreter verlassen. Foto: Archiv/tgl

Für den FW-Politiker Krieger selbst ist es nicht das erste Mal, dass er Chef im Bodenwöhrer Rathaus ist. „Ich habe mittlerweile schon eine gewisse Erfahrung.“ So habe er beispielsweise auch die Urlaubsvertretung für Stabl übernommen. Mit dem Bürgermeister unterhalte er sich zudem regelmäßig über anfallende Themen und sei so informiert. „Auch als Gemeinderat bin ich in die Entscheidungsprozesse eingebunden.“ Im Jahr 2015 vertrat Krieger den Rathauschef ebenfalls mehrere Wochen.

„Mittlerweile habe ich als Vertreter schon Erfahrung.“

Albert Krieger, Zweiter Bürgermeister in Bodenwöhr

Die Vertretung funktioniert, obwohl Krieger vor knapp drei Jahren gegen den amtierenden Bürgermeister Stabl noch angetreten war – und selbst als Bürgermeister die Geschicke im Bodenwöhrer Rathaus leiten wollte. Der Ausgang ist bekannt: Stabl setzte sich deutlich mit 53,7 Prozent der abgegebenen Stimmen gegen seine beiden Konkurrenten durch. Auf CSU-Mann Georg Hoffmann entfielen bei der Wahl 29,7 und auf Krieger 16,6 Prozent der Stimmen. Das Wahlergebnis deutete Krieger damals als „ein Zeichen dafür, dass der Richard gute Arbeit geleistet hat“.

Es kehrt wieder Normalität ein

Als Vertreter der Gemeinde wird ein Bürgermeister in Bayern bei der Kommunalwahl für sechs Jahre gewählt. Foto: tgl
Als Vertreter der Gemeinde wird ein Bürgermeister in Bayern bei der Kommunalwahl für sechs Jahre gewählt. Foto: tgl

Wie der Berufsalltag eines Bürgermeisters aussieht, durfte Krieger nun nochmals selbst testen. „Leicht ist es nicht“, sagt der FW-Mann, der aktuell zwei berufliche Führungspositionen gleichzeitig inne hat. Voraussichtlich am Mittwoch kehrt bei Albert Krieger aber wieder Normalität ein. Er soll dann die Amtsgeschäfte wieder an Bürgermeister Stabl übergeben, heißt es aus dem Rathaus. Stabl nehme dann wieder seinen Dienst auf. Offiziell bestätigen will Krieger das nicht: „Der Gesundheitszustand ist Privatsache des Bürgermeisters.“

Für seinen zusätzlichen Job als Vertreter des Bürgermeisters wird Krieger vergleichsweises schlecht bezahlt. Er erhält eine Pauschale von 50 Euro pro Tag. Dem hauptberuflichen Bürgermeister in Bodenwöhr stehen monatlich mehr als 6200 Euro plus Aufwandsentschädigungen zu, teilt das Bayerische Innenministerium mit.

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