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Freizeit

Burschenverein feiert Jahrhundertfest

Beim Kommersabend des Burschenvereins Neukirchen ehrt der Verein die Vorsitzenden der vergangenen Jahre.
Von Rudolf Hirsch

22 Vorsitzende führten den Burschenverein Neukirchen in den vergangenen 56 Jahren. Beim Jubiläum erhielten sie einen Festkrug und ein Abzeichen.  Foto: Rudolf Hirsch
22 Vorsitzende führten den Burschenverein Neukirchen in den vergangenen 56 Jahren. Beim Jubiläum erhielten sie einen Festkrug und ein Abzeichen. Foto: Rudolf Hirsch

Schwandorf.Nach einer Maiandacht im Jahre 1954 traf sich die damals 19-jährige Rosalia Mayer mit fünf Freundinnen zur Gründung einer Mädchengruppe. „Wir waren neidisch auf die Burschen, die bereits eine Gruppe hatten“, erinnert sich die mittlerweile 84-jährige Gründungsvorsitzende Rosalia Schwanzl. Fünf Jahre lang führte sie die Mädchengruppe und ließ sich dann von Gertraud Bäuml (geborene Mändl) ablösen.

Ehrung für die Gründungsmitglieder Rosalia Schwanzl und Gertraud Bäuml  Foto: Rudolf Hirsch
Ehrung für die Gründungsmitglieder Rosalia Schwanzl und Gertraud Bäuml Foto: Rudolf Hirsch

Beim Kommersabend am Samstag im Festzelt am Annaberg in Neukirchen standen die beiden Damen im Mittelpunkt der Ehrungen. Mit ihnen wurden weitere 26 Vorsitzende der Mädchengruppe ausgezeichnet. Unter ihnen auch die amtierende Vorsitzende Martina Kammerl, die es als ihre Aufgabe sieht, unter den Jugendlichen das Brauchtum zu pflegen und es mit den Bedürfnissen der heutigen Zeit in Einklang zu bringen. „Der starke Zusammenhalt macht mich stolz“, versicherte die Vorsitzende. Die Gruppe bringe sich in das religiöse Leben der Pfarrei ein und unterstütze „die Burschen mit Leibeskräften“. Die Flamme der Begeisterung am Brennen zu halten und das Erbe der Vorgänger zu bewahren, sei das Ziel der 45-köpfigen Mädchengruppe.

Der Zusammenhalt in Neukirchen ist groß

85 Mitglieder zählt der Burschenverein Neukirchen, der am Wochenende das 110-jährige Jubiläum feierte. Festleiter Josef Rester berief 20 Ausschusssitzungen ein und erinnert sich: „Bei allen Meinungsverschiedenheiten haben am Ende alle an einem Strang gezogen“. Wie groß der Zusammenhalt im Dorf sei, habe sich im Juni beim Fest des Burschenvereins Meßnerskreith gezeigt, als die Delegation aus Neukirchen mit 200 Teilnehmern vertreten war.

Ehrungen

  • Vorstände:

    Beim Kommersabend ehrte der Burschenverein die Vorsitzenden der vergangenen 56 Jahre: Georg Mändl, Peter Fink, Heinrich Pitschat, Gerhard Nörl, Karl-Heinz Schwab, Josef Bräu, Franz Pirzer, Josef Schmid, Josef Kammerl, Thomas Kummert, Bernhard Mändl, Michael Schmid, Andreas Kummert, Peter Rester, Peter Graf, Daniel Schwab, Martin Viehauser, Johannes Rester, Stefan Segerer, Josef Rester, Johannes Mändl und Georg Mayer.

  • Mädchengruppe:

    Von den 28 Vorsitzenden der Mädchengruppe sind alle noch am Leben. Gründungsvorsitzende Rosalia Schwanzl stand fünf Jahre an der Spitze, ihre Nachfolgerin Gertrauf Bäuml drei Jahre. Am längsten amtierten später Christa Scharrer, Brigitte Mändl, Anneliese Kopf und Monika Kurz.

Vorsitzender Georg Mayer dankte allen, „die am Gelingen des Festes mitgewirkt haben“, und nannte stellvertretend die beiden Festleiter Josef Rester und Martin Viehauser. „Sie haben kühlen Kopf bewahrt und immer eine Lösung für die Probleme gefunden“, so das Kompliment des Vorsitzenden. Das Doppeljubiläum 110 Jahre Burschen- und 65 Jahre Mädchengruppe werde die Vereine im Ort weiter „zusammenschweißen“, sagte er.

So feierten die Neukirchener am Wochenende auf ihrem Fest:

Eindrücke vom Burschenfest in Neukirchen

„So etwas wie in Neukirchen gibt es kein zweites Mal“, stellte Pfarrer Eugen Thumann fest und appellierte an die Jugendlichen: „Halt’s weiter z’sam“. Sebastian Neudecker, Vorsitzender des Patenvereins Bubach am Forst, gratulierte zum Jubiläum und betonte: „Wir wollen euch ein guter Patenverein sein“. Schirmherr Landrat Thomas Ebeling war überzeugt: „Das wird ein legendäres Fest“. Ehrenschirmherr Oberbürgermeister Andreas Feller addierte die beiden Jubiläumszahlen und unterstrich: „175 Jahre, das darf man wirklich feiern“.

Tradition

Eindrücke vom Burschenfest in Neukirchen

Tausende Gäste feierten am Wochenende mit dem Burschenverein Neukirchen seinen 110. Geburtstag. Wir zeigen die Bilder.

Ehrenvorsitzender Josef Schmid hielt die Festrede und erinnerte an den 27. Juni 1909, als 45 junge Männer den Burschenverein Neukirchen aus der Taufe hoben und Johann Pirzer aus Hartenricht zum Gründungsvorsitzenden wählten. Mit Ausflügen und Theaterspiel habe der Verein das Dorfleben bereichert. Während der NS-Zeit sei der Burschenverein, wie alle anderen kirchlichen Organisationen auch, verboten worden. Die Mitglieder zerstückelten damals die Vereinsfahne aus Angst, die Nazis könnten sie beschlagnahmen. Jetzt ließ man die Einzelteile zu einer neuen Fahne wieder zusammensetzen und beim Festgottesdienst am Sonntag weihen.

1950 wieder gegründet

1950 erfolgte die Wiedergründung des Vereins. Zum Vorsitzenden wählten die Mitglieder Johann Pirzer, den Sohn des Gründungsvorsitzenden von 1909. „Ganze Familiengenerationen haben den Verein geprägt“, sagte Festredner Josef Schmid. Viele Vorsitzende anderer Vereine seien aus dem Burschenverein hervorgegangen. In der Galerie der Führungskräfte tauchen auch bekannte Namen auf, so wie der spätere Bürgermeister Alois Trettenbach oder Bezirksrat Karl Trettenbach.

100 Vereine marschierten beim Festzug am Sonntag mit:

Tausende feiern mit dem Burschenverein Neukirchen

In den 1970er Jahren verschwanden immer mehr Burschenvereine „von der Bildfläche“, sagte Josef Schmid und erinnerte sich: „Auch dem Burschenverein Neukirchen drohte das Aus“. Der damalige Pfarrer wollte den Verein in die Katholische Landjugendbewegung übergehen lasse. Der Ehrenvorsitzende erinnert sich an „Grabenkämpfe quer durch die Familien“. Ohne die kämpferische Generation von damals, die an den alten Traditionen festhielt, gäbe es den Burschenverein Neukirchen heute nicht mehr, ist Josef Schmid überzeugt. Eine Zeit lang verlief die kirchliche Jugendarbeit zweigleisig. Eine weitere Zerreißprobe bahnte sich bei der Auseinandersetzung um die WAA an, als sich der Burschenverein im Gegensatz zur KLJB nicht „vor den politischen Karren spannen ließ“, wie sich der Ehrenvorsitzende ausdrückte.

Voting

Kopf-an-Kopf-Rennen um Festdamen-Krone

Die beiden Vereine aus Fuhrn und Neukirchen werden den Titel „Ostbayerns Festdamen des Jahres“ wohl unter sich ausmachen.

Heute sieht Josef Schmid das größte Problem darin, „dass es im Ort keine Bauplätze gibt und die Jugend zunehmend abwandert“. Dies bekämen alle Vereine im Dorf zu spüren. Schmid appellierte deshalb an die Kommunalpolitiker, diesem Trend entgegenzuwirken und in Neukirchen ein Baugebiet auszuweisen, um eine weitere Abwanderung zu verhindern.

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