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Versorgung

Chirurgie: Jetzt spricht Dr. Heinz Graf

In Neunburgs Debatte um den drohenden Verlust des Arztsitzes ergreift der Chirurg das Wort. Er ärgert sich über die Stadt.
Von Bettina Mehltretter

2004 wurde das Krankenhaus in Neunburg nach fast 100-jähriger Geschichte geschlossen. Allerdings siedelte sich danach unter anderem noch ein Chirurg an. Der geht aber bald in den Ruhestand. Foto: Ralf Gohlke
2004 wurde das Krankenhaus in Neunburg nach fast 100-jähriger Geschichte geschlossen. Allerdings siedelte sich danach unter anderem noch ein Chirurg an. Der geht aber bald in den Ruhestand. Foto: Ralf Gohlke

Neunburg.Am Mittwoch entscheidet der Zulassungsausschuss über die Zukunft des chirurgischen Kassenarztsitzes im ehemaligen Neunburger Krankenhaus. Es gibt mindestens zwei Bewerber: eine Ärztin aus Schwandorf, mit der Dr. Heinz Graf, der derzeit den Arztsitz innehat, bereits vor einiger Zeit verhandelt hat - und die Stadt Neunburg selbst. Die Stadt hat zwar keine medizinische Kompetenz. Bürgermeister Martin Birner will den Arztsitz aber unbedingt halten.

Er plant, den Sitz mit städtischen Mitteln zu erwerben und dann mithilfe eines medizinischen Leiters sowie mit angestellten Ärzten zu betreiben, sobald Dr. Graf zum Jahreswechsel in den Ruhestand geht. Kurz vor dem Treffen des Zulassungsausschusses hat sich Dr. Graf nun in einer E-Mail an die Mittelbayerische gewandt. Darin schreibt er von „Halbwahrheiten“, die verbreitet werden würden: „Es haben sich einige zu Wort gemeldet oder sich berufen gefühlt, die Problematik zu überschauen, dabei jedoch einige Tatsachen (aus Unwissenheit) verdreht.“

Kritik am Vorgehen der Stadt

Bei Dr. Heinz Grafs Vertragsunterzeichnung vor rund 15 Jahren: unten Dr. Graf und Dr. Brigitte Birzer (Geschäftsführerin der Krankenhausgesellschaft), oben (von links nach rechts) Dr. Heio Steffens (Grafs Vorgänger), der damalige Landrat Volker Liedtke, Alfred Niedermeier (damals Geschäftsführer von Asklepios in Burglengenfeld), und der inzwischen verstorbene Neunburger Bürgermeister Wolfgang Bayerl. Foto: Karl Stumpfi
Bei Dr. Heinz Grafs Vertragsunterzeichnung vor rund 15 Jahren: unten Dr. Graf und Dr. Brigitte Birzer (Geschäftsführerin der Krankenhausgesellschaft), oben (von links nach rechts) Dr. Heio Steffens (Grafs Vorgänger), der damalige Landrat Volker Liedtke, Alfred Niedermeier (damals Geschäftsführer von Asklepios in Burglengenfeld), und der inzwischen verstorbene Neunburger Bürgermeister Wolfgang Bayerl. Foto: Karl Stumpfi

Unter anderem habe es ihn „gelinde gesagt irritiert, dass vonseiten der Stadt so getan wurde, als stehe es ihr zu, meine Praxis ,anzubieten‘, ohne vorher mein Einverständnis eingeholt zu haben“, so Graf. Neunburgs Bürgermeister hatte unter anderem eine Suchanzeige in regionalen und überregionalen Medien geschaltet. Darin rief er Fachärzte der Chirurgie, bevorzugt mit Durchgangsarzt-Zulassung, auf, sich bei ihm zu melden. Gegenüber der Mittelbayerischen hatte Birner mehrfach betont, dass der Verkauf des Arztsitzes zwar grundsätzlich eine privatrechtliche Angelegenheit zwischen Dr. Graf und seinem Nachfolger sei. Er sehe seine Aufgabe als Bürgermeister allerdings darin, für seine Stadt das Beste herauszuholen. Daher mache er über alle verfügbaren Kanäle auf den freiwerdenden Arztsitz aufmerksam. Schließlich war die Ausschreibung zuletzt lediglich unter einer Chiffrenummer im Bayerischen Staatsanzeiger erschienen.

Zum Jahresende schließt Dr. Heinz Graf seine Praxis im Untergeschoss des ehemaligen Krankenhauses. Foto: Ralf Gohlke
Zum Jahresende schließt Dr. Heinz Graf seine Praxis im Untergeschoss des ehemaligen Krankenhauses. Foto: Ralf Gohlke

Falsch sei Dr. Graf zufolge, dass die Krankenkassen die Stadt bei der Besetzung des Facharztsitzes tatsächlich „unterstützen“, wie das SPD-Stadträtin Margot Weber gegenüber unserem Reporter gesagt hatte. „Die Krankenkassen mögen zwar befürworten, dass ein Durchgangsarzt vor Ort ist, haben jedoch mit der Besetzung nicht das Geringste zu tun“, schreibt Dr. Graf an die Mittelbayerische. Richtig sei, dass es schwierig sei, einen geeigneten Nachfolger zu finden, „der alle Aspekte und Anforderungen vereinigt und eine ,Einzelpraxis‘ für alle Bedürfnisse führen kann“. Schließlich werde die Ausbildung heutzutage schon früh aufgeteilt, sodass es zu einer Vielzahl von Spezialgebieten kommt. Er selbst war seit 2004 in Neunburg tätig. Damals hatte er den chirurgischen Kassenarztsitz nach der Schließung des Krankenhauses von Dr. Heio Steffens erworben.

Graf hat ein Jahr lang nach einem Nachfolger gesucht

Außerdem widerspricht Dr. Graf vehement einer Formulierung in unserer Vorberichterstattung auf die Stadtratssitzung, im Rahmen derer sich der Stadtrat mit der Gründung eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) befassen wird. In dem MZ-Artikel hieß es: „MZ-Informationen zufolge hätte Dr. Heinz Graf seinen Arztsitz gerne nach Schwandorf verkauft.“ Von „gerne“ sei nicht die Rede, teilt der Arzt mit. Nach seinem Entschluss, seine Praxis aus gesundheitlichen Gründen abzugeben, habe er ein Jahr lang über Agenturen, die Kassenärztliche Vereinigung und deutschlandweit über Anzeigen nach einem Nachfolger gesucht. Es habe einige Anfragen und ebenso viele Absagen gegeben, betont Graf. Bis vor drei Wochen sei die einzige geeignete Bewerberin eine Frau aus Schwandorf gewesen. Sie hätte die Praxis zwar nicht vor Ort, „jedoch relativ schnell erreichbar weiterführen“ wollen.

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Dr. Heinz Graf schreibt allerdings, dass auch er eine heimatnahe, allgemeinchirurgische und vor allem D-ärztliche Versorgung der Neunburger befürworten würde. Das wäre auch für ihn persönlich vorteilhaft: Die Praxisübergabe wäre in diesem Fall erheblich einfacher.

Entscheidung des Zulassungsausschusses

  • Wichtigstes Kriterium:

    „Das Nachbesetzungsverfahren unterliegt prinzipiell dem Leitgedanken der ,Fortführung‘ der bisherigen Praxis“, so die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB). Der Praxisübernehmer müsse also gewillt und in der Lage sein, die Praxis weitestgehend in bisheriger Form weiter zu betreiben.

  • Nach der Entscheidung:

    Gegen Entscheidungen des Zulassungsausschusses können der am Verfahren beteiligte Arzt, die KVB und die Landesverbände der Krankenkassen Widerspruch zum Berufungsausschuss einlegen. Danach steht der Rechtsweg zu den Sozialgerichten offen.

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