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Unterhaltung

Chris Boettcher bringt alle zum Lachen

Der Comedian zog in der Neunburger Schwarzachtalhalle alle Register – und präsentierte den ein oder anderen Promi.
Von Ralf Gohlke

Nicht nur gesanglich versteht es Chris Boettcher in die verschiedensten Rollen zu schlüpfen. Foto: Gohlke
Nicht nur gesanglich versteht es Chris Boettcher in die verschiedensten Rollen zu schlüpfen. Foto: Gohlke

Neunburg.Es gibt einige Solokünstler, die sich fest auf ihre Fangemeinde verlassen können. Die bringt dann zumeist sogar noch die Familie, Freunde und Bekannte mit, die am Ende einer Vorstellung ebenso begeistert sind, wie sie selbst. Zu dieser Kategorie gehört der gebürtige Eichstätter Chris Boettcher. Der ehemalige Nachrichtensprecher und Rundfunkredakteur hat mit seiner eigentlichen Begabung längst einen gewissen Kultstatus erreicht, von dem viele andere noch träumen. Angesichts der Qualität der Bayerischen Comedy-Szene, die ziemlich hoch angesiedelt ist, sagt schon das einiges über ihn als Künstler aus.

Sein Markenzeichen ist das mit Kuhfell überzogene Keyboard und der dazu passende Sitz. In seinem aktuellen Programm „Freischwimmer“ benutzt er es ausschließlich als Piano. Eher durch Zufall hat er nach eigenen Angaben seine Fähigkeit entdeckt, ander Menschen, vornehmlich Prominente, fast schon täuschend echt zu parodieren. Der „Kaiser“ Franz Beckenbauer und Fußball-Ikone Lothar Matthäus gehörten ursprünglich dazu.

Florian Silbereisen bewegte Chris Boettcher

Bei seinem zweiten Auftritt in der Neunburger Schwarzachtalhalle ging es aber erst einmal um etwas Lokalkolorit. So war ihm das neue Pfalzgrafencenter ins Auge gefallen und natürlich der frische Duft der Chips. Am meisten bewegte ihn aber die Nachricht von der Beförderung Florian Silbereisens zum Traumschiffkapitän und er befürchtete, dass sich nun die Musik zu der beliebten Fernsehserie völlig verändern werde.

Chris Boettcher

  • Wurzeln:

    Geboren wurde Boettcher in Ingolstadt als Sohn eines Braumeisters. In Eichstätt studierte er Englisch und Germanistik auf Lehramt. Unter Thomas Gottschalk begann seine Karriere als Radio-Redakteur beim Münchner Sender „Radio Xanadu“ bevor er zu „Antenne Bayern“ ging.

  • Bühne und Fernsehen:

    1999 erreichte er mit der Serie „Lothar und Franz“ Kultstatus auf Bayern 3. Darauf folgten viele Gastauftritte in allen möglichen Fernsehformaten. Auf Tour ist der ehemalige „Frühaufsänger“ von Antenne Bayern mit seinen Soloprogrammen seit 2011.

Musikalisch beschäftigte ihn auch der „Skandal um Ribery“, frei nach „Spider Murphy“, und dessen Lust auf goldene Steaks. Eine bange Frage war für ihn ebenso, ob denn Dieselfahrzeuge nicht in die Neunburger Altstadt dürften. Unter dem Oberbegriff von „Pleiten, Pech und Pannen“ sah er unter anderem den desolaten Zustand der Bundeswehrausrüstung und verdeutlichte dies mit einer eigenen Fassung des Schlagers von Peter Rubin „Wir zwei fliegen irgendwo hin“. Allerdings hieß es da in Richtung Kanzlerin Angela Merkel und ihr Debakel bei der Reise zum G8-Gipfel: „Wir zwei fliegen nirgendwo hin.“

„Bei Bayerisch stoßen Sprachassistenten an ihre Grenzen.“

Chris Boettcher, Musik-Comedian

US-Präsident Donald Trump durfte natürlich auch nicht fehlen. So beschrieb Boettcher die streng geheime Suche nach dessen Gehirn sehr eindringlich. Sie wurde dadurch erschwert, dass es sehr klein war. Nachdem es nicht auffindbar war, entstand sogar der Verdacht, es habe es nie gegeben. In Sachen Politiker-Persiflagen waren unter anderem Edmund Stoiber und Hubert Aiwanger vertreten.

Ultra-Hundeliebhaber tragen sogar gefüllte Kot-Beutel als modisches Accessoires. Foto: ggo
Ultra-Hundeliebhaber tragen sogar gefüllte Kot-Beutel als modisches Accessoires. Foto: ggo

Riesenapplaus erntete Chris Boettcher immer wieder dann, wenn seine Lieblingsmusiker in Erscheinung traten. Das waren Udo Lindenberg, Peter Maffay und Herbert Grönemeyer, die er sowohl stimmlich als auch in ihrer Gestik meisterhaft parodierte. Verwundert stellte er unter anderem zu Howard Carpendale fest, dass er nach so vielen Jahren eigentlich des Deutschen besser mächtig sein müsse. Boettcher räumte aber ein, dass dies „Sch...“ doch mehr Erotik ausstrahlen würde.

Mit einem eigenen Song machte er auch deutlich, dass dies sehr missverständlich ausgelegt werden könne, etwa in der Zeile „Isch –heiße wie Isch –heiße.“ Einen eigenen Song hatte der Comedian auch für Tennis-Legende „Boomboom Boris“ mit dem vielsagenden Titel „Boris in Love“ parat. Interessante Einblicke vermittelte der Künstler in das Über-Ego von Bundestrainer Jogi Löw.

Kultur

Die Schwarzachtalhalle bietet Vielfalt

Ein voller Terminplan für die Neunburger Stadthalle verspricht einen amüsanten Jahresauftakt mit vielen Höhepunkten.

Viele Lieder und Geschichten im Repertoire

Neben vielen Liedern griff Boettcher auch immer wieder zu seiner Geschichtensammlung. Dabei ging es einmal um ein besonderes Phänomen der Jetztzeit, den „Menschen ohne Smartphone“. Der beeindruckte ihn dadurch, dass er auf ihn zukam, ihn anlächelte und zum schönen blauen Himmel aufblicken ließ. Dass er am Ende seine eigene Brietasche vermisste, war für ihn daher nur „halb so schlimm“.

Erstaunliche Fantasie entwickeln Hersteller von Shampoos bei der Beschreibung ihrer Produkte, Foto: ggo
Erstaunliche Fantasie entwickeln Hersteller von Shampoos bei der Beschreibung ihrer Produkte, Foto: ggo

Ebenfalls einmal weg von den üblichen Promis führte ihn sein Weg in die etwas obskure Welt der Werbesprüche. Dazu hatte er eine ganz Schachtel mit Dusch- und Haarshampoos dabei, von denen er die lustigsten Attribute vortrug. Das verband er gleich mit anderen Texten und vermittelte eine Hommage an die Texte von Andreas Gabalier und einigen Rappern. Er war sicher, solch literarische Glanzleistungen ließen sich sicher zehn-Stück-weise an einem Tag produzieren, meinte er und trat sofort den Beweis an seinem Fell-Piano an.

„Gib die Kinder nicht zur Oma!“

Rat von Chris Boettcher

Für große Heiterkeit sorgte ein Ausflug in den Welt der Esoterik und die Schilderung eines Besuches in einem „Kuschelkurs“. Jungen Eltern gab er den guten Rat „Gib die Kinder nicht zur Oma!“ – da sonst alle Erziehungsbemühungen konterkariert würden. Und Kinder seien nur „süß“, solange sie klein blieben. Dann käme ihre eingebaute „Schadsoftware“ zum Tragen, die Pubertät. Zum großen Finale hin kam, nach über zwei Stunden dicht gedrängter Aktion, schließlich noch die Erklärung, um was es sich denn bei einem „Bockfotzengesicht“ handle.

Auch nach der Show hat Chris Böttcher Zeit für seine Fans. Foto: ggo
Auch nach der Show hat Chris Böttcher Zeit für seine Fans. Foto: ggo

Das Publikum ging noch einmal voll mit und brauchte um Zugaben auch nicht lange zu betteln. Auch dabei kam das besondere Talent von Chris Boettcher hervor, Reime, die möglicherweise unter die Gürtellinie rutschen würden, sinnvoll zu verändern. Im Anschluss nahm er sich im Foyer noch die Zeit für einen Smalltalk und reichliche Autogramme – wohlgemerkt ohne CD-Verkauf.

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