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Wirtschaft

Damit Wurst ein Genuss bleibt

Das Labor Kneißler hilft Lebensmittel-Herstellern, Ärger zu vermeiden – und ist der zweitgrößte Arbeitgeber Burglengenfelds.
Von Thomas Rieke

  • Dr. med. vet. Andreas Kneißler mit einem Fläschen, in dem sich der Extrakt von vier Salatköpfen befindet. Er wird auf Pestizide untersucht. Foto: Rieke
  • Der Mediziner erkennt auf diesem Bild, ob sich in einer Wurst Stoffe befinden, die nicht hineingehören. Foto: Rieke

Burglengenfeld.Wer auf dem Betriebsgelände des Labors Kneißler im Gewerbegebiet Am Brunnfeld nach einem Parkplatz sucht, tut sich schwer. Zu den Kernzeiten sind die allermeisten Stellplätze schnell besetzt, manch einer ist gezwungen, auf die Zufahrtsstraße auszuweichen...

Die Schlussfolgerung, dass „der Laden offenbar brummt“, ist nicht verkehrt. Tatsächlich hat sich das Labor mit den Schwerpunkten Lebensmittelkontrollen und Trinkwasseruntersuchungen in den letzten Jahren prächtig entwickelt – und mit derzeit 180 Beschäftigten zum zweitgrößten Arbeitgeber der Stadt (nach dem Zementwerk) gemausert. Als der aus dem Schwarzwald stammende Diplomingenieur Arnolf Kneißler (63) 1993 in der Nähe von Bayreuth seine Firma gründete, hätte er eine solche Expansion kaum zu träumen gewagt.

Seit 20 Jahren in Burglengenfeld

Nach kurzer Zeit aber war der Trend bereits so positiv, dass sich Kneißler entschloss, seine Aktivitäten auszubauen. Dafür siedelte er 1998, also vor genau zwanzig Jahren, nach Burglengenfeld um. Mit ein Grund war die strategisch günstige Lage. Für den möglichst schnellen Transport von Proben benötigt das Labor eine Superanbindung ans Autobahnnetz.

Arnolf Kneißler (links) hat das Labor 1993 gegründet. Sein Sohn Andreas ist 2009 eingestiegen. Foto: Rieke
Arnolf Kneißler (links) hat das Labor 1993 gegründet. Sein Sohn Andreas ist 2009 eingestiegen. Foto: Rieke

2009 stieg Sohn Andreas in den Betrieb ein. Der 35-Jährige hat in München Tiermedizin studiert, sieht sich aber in einem Labor besser aufgehoben als in einer Praxis und ist heute neben seinem Vater, einem Lebensmitteltechnologen, Geschäftsführer.

Beide zusammen haben sich angesichts der unveränderten Dynamik auf ihrem Terrain entschlossen, erneut kräftig zu investieren. Zu den 3600 Quadratmetern Labor- und Büroflächen sollen 2000 hinzukommen. Kürzlich stimmte der Stadtrat der dafür erforderlichen Änderung des Bebauungsplans zu. Im Frühjahr kommenden Jahres soll Spatenstich sein; die Arbeiten werden sich vermutlich bis 2021 hinziehen. Weitere Jobs stellen die Kneißlers schon jetzt in Aussicht. Auf einer Reise durch die USA holten sie sich kürzlich Impulse und Eindrücke von technischen Möglichkeiten, die für ihre eigenen Pläne nützlich sein könnten.

12000 Proben monatlich

Im Labor Kneißler werden im Monat durchschnittlich 12000 Proben von Lebensmitteln und Trinkwasser untersucht. Die Umsätze sind in den letzten Jahren regelmäßig zweistellig gestiegen. Das Geheimnis des Erfolgs? Laut Arnolf Kneißler sind es nicht die Skandale, die von Zeit zu Zeit im Lebensmittelsektor für Schlagzeilen sorgen und dadurch das Geschäft ankurbeln. Vielmehr hätten verschärfte Vorschriften und das starke Eigeninteresse vieler Hersteller, sich erst gar keine Probleme einzuhandeln, dazu geführt, dass die Nachfrage nach Analysen und Zertifikaten permanent gestiegen ist. „Wir sind proaktiv tätig und unterstützen Unternehmen, dass größere Probleme vermieden werden“, bringt es Kneißler auf den Punkt.

Dr. Kneißler weiß diese „bunten Bilder“ genau zu interpretieren. Sie verraten die Zusammensetzung von Fleischerzeugnissen. Foto: Rieke
Dr. Kneißler weiß diese „bunten Bilder“ genau zu interpretieren. Sie verraten die Zusammensetzung von Fleischerzeugnissen. Foto: Rieke

Damit verbindet er ein Lob, vor allem für größere Produzenten: „Die strengen sich wirklich an.“ Unterm Strich könne man deshalb guten Gewissens behaupten, dass der Lebensmittelmarkt in Deutschland heute deutlich sicherer sei als noch vor zwanzig Jahren. Salmonellen würden beispielsweise so schnell nachgewiesen, dass betroffene Ware erst gar nicht zur Auslieferung gelange. Dass manch Verbraucher trotzdem eventuell einen anderen Eindruck hat, erklärt Kneißler so: „Es wird mehr untersucht, und die Methoden haben sich verbessert.“ So sei es nur logisch, dass es trotz aller Anstrengungen immer wieder zu Auffälligkeiten komme.

Vater und Sohn Kneißler sind stolz auf die technische Ausstattung ihres Labors.  Foto: Rieke
Vater und Sohn Kneißler sind stolz auf die technische Ausstattung ihres Labors. Foto: Rieke

Das Labor Kneißler wirbt nicht nur mit dem Einsatz modernster Technik. Auch die Beratung, die Interpretation von Analyseergebnissen und den Kundenservice zählt es zu seinen Stärken. Nicht weniger als 17 Fahrzeuge stehen bereit, um Kurierdienste zu erledigen, Metropolen wie Frankfurt, Leipzig oder Stuttgart sind täglich mehrfach das Ziel.

Aus einem Bericht der Stadtverwaltung geht hervor, dass die Bruttobaulandfläche im Gewerbegebiet Am Brunnfeld II für die Laborerweiterung von 40370 auf 45598 Quadratmeter wächst. Darüber hinaus sollen weitere 25600 Quadratmeter erschlossen werden. Auch hierfür gebe es bereits zahlreiche Interessenten. Die Unterlagen dazu liegen im Rathaus noch bis 12. Juli aus.

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