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Einwohnerentwicklung

Dann wird es ganz eng im Sitzungssaal

In Schwandorf werden bald 30 000 Menschen leben. Das hat Folgen für den Stadtrat, das OB-Gehalt – und für eine alte Branche.
Von Reinhold Willfurth

  • Schon jetzt geht es zeitweise eng zu im Sitzungssaal des Rathauses. Ab 2020 könnte es noch enger werden.Foto: Willfurth
  • Die Stadt wächst, in der Innenstadt ist Verdichtung gefragt.Foto: Archiv

Schwandorf.Die Große Kreisstadt wird noch größer. Erstmals in seiner Geschichte steuert Schwandorf auf eine Bevölkerungszahl von – offiziell – 30 000 hin. Den aktuellen Stand und damit einen klaren Trend gab Oberbürgermeister Andreas Feller kürzlich bei einer Veranstaltung bekannt: Rund 29 400 Einwohner seien derzeit in Schwandorf gemeldet.

Mit Erstwohnsitz, wohlgemerkt. Denn das ist quasi der Goldstandard der Einwohnerzählung nach dem Melderegister der Kommune. Danach werden zum Beispiel die Schlüsselzuweisungen des Staats an die Stadt berechnet. Zählt man nun die Menschen mit Zweitwohnsitz mit, dann hat Schwandorf die historische Marke schon jetzt erreicht. Das bestätigt auch das Einwohnermeldeamt: Genau 30 608 Menschen leben in dieser Woche in der Stadt, 29 355 mit Erst- und 1253 mit Zweitwohnsitz.

Statistiker sind zurückhaltender

Für die Folgen des Bevölkerungszuwachses spielt aber allein die Zahl der Erstwohnsitze eine Rolle, und zwar jene, die das Statistische Landesamt regelmäßig feststellt. Und da sind die Hürden höher, nicht nur weil die letzte offizielle Zahl der Landesstatistiker vom 31. Dezember 2015 stammt. Da waren amtlich festgestellte 28 415 Schwandorfer mit Erstwohnsitz gemeldet. Die Zahlen des Landesamts seien nicht mit jenen des städtischen Melderegisters identisch, teilt Lothar Mulzer, Sprecher der Stadt Schwandorf mit. In diesem Jahr sei aber die Fortschreibung der Zahl zu erwarten.

Sollte sich auch diese Ziffer jenseits der 30 000-Marke liegen, müssen sich die Parteien Gedanken über zusätzliche Kandidaten für die Stadtratswahl machen – und das städtische Baumt eventuell über eine Erweiterung des Sitzungssaals: Bei Städten über 30 000 Einwohnern steigt die Zahl der Räte von jetzt 30 auf 40. Da geht es dann noch enger zu als jetzt schon im Sitzungssaal im Dachgeschoss des Rathauses, wenn das 30köpfige Gremium tagt. Oberbürgermeister Andreas Feller würde sich dieser Aufgabe gerne stellen, denn eine wachsende Bevölkerung sieht Feller als Bestätigung für die Attraktivität der Stadt. Schwandorf liege dabei im allgemeinen Trend, der zulasten des ländlichen Raums gehe. Vor allem ältere Menschen suchten in den größeren Kommunen Versorgungssicherheit, die sie auf dem Land mit immer weniger Ärzten, Apotheken oder auch Wirtshäusern nicht mehr fänden. Dazu komme der Zuzug junger Familien, die Betreuungsmöglichkeiten und andere Infrastruktur erwarteten. Bei einem moderaten Wachstum wie in Schwandorf sei diese Aufgabe aber zu stemmen. „Wir kommen hinterher“, sagt Feller. Für den OB selbst würde der Zuwachs bei der Bevölkerung auch einen deutlichen Gehaltssprung bedeuten. Nach dem Gesetz für kommunale Wahlbeamte würde sein Gehalt von der jetzigen Besoldungsgruppe B 4 (Grundgehalt 8085 Euro) auf B 6 steigen (9077 Euro).

Mehr Stadtratskandidaten gefragt

Bei der Schwandorfer CSU rüstet man sich jetzt für den Fall, 40 Kandidaten für die Stadtratswahl im März 2020 aufstellen zu müssen, nachdem man bislang mit 30 Kandidaten kalkuliert hatte. CSU-Fraktionsvorsitzender Andreas Wopperer gibt sich gelassen: „Das schaffen wir auch“. Auch ob die Größe des Sitzungssaals dann für 40 Stadträte ausreicht, bereitet Wopperer keine Kopfschmerzen. „Die kriegen wir auch noch unter“.

„Eine schöne Entwicklung“, kommentiert SPD-Fraktionssprecher Franz Schindler den Trend. Allerdings habe Schwandorf ein Wohnungsproblem, vor allem bei Angeboten für junge Familien. Die SPD werde deshalb demnächst einen Antrag auf Gründung einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft stellen.

Sehr aufmerksam verfolgt dürfte der Bevölkerungszuwachs hingegen von der mutmaßlich ältesten Branche der Welt werden: In Städten mit einer Größe ab 30 000 Einwohnern ist Prostitution grundsätzlich erlaubt, so legt es eine Verordnung der bayerischen Staatsregierung aus dem Jahr 1989 fest. Die Kommune kann die Rotlichtbezirke allerdings eingrenzen. „Dem Thema müssen wir uns stellen“, sagt OB Feller. Verwaltungsintern sei schon über den Fall der Fälle gesprochen worden. In anderen bayerischen Städten mit ähnlicher Bevölkerungsentwicklung liegen die Betreiber von einschlägigen Etablissements angeblich schon auf der Lauer, um sich eine Lizenz für das einträgliche Geschäft zu sichern – wenn die Zahlen des Landesamts für Statistik „grünes Licht“ geben.

Die Landes-Statistiker entscheiden

  • Gesetz:

    Die amtlichen Einwohnerzahlen der Länder, Landkreise und Gemeinden werden in Deutschland von den Statistischen Landesämtern festgestellt. Bis 2013 wurden die Bevölkerungszahlen auf Basis der Volkszählungen von 1981 in Ost- und 1987 in Westdeutschland fortgeschrieben. Seit 2013 ist das Ergebnis des Zensus von 2011 Basis für die Einwohnerzahlen unter Berücksichtigung der Änderungsmeldungen der Einwohnermeldeämter und der Standesämter.

  • Zu den Einwohnern zählen alle wohnsitzberechtigten Bürger mit Hauptwohnsitz.

  • Grundlage:

    Die Zahlen bilden die Grundlage für die Anwendung zahlreicher Gesetze und Verordnungen wie Finanzzuweisungen, Wahlkreiseinteilung, Anzahl der Ratsmandate und Parlamentssitze. Auch ob im März 2020 statt bisher 30 nun 40 Stadträte in Schwandorf gewählt werden müssen, entscheiden die spätestens bis sechs Monate vorher veröffentlichten amtlichen Zahlen.

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