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Umdenken

Das Dachelhofener Wehr hat eine Zukunft

Nach massiven Protesten soll das Dachelhofener Wehr nun doch erhalten bleiben – und naturverträglicher gestaltet werden.
Von Reinhold Willfurth

Das Dachelhofener Wehr soll umgebaut werden, die Wassertiefe der Naab soll sich nicht verändern. Foto: Willfurth
Das Dachelhofener Wehr soll umgebaut werden, die Wassertiefe der Naab soll sich nicht verändern. Foto: Willfurth

Schwandorf.Nach Protesten von Anwohnern arbeitet das Wasserwirtschaftsamt Weiden beim Dachelhofener Wehr an einer Lösung, mit der Natur und Mensch leben können. Die Lösung trägt den Namen „Sohlgleite“ und schließt den Erhalt von Staustufe und Oberwasserpegel ein – eine Kernforderung der Anwohner, die bei einem Rückbau des Wehrs um den Bestand ihrer Häuser fürchten. Allerdings werde das Bauwerk aus dem Jahr 1929 umgebaut, sagt Manuel Schlegel, neuer Abteilungsleiter für den Raum Schwandorf, im Gespräch mit der Mittelbayerischen.

Künftig soll die Naab südlich der Staustufe das jetzige Gefälle in einer flachen Rampe überwinden. Damit sei die Durchgängigkeit der Naab an dieser Stelle wieder gesichert, sagt Schlegel. Gleichzeitig werde der Wasserstand nicht abgesenkt. Bislang stelle das Wehr ein Wanderhindernis für Fische und „aquatische Kleinlebewesen“ wie die Larve der Köcherfliege dar. Dies und der Trend, Fließgewässer soweit möglich wieder in ihren natürlichen Zustand zu versetzen, war der Grund für das Amt, das Wehr komplett rückzubauen.

„Katastrophe“ ist abgewendet

In drei Stufen – und bis zu fünf Jahren – sollte der Wasserstand der Naab dabei um 1,20 Meter abgesenkt werden. Für Anwohner Alfred Wimmer und seine Mitstreiter wäre das eine „Katastrophe“. Sie befürchten, dass ihre Häuser durch die Absenkung des Grundwasserspiegels auf Dauer Risse bekämen oder sogar in Schieflage geraten könnten. Dazu gesellte sich die Angst, dass durch den entstehenden Sog belastetes Grundwasser aus der ehemaligen Rotschlammdeponie der Vereinigten Aluminiumwerke (VAW) in die Gärten der Anwohner gedrückt würde.

Anwohner protestierten gegen die Pläne. Foto: Achiv/fu
Anwohner protestierten gegen die Pläne. Foto: Achiv/fu

Die Ablehnung war dementsprechend deutlich: Über 270 Bürger, die meisten Hausbesitzer aus Dachelhofen, legten schriftlich Einspruch gegen die bei der Stadt ausgelegten Pläne ein. Da half es auch nichts, dass der Staat permanente Messungen an den fraglichen Häusern und Schadenersatz bei Rissen oder Setzungen anbot. Schäden hatte Manuel Schlegels Vorgänger Günther Michler ohnehin „so gut wie ausgeschlossen“.

Der Anwohnerprotest bewegte schließlich auch den Stadtrat, sich gegen das Vorhaben zu wenden. Und mit der Nabaltec AG, die in der Nachbarschaft der Häuser angesiedelt ist, baute sich ein weiterer potenzieller Gegner auf. Man werde Veränderungen im Grundwasserspiegel auf dem Betriebsgelände sehr genau beobachten, kündigte Nabaltec-Vorstand Johannes Heckmann im Gespräch mit der MZ an.

„Wir wollten den Rückbau nicht auf Teufel komm raus durchboxen.“

Manuel Schlegel, Wasserwirtschaftsamt Weiden

Anwälte seien bereits eingeschaltet. „In Abstimmung“ mit dem zuständigen bayerischen Umweltministerium schlage man jetzt die Kompromisslösung mit einer Sohlgleite vor, mit der Mensch und Natur gleichermaßen leben könnten, sagt Manuel Schlegel. Welche Rolle hat der massive Bürgerprotest dabei gespielt? „Wir wollten den Rückbau nicht auf Teufel komm raus durchboxen“.

Die Baumaßnahme sei im Zuge des Hochwasserschutzes Schwandorf vorgesehen, so Schlegel. Der Planungsbeginn sei für Ende 2018 / Anfang 2019 vorgesehen. Vollendet werde das „fischpassierbare Querbauwerk“ vermutlich nicht vor 2021. Technische Details seien noch nicht geklärt, das Projekt befinde sich erst in einem Vorstadium, stellte Schlegel klar. Nur so viel: Die „sichtbaren Bauteile“ des Dachelhofener Wehrs würden verschwinden, der „plötzliche Absturz“ des Naabwassers in ein sanftes Gefälle verwandelt. Im Fall einer Sohlgleite wäre das ein Verhältnis 1:20 bis 1: 100.

„Das war unser Hauptanliegen“

Ein Beispiel für den Unterbau Foto: WWA Ansbach
Ein Beispiel für den Unterbau Foto: WWA Ansbach

Dass die Rückbaupläne offensichtlich vom Tisch sind, beruhigt die Anwohner östlich der Naab – wenn es so kommen sollte wie das Wasserwirtschaftsamt es plant, das betont auch Alfred Wimmer. Aber auch bei ihm überwiegt die Erleichterung. „Das war unser Hauptanliegen“, sagt Wimmer. Wenn das Siedlungsgebiet durch die Absenkung „trockengelegt“ worden wäre, hätten die Siedler irgendwann Schäden an ihren Eigenheimen befürchten müssen. Das Hochwasser der Naab sei mit einem Anstieg auf durchschnittlich 1,60 Meter Wassertiefe für die Anwohner im Vergleich verschmerzbar.

Auch Oswald Weschka zeig sich zufrieden: „Wenn der Wasserspiegel nicht abgesenkt wird, haben wir erreicht, was wir wollen“, sagt der Anwohner. Auch die Arsen-Belastung der Gärten durch die benachbarte Rotschlammdeponie werde zumindest nicht schlimmer.

Entschieden skeptischer ist dagegen Larry Hoffmann. Es sei „verdammt aufwendig“, die 1,20 Meter Wassertiefe zu halten und das Wasser gleichzeitig langsam abfließen zu lassen. „Ich kann mir nicht vorstellen, wie das gehen soll“, so Hofmann. Aber auch er hat Hoffnung: „Wir sind alle zufrieden wenn der Grundwasserspiegel nicht abgesenkt wird“.

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