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Das Gedächtnis der Stadt Neunburg

Das Stadtarchiv besitzt eine Unmenge an Dokumenten seit dem 18. Jahrhundert, die die Geschichte lebendig machen.
Von Karl-Heinz Probst

Bürgermeister Martin Birner mit den beiden Mitarbeiterinnen im Stadtarchiv, Christa Scheitinger und Andrea Käsbauer, sowie Kreisheimatpfleger Theo Männer (von links) mit einem Beschlussbuch von 1782 Foto: Karl-Heinz Probst
Bürgermeister Martin Birner mit den beiden Mitarbeiterinnen im Stadtarchiv, Christa Scheitinger und Andrea Käsbauer, sowie Kreisheimatpfleger Theo Männer (von links) mit einem Beschlussbuch von 1782 Foto: Karl-Heinz Probst

Neunburg.Alle zwei Jahre soll am bundesweiten „Tag der Archive“, heuer am 3./4. März, die öffentliche Aufmerksamkeit ganz besonders auf die vielfältigen gesellschaftlichen Funktionen der Archive gelenkt werden. Bürgermeister Martin Birner nahm in einem Pressegespräch die Gelegenheit wahr, im Vorfeld auf die Vielfalt des Neunburger Stadtarchivs hinzuweisen. Die Akten umfassen rund 200 Regalmeter, informierte Stadtarchivarin Christa Scheitinger.

Hinzu kommt die Altregistratur, also die Akten, die aus der Verwaltung laufend abgegeben werden, welche noch mal rund 150 Regalmeter ausmachen. Das Stadtarchiv beherbergt zudem die Nachlässe der Heimatforscher Josef Meier und Anton Neckermann, eine Plakatsammlung, eine umfangreiche Foto-, Dia- und Filmsammlung sowie eine kleine Bibliothek.

Unersetzliches Kulturgut

Blick in die Altregistratur Foto: Probst
Blick in die Altregistratur Foto: Probst

Archive sind die Bewahrer der authentischen Überlieferung einer Kommune, die nicht ersetzt werden kann. Dies unterscheidet die Archive von allen anderen Kultureinrichtungen. Im Gegensatz zu Büchereinen oder Museen sind Archive eine Pflichtaufgabe der Kommune, die sie selbstverantwortlich leisten muss. Allerdings war ursprünglich nicht die Sicherung altehrwürdiger, historischer Dokumente die Aufgabe der Archive.

Verwahrt wurde der Teil des aus der Verwaltung selbst erwachsenen Schriftguts, der zu rechtlichen und administrativen Zwecken über den Tag hinaus oder auf Dauer erhalten werden sollte. Erst eine spätere Zeit machte die Archive zum Quellenreservoir der Historiker, zum wichtigen Datenspeicher der Vergangenheit.

Momentan befindet sich nur ein kleiner Teil der Zeitungsbände im Stadtarchiv, die Bände der Mittelbayerischen Zeitung sind noch im Bauhof gelagert und warten auf den Umzug. Foto: Probst
Momentan befindet sich nur ein kleiner Teil der Zeitungsbände im Stadtarchiv, die Bände der Mittelbayerischen Zeitung sind noch im Bauhof gelagert und warten auf den Umzug. Foto: Probst

Die Masse des Archivguts entsteht bei Behörden, Eichrichtungen oder Einzelpersonen in Erfüllung verwaltungsmäßiger, rechtlicher, geschäftlicher oder sonstiger Aufgaben, um dann erst später nach der Sichtung und ordnenden Erschließung durch den Archivar zur Quellengrundlage für historische und andere Forschungen zu werden.

Lesen Sie auch ein Interview mit Christa Scheitinger.

Im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts war die Unterbringung der Akten vor Ort wie in den meisten kleineren Städten und Gemeinden sehr unzureichend. Auf Initiative des Staatsarchivs wurden deshalb mehr oder minder umfangreiche Archivbestände ins damalige Kreisarchiv Amberg ausgelagert. 1931 lieferte die Stadt Neunburg insbesondere Rechnungsbestände und Beschlussbücher des Magistrats nach Amberg.

Nachdem mittlerweile die Unterbringung und Betreuung des Stadtarchivs fachgerecht erfolgt ist, konnte der Bestand mit einem Umfang von rund 14 laufenden Metern 2011 wieder ins Neunburger Rathaus zurückgebracht werden. Insbesondere in den 1950er Jahren hat sich der damalige Archivpfleger Anton Neckermann um das Stadtarchiv verdient gemacht, als er die Registratur geordnet und inventarisiert hat.

Das Archivgut wird in säurefreien Kartons gelagert. Foto: Probst
Das Archivgut wird in säurefreien Kartons gelagert. Foto: Probst

Seit dem Jahr 2000 betreut Christa Scheitinger das Stadtarchiv in „mustergültiger Weise“ und hat mit großem Fleiß „Berge von Archivalien aufgearbeitet“, lobte einst die Leiterin des Staatsarchivs Amberg Dr. Maria Rita Sagstetter. Auch Bürgermeister Birner hob das Engagement der Stadtarchivarin hervor, die sich mit viel Herzblut in die Arbeit gestürzt habe und jetzt mit der Materie sehr vertraut sei.

Unterstützt wird Scheitinger tatkräftig seit 2013 von Andrea Käsbauer, die sich insbesondere mit der Archivierung des Fotomaterials sowie der Umstellung des bestehenden Archivs von Aktenordnern in säurefreie Stulpdeckelkartons befasst. Die Hauptarbeit erstrecke sich laut Scheitinger darauf, Besucher bei der Recherche für Festschriften, Facharbeiten oder Bücher zu unterstützen. Anfragen kämen fast täglich aus dem In- und Ausland.

Archiv ist gut aufgestellt

Im Stadtarchiv befindet sich auch eine kleine Bibliothek. Foto: Probst
Im Stadtarchiv befindet sich auch eine kleine Bibliothek. Foto: Probst

Das Stadtarchiv sei so gut aufgestellt wie noch nie, reihte sich Kreisheimatpfleger Theo Männer in die Lobeshymnen ein. Mit Christa Scheitinger stehe eine kompetente Kraft zur Verfügung, welche die alten Schriften noch lesen könne und sich auch fachlich fortgebildet habe. Ein Manko des Neunburger Stadtarchivs bestehe darin, dass bei den Stadtbränden 1746 und 1800 das meiste alte Aktenmaterial verbrannt sei. Auch die Vernichtungsaktion der Akten aus dem Dritten Reich in den letzten Kriegstagen habe eine schmerzliche Lücke hinterlassen.

Birner hatte noch eine gute Nachricht im Gepäck: Im Zuge der bevorstehenden Rathauserweiterung werde es mehr Platz für das Stadtarchiv geben.

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