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Flugplatz

Das Gefahrenpotenzial ist umstritten

Nach dem Absturz eines Ultraleichtflugzeuges in der Nähe der Sandoase Bruck werden Diskussionen über die Sicherheit lauter.
Von Renate Ahrens

Über Marion Natters Haus neben dem Flugplatz Nittenau-Bruck herrscht reger Flugbetrieb. Die Anwohnerin hat Angst vor einem Absturz. Foto: Ahrens
Über Marion Natters Haus neben dem Flugplatz Nittenau-Bruck herrscht reger Flugbetrieb. Die Anwohnerin hat Angst vor einem Absturz. Foto: Ahrens

Bruck.Keine Frage sei es, ob, sondern nur, wann das nächste Flugzeugunglück passieren würde. Davon ist Marion Natter überzeugt. Die Lehrerin wohnt unmittelbar neben dem Flugplatz Nittenau-Bruck und direkt in der Flugschneise dieses Sonderlandeplatzes.

Am 26. August geriet ein Ultraleichtflugzeug ins Trudeln und stürzte in einem Waldstück ab, nur wenige hundert Meter von der Sandoase und auch von Natters Haus entfernt „Der Pilot ist extrem tief und direkt über uns geflogen. Wenn er 15 Sekunden eher abgestürzt wäre, wäre es sehr schlimm ausgegangen“, berichtet Augenzeugin Anja Auburger, die gerade am Kiosk gesessen hat. „Wir haben alle gezittert vor Schreck.“

Rege Debatten in sozialen Medien

Der Pilot blieb unverletzt. Doch nicht nur er habe Glück gehabt, erklärte damals Patrick Allen, Feuerwehrkommandant in Bruck. „Nicht auszudenken, wenn er über Wohngebiet abgestürzt wäre.“ In den sozialen Medien entfachte dieser Vorfall rege Diskussionen. Von „permanenter Lebensgefahr“ war gar die Rede. Karin Christ von der Regierung von Mittelfranken als zuständiges Luftamt erklärte nun auf Anfrage: „Die Gefahr wird als gering eingeschätzt. Der Flugplatz Bruck-Nittenau mit seinen Betriebsflächen ist gemäß den einschlägigen Richtlinien und gesetzlichen Vorgaben genehmigt.“

„Nicht auszudenken, wenn er über Wohngebiet abgestürzt wäre.“

Patrick Allen, Feuerwehrkommandant in Bruck

Natter sieht das wie viele andere Anwohner und Bürger anders: Im vergangenen Jahr habe ein Flugzeug auf der Wiese direkt neben ihrem Grundstück notlanden müssen, wie sie beobachtet habe. Erst im März dieses Jahres hätten die Tragflächen eines Gyrocopters schon zum zweiten Mal die Spitze einer ihrer großen Pappeln im Garten beim Anflug abgeknickt. Zwar zeigte sie den Vorfall bei der Unteren Naturschutzbehörde und bei der Polizei an – doch bis heute habe sie nichts gehört. „Ich habe Angst, dass einmal ein Flugzeug auf uns stürzt und jemand zu Tode kommt“, erklärt sie empört und muss am Ende fast schreien, denn der nächste Tragschrauber düst tief direkt über die Terrasse ihres – eigentlich – idyllisch gelegenen Hauses. Bis zu 130 Dezibel habe sie schon gemessen, sagt sie und zückt ihr Mobiltelefon mit einer App zur Lärmmessung. „Im Drei-Minuten-Takt fliegen sie hier.“ Tatsächlich, schon naht ein gelber Gyrocopter. „Dieses Mal waren es 80 Dezibel“, stellt Natter fest, als der Lärm verklungen ist.

Luftaufnahme des Flugplatzes Nittenau-Bruck Foto: Ahrens
Luftaufnahme des Flugplatzes Nittenau-Bruck Foto: Ahrens

Die Regierung von Mittelfranken erklärt dagegen: „Der Flugbetrieb am Sonderlandeplatz Nittenau-Bruck ist im Hinblick auf die Flugbetriebszahlen und die Lage der Platzrunde weit davon entfernt, dass objektiv messbare Lärmgrenzwerte überschritten werden.“ Die Piloten, so versicherte auch Flugplatzbetreiber Anton Moll am Montag, würden grundsätzlich angehalten, auf ihrer Platzrunde die Sandoase nicht zu überfliegen, sondern vor oder nach dem Badeplatz zu drehen. Nicht gut ist Natter auf die Betreiber und Eigentümer zu sprechen. Seit 14 Jahren wohnt die Familie hier, natürlich sei ihr klar gewesen, dass es so nah zum Flugplatz zu Lärmbelästigungen kommen würde. „Aber damals gab es noch keine Flugschule und keine Gyrocopter.“

„Rein privates Interesse“

2014 wurde der Platz von Helmut Matschi saniert und erweitert. Damals erklärte er gegenüber unserem Medienhaus: „Ich habe keinerlei unternehmerisches Interesse.“ Auch das bezweifelt Natter: Die Flugschule müsse sich schließlich rechnen und werde deshalb ausgebaut, ist sie überzeugt und zeigt eine schriftliche Stellungnahme von Matschi vom 17. Mai 2014: „Der Flugplatz ist ein rein privates Interesse als Eigentümer. Ein Kleinod soll es werden, eine Wohlfühloase, passend zur Sandoase.“ An Badetagen, heißt es dort weiter, werde man „tagsüber viel Ruhe halten“.

„Ich sehe durch die Nähe zur Sandoase keine Problematik. Durch den Absturz im August jetzt Handlungsbedarf abzuleiten, wäre zu viel verlangt.“

Brucks 2. Bürgermeister Robert Feuerer

Gemeinderat Rudi Sommer (Grüne) betrachtet die Nähe des Flugplatzes zur Sandoase als „Fehlentwicklung“. Das erklärte Ziel, das Oberpfälzer Seenland als Tourismusziel auszubauen, sei dadurch gefährdet. Diese Gegend stehe für Ruhe – und der Flugplatz „passe nicht hierher“. Brucks Zweiter Bürgermeister Robert Feuerer beschwichtigt: „Ich sehe durch die Nähe zur Sandoase keine Problematik. Durch den Absturz im August jetzt Handlungsbedarf abzuleiten, wäre zu viel verlangt.“ Denn dann, so vergleicht der Polizeibeamte, dürfe man sich auch nicht an eine Fahrbahn stellen, von dieser könne auch ein Auto abkommen.

Marion Natter bleibt skeptisch. Sie wehrt sich nach wie vor, wie angeblich notariell von Matschi gefordert, ihre Bäume auf Haushöhe zu kürzen. Sie könne sich jetzt schon auf ihr Dach stellen und sich dort ans Fahrgestell hängen, sagt sie und ist überzeugt: „Ganz sicher passiert viel mehr, als die Verantwortlichen zugeben.“

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