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Das Imkern liegt im Trend

Regionale Produkte erfreuen sich steigender Beliebtheit. Das merken auch die Imker Alois und Pauline Bauer aus Erzhäuser.
Von Renate Ahrens

Noch ist Winterruhe im Bienenstock angesagt, aber Alois und Pauline Bauer freuen sich schon auf das Frühjahr, wenn die Bienen wieder auf Nahrungssuche gehen. Foto: Renate Ahrens
Noch ist Winterruhe im Bienenstock angesagt, aber Alois und Pauline Bauer freuen sich schon auf das Frühjahr, wenn die Bienen wieder auf Nahrungssuche gehen. Foto: Renate Ahrens

Bodenwöhr.Jetzt während der Erkältungszeit ist er besonders beliebt: der Honig. Die Nachfrage nach diesem - vor allem regionalen - Produkt ist groß, das bestätigen auch Alois und Pauline Bauer aus Erzhäuser. Mit dem Kauf tut man aber nicht nur etwas Gutes für sich selbst: Schon für ein 500 Gramm-Glas bestäuben Honigbienen 75 Millionen Blüten und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Arten- und Pflanzenvielfalt, wie der Deutsche Imkerbund informiert, dem auch die Bauers angehören.

Nah an der Natur sein, die Jahreszeiten intensiv miterleben, das schätzt das Paar, und immer mehr Menschen würden das Imkern als Hobby entdecken. „Zurzeit findet ein Umdenken in der Gesellschaft statt“, sagt Bauer. Er ist Vorstand des Imkervereins Fuhrn-Taxöldern, der aus 53 Mitgliedern besteht. Seit einigen Jahren bieten erfahrene Imker des Vereins Anfängerkurse in Theorie und Praxis an. Bienen zu halten sei einfacher als man denkt, so Bauer, doch natürlich habe man Verantwortung für die Tiere und für die Natur. Die Kursteilnehmer werden deshalb in den ersten zwei Jahren von Imkerpaten betreut, die ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Im März erwacht der Bienenstall

Der Honig von Familie Bauer wurde schon oft wegen der guten Qualität ausgezeichnet. Im kleinen Hofladen in Erzhäuser kann man das regionale Produkt kaufen. Foto: Ahrens
Der Honig von Familie Bauer wurde schon oft wegen der guten Qualität ausgezeichnet. Im kleinen Hofladen in Erzhäuser kann man das regionale Produkt kaufen. Foto: Ahrens

Bauer wollte eigentlich nie selbst Imker werden – zu oft sei er als Kind gestochen worden, sagt er und lacht. Damals wurden die Bienen noch nicht auf Sanftmut gezüchtet wie heute. Doch als sein Vater im Jahr 1991 starb, übernahm er doch die drei Völker. Früher hätte ohnehin jeder Bauernhof Bienen gehalten, zur Selbstversorgung. „Zucker war damals teuer“, so Bauer. Ohne seine Frau Pauline, sagt der Elektromeister, würde er die Arbeit mit den Bienen nebenbei nicht machen können. Das Ehepaar freut sich jetzt schon auf den Frühling, denn bereits im März erwacht das Leben im Bienenstock und die Honigsammlerinnen gehen auf Nahrungssuche.

Sowohl im eigenen Garten, im nahen Wald und an weiteren wechselnden Stellen haben die Bauers ihre 25 Stöcke. Immer müsse man die Bienen beobachten. Sind sie gut mit Futter versorgt? Reicht der Honigraum? Anfang Mai passt Alois Bauer genau auf, denn manchmal würde dann ein Volk zu schwärmen anfangen, also sich teilen und sich als neues Volk eine andere Bleibe suchen. Doch seit Bauer das Imkern angefangen hat, wurden längst Bienen mit weiteren guten Eigenschaften gezüchtet, wie ein geringerer Schwarmtrieb.

„Eigentlich wollte ich nie Imker werden. Als Kind hatten mich Bienen gestochen.“

Alois Bauer, begeisterter Imker

Am besten, so sagen die Hobbyimker, würde ihnen die „Ruhe draußen“ gefallen. Das würden auch die Imker-Anfänger begeistert feststellen. Die Bauers sind im Frühjahr und Sommer oft schon um vier Uhr im Wald, um die Stöcke umzusetzen, bevor die Bienen bei Sonnenaufgang ausfliegen. „Das ist die schönste Zeit. Die Vögel fangen dann gerade zu zwitschern an“, sagt Pauline Bauer. Sie beschäftigt sich viel mit der Arbeit rund um das Imkern, wie das Abfüllen des Honigs, dem Etikettieren der Gläser und der Vermarktung. Viele Stammkunden kommen in ihren kleinen Hofladen, und auch in vielen Geschäften wie Bäckereien und Metzgereien im Umkreis kann man ihr süßes Gold kaufen.

Seit einigen Jahren hat die 49-Jährige noch ein weiteres Hobby entdeckt, das ihr viel Spaß mache: Nach alten Rezepten ihrer Schwiegermutter, die ihr bei der Zubereitung auch hilft, kocht sie Holunderbeeren, Schlehen, Heidelbeeren und viele andere Früchte aus dem eigenen Garten zu Sirup, Likören und Marmelade, und macht köstliche Chutneys aus frischem Gemüse.

Die Varroa-Milbe gut im Griff

Die Zukunft sieht Alois Bauer optimistisch: Noch nie hätten sich im Verein so viele neue, auch junge Imker eingefunden, und die Varroa-Milbe habe er gut im Griff, obwohl er bei seinen 25 Völkern keine Chemie, sondern nur organische Säure einsetzt. Noch immer würden die Bienen, trotz vieler Monokulturen auf den Feldern, Nahrung finden. „Die Blühstreifen neben den Äckern sind dabei sehr wichtig geworden“, erklärt der 55-Jährige. Wenn nämlich der Raps und die Obstbäume verblüht sind, sei es schwierig, Pollen und Nektar zu finden.

Heimische Produkte sind gefragt

  • Pflanzen:

    Die lilafarbene Phacelia-Blüte, aus der die Bienen der Bauers unter anderem besonders aromatischen Honig gewinnen, wurde erst vor 100 Jahren aus Nordamerika nach Deutschland eingeschleppt. Sie wird „Büschelschön“ genannt.

  • Gründung:

    Der Verein wurde bereits im Jahr 1900 unter dem Namen „Bienenzuchtverein Kemnath bei Fuhrn und Umgebung“ gegründet und 1987 in „Imkerverein Fuhrn-Taxöldern“ umbenannt. Auch heuer bietet der Verein ein vielfältiges Programm.

  • Trend:

    Seit 2014 wurden in zwei zweijährigen Kursen bereits 32 Imker ausgebildet. Nicht alle, so erklärt Bauer, hätten wie er die Völker geerbt. Viele Menschen möchten wieder mehr Bezug zur Natur oder auch eigene Bienen im Garten halten.

Bauer selbst will seinen Bienen den Stress eines weiten Umsetzens der Stöcke ersparen. Regionaler geht es bei seinen Produkten nicht: Sein Wald-, Sommer-, Blüten- und Phacelia-Honig stammt aus den Wäldern und Wiesen rund um Erzhäuser, im Umkreis von 15 Kilometern. „Das schätzen die Kunden.“ Immer wichtiger werde das den Verbrauchern, auch hier könne er ein Umdenken erkennen. Für Familie Bauer hat sich ihr Qualitätsbewusstsein bezahlt gemacht: Seit 2005 beteiligen sie sich sehr erfolgreich an Wettbewerben. Vor zwei Jahren erreichten sie bei der Honigmesse Schwanstetten sogar den vordersten Platz vom ganzen Landkreis Schwandorf mit voller Punktzahl.

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