MyMz
Anzeige

Trauerfeier

Das schwierige Leben ohne R. W. Fassbinder

Schauspielerin Ursula Strätz, die in Filmen des Regisseurs mitgewirkt hat, wurde in Burglengenfeld beerdigt.

  • Unter den Trauergästen befanden sich Schauspieler Hans Hirschmüller (links), Regisseurin Susanne Kreil, die die Trauerfeier organisiert hat, und Tatort-Regisseur Josef Rödl (v. r.).
  • Schauspieler und Regisseur Rudolf Waldemar Brem sprach den Nachruf.

BURGLENGENFELD. Ihr großer Wunsch, noch einmal in einem Film mitzuwirken, ging nicht in Erfüllung. Am Donnerstag verstarb Ursula Strätz, knapp 71-jährig, in der Seniorenresidenz im Naabtalpark. Sie war eine Frau mit einem überaus bewegten, letztlich ebenso tragischen Leben.

Dass ihr Tod überhaupt von mehr als nur dem Heimpersonal und ihrem zweiten Ehemann Bernd Thomä zur Kenntnis genommen worden ist, ist dem Engagement von Regisseurin Susanne Kreil zu verdanken: Eine Dokumentation über die Fassbinder-Group wollte die drehen, mit Strätz als einer der Schlüsselfiguren. Sie scheiterte nicht zuletzt wegen Strätz‘ Erkrankung und auch an Thomä. Wie ihr, Strätz, erging es vielen – und nicht nur den Frauen –, die mit Fassbinder in Berührung gekommen waren: Für sie gab es nur noch dieses menschenverschleißende Genie zwischen Kunst und Wahnsinn (siehe Doku von 2000: „Für mich gab es nur noch Fassbinder“ mit Darstellern wie Hanna Schygulla, Brigitte Mira, Eva Mattes, Barbara Valentin, Peer Raben oder Ingrid Caven…). Wie Strätz litten und scheiterten viele an dieser Beziehung; die Verstorbene hatte wie die meisten große Probleme, ein Leben nach und ohne Fassbinder zu meistern.

Sie war Fassbinders Geliebte

Wie sehr Strätz diesem Mann Rainer Werner Fassbinder auch noch Jahrzehnte nach dessen Tod „verfallen“ war, zeigte ein Interview, das die MZ 2009 mit ihr geführt hat. Darin bezeichnete sie sich als zweimalige Ehefrau Fassbinders; entsprungen wohl einem Wunschdenken, aber so abwegig auch wieder nicht: Sie war seine Geliebte, sie spielte in zweien seiner Filme – „Liebe ist stärker als der Tod“ und der Fontane Verfilmung „Effie Briest“ – und sie war im Grunde mit dem Action-Theater in München, das sie zusammen mit ihrem ersten Mann Horst Söhnlein, mit Hans Hirschmüller und Peer Raben gegründet hat, das Sprungbrett zu Fassbinders Karriere überhaupt.

Auch der Schauspieler und Regisseur Rudolf Waldemar Brem, einer der großen Charakterdarsteller in Deutschland, gibt zu, dass Ursel Strätz die wichtigste Begegnung in seinem Leben gewesen sei, wegen ihr sei er Schauspieler geworden und geblieben. Brem ließ es sich dann nicht nehmen, am Samstag am Grab einen Nachruf zu sprechen auf eine Frau, die nicht nur für ihn eine der ganz Großen gewesen sei, sondern eine Ikone der 68er Generation. Sie habe zwei wichtige Wegführer und Repräsentanten dieser Zeit maßgeblich beeinflusst, als Deutschland an einer historischen Wegscheide stand: Im Mai 68 spaltete sich die deutsche „Linke“. Die einen gingen in den Untergrund, die anderen setzten zu ihrem Marsch durch die Institutionen an.

Hier die Bader-Meinhoff Gruppe, der sich Söhnlein angeschlossen hatte, da Künstler wie Fassbinder, die durch ihre Werke protestierten und aufrührten, und dazwischen Strätz mit ihrem kleinen Theater als Frau und Geliebte, als Mäzenin, als Marketenderin, als Mutter der Kompanie, als Theaterleiterin und Schauspielerin, später auch als Autorin und Malerin. Sie sei ein wunderbarer, lebensbejahender Mensch gewesen, die am Ende leider in Vergessenheit geraten sei. Er, Brem, aber wisse, was sie geleistet habe und er ziehe seinen Hut vor ihr.

Größen des Deutschen Films

Neben Brem erwiesen auch zwei weitere Größen des Deutschen Films Strätz die letzte Ehre. Hirschmüller, Mitbegründer des Action-Theaters, Träger des Bundesfilmpreises und des Adolf-Grimme-Preises und Josef Rödl, Regisseur unter anderem von „Tatort“-Krimis und „Anwalt Abel“- Verfilmungen, auch er Träger etlicher Filmpreise, darunter des Bundesfilmpreises in Gold und des Preises der Kritiker. In dessen Film „Grenzenlos“ spielte Strätz zusammen mit Sigi Zimmerschied eine ihrer letzten Rollen. Der Streifen wurde 1983 in Cannes uraufgeführt wurde.

Diese drei, dazu Strätz’ beste Freundin, die bekannte Maskenbildnerin Sibylle Danzer, und die Regie-Assistentin Renate Leiffer waren neben Kreil die einzigen aus Ursula Strätz’ Film-Karriere, im Grunde die einzigen wichtigen Figuren aus ihrem wahren Leben (außer eventuell Bernd Thomä), die neben drei Angestellten der Seniorenresidenz ihren letzten Weg begleiteten.

Und wenn auch aus Kreils Vorhaben, dieses Leben zu verfilmen, nichts geworden ist, so gebührt ihr doch der Verdienst, dass Strätz’ Beerdigung nicht als Begräbnis mit 08/15 Grabrede unter Beteiligung einer Handvoll Menschen begangen, sondern noch einmal einer außerordentlichen Frau die gebührende Anerkennung erwiesen wurde. Und selbst hier war der Einfluss Fassbinders zu spüren, über 29 Jahre nach dessen Tod. Bei der Beerdigung einer seiner Gefolgsleute drehte sich Vieles nur um ihn.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht