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Region Schwandorf
Montag, 20. August 2018 28° 2

Flugsport

Das Spiel mit den Lüften

Für die Piloten vom Flugsportclub Schwandorf ist das Segelfliegen die hohe Schule der Fortbewegung zwischen Himmel und Erde.
Von Renate Ahrens

  • Oben spürt man die Kräfte der Natur und hat einen wunderbaren Ausblick. Foto: Renate Ahrens
  • Der Fluglehrer erklärt den Teilnehmern des vhs-Schnupperkurses die Instrumente. Foto: Bernat

Schwandorf.Mit einem sanften Rucken geht es los. An einem langen Seil zieht das Motorflugzeug den weißen, schlanken Segelflieger die Startbahn entlang, fast unmerklich hebt man ab. Konzentriert checkt Hobbypilot Tobias Bernat unablässig alle Daten: Höhe, Geschwindigkeit, „Horizontbild“, also Radar. Der „Copilot“ hinter ihm hat ebenfalls die wichtigsten Instrumente vor dem Sitz, schließlich wird das Flugzeug auch zu Schulungszwecken genutzt. Immer schneller und höher geht es.

Mit den neuesten Instrumenten sind die modernen Segelflugzeuge ausgerüstet. Foto: Bösl
Mit den neuesten Instrumenten sind die modernen Segelflugzeuge ausgerüstet. Foto: Bösl

„Bei 650 Meter Höhe klinken wir uns aus“, erklärt der Pilot nach hinten. Nur das Rauschen des Windes und das Piepsen des Vario-Geräts, das anzeigt, ob man steigt oder fällt, sind zu hören. Und da! Frei gleitet man in der Luft, jetzt allein durch die Kräfte der Aerodynamik. Wenige dünne Schleierwolken trüben heute den blauen Himmel über Schwandorf, ein leichtes Lüftchen wehte am Boden. Perfektes Flugwetter – oder etwa nicht?

Doch Segelflieger brauchen Schäfchenwolken, wie sie sagen, am besten „blumenkohlartig“. Solche Kumuluswolken bilden sich durch aufsteigende warme Luft. Die dadurch entstehende Energie setzt der Segelflieger in Höhe und Geschwindigkeit um – und schwebt lautlos zusammen mit Bussarden und Störchen, wie Tobias begeistert schwärmt. Heute herrsche jedoch „zerrissene Thermik“. Laien würden das als Luftlöcher bezeichnen, denn das kleine Flugzeug hopst sanft über den Himmel – was dem Abenteuer keinen Abbruch tut.

Viele Helfer sind nötig, um das Flugzeug in die Lüfte zu bekommen, wie den Funker (links). Foto:Ahrens
Viele Helfer sind nötig, um das Flugzeug in die Lüfte zu bekommen, wie den Funker (links). Foto:Ahrens

Wie hingetupft liegen unten die in der Sonne glitzernden Seen, andere Segelflieger sieht man in kurzer Entfernung. Tobias versucht nun, bessere Thermik zu finden und fliegt beim Ausschlagen des Varios in engen Kurven – „Kurbeln“ nennt man das in der Fachsprache. Durch dieses ständige Kreisen bleibt man innerhalb des Aufwindes und klettert mit ihm nach oben. Genau dieses Spiel mit der Natur fasziniert die Schwandorfer an ihrem Hobby.

Mit dem Flugsport-Club Schwandorf haben wir eine Runde in den Lüften gedreht:

Unterwegs mit dem Flugsport-Club Schwandorf

Lernen könne es jeder, versichert Fluglehrer Achim Reuther aus Donaustauf – eigentlich sogar innerhalb der ersten Übungsstunden, „wie auch Tanzen“. Doch die Nuancen machten es aus. „Und das ist ein langer Weg“, sagt Achim Reuther. Solche Feinheiten bringt er zurzeit dem bayerischen D-Kader-Team der Jugend bei, das am Schwandorfer Flugplatz trainiert. Flugtaktische Entscheidungen müsse man trainieren.

„Segelfliegen ist ein Entscheidungssport. Man fliegt mit Wölkchen – welche nimmt man?“

Stefan Langer, Bayerischer D-Kader

Die Risikoabwägungen und die verschiedenen Wetterbedingungen machen jeden Flug zu etwas Einzigartigem, sagen die Piloten. „Man ist sowohl intellektuell als auch emotional gefordert“, stellt Dr. Claus Triebel aus Selb, ehemaliges Mitglied der deutschen Nationalmannschaft, strahlend fest. Der 61-jährige Zahnarzt hat bereits mit 16 Jahren zu fliegen angefangen, seine Tochter Serena (23) liebt dieses Hobby ebenfalls und erreichte im vergangenen Jahr den siebten Platz bei der Weltmeisterschaft in Litauen.

Talente aus dem Flugsportclub

Überhaupt sind schon viele Talente aus dem Flugsportclub Schwandorf hervorgegangen. Auch einige der insgesamt 20 Jugendlichen des D-Kaders haben hier das Fliegen gelernt. Stefan Langer aus Schrobenhausen darf mit 25 Jahren heuer das letzte Mal an diesem Trainingslager teilnehmen. Zusammen mit seinem Bruder hat er sich ein eigenes, 45 Jahre altes Flugzeug gekauft – bei pfleglicher Behandlung würden die Segler „ewig“ halten, sagt er. In „turbulenter Luft“, und nicht wie beim Motorfliegen schnurgerade zu gleiten, das mache den Reiz für ihn aus, wie er erklärt. Imposant sieht es aus, als er und die anderen Segler des D-Kader-Teams dann im Pulk versetzt starten und sich in die Lüfte heben. Am Tag zuvor lautete die Aufgabe, nach Kelheim zu fliegen und über der Walhalla zu wenden. „Die Hälfte musste unterwegs auf dem Feld landen“, erzählt Reuther lachend. Die Thermik hatte nachgelassen.

Einige Flugzeuge haben zusätzlich einen Motor, um auch bei ungünstiger Thermik zu fliegen.
Einige Flugzeuge haben zusätzlich einen Motor, um auch bei ungünstiger Thermik zu fliegen.

Doch das sei nicht schlimm und komme bei den erfahrensten Piloten vor, man sucht sich eben einen geeigneten Landeplatz. Stefan Langer schaffte es bis zum Flugplatz Bruck. Nach dieser „Außenlandung“ muss man die Flugzeuge von dort mit einem Anhänger abholen. Dazu kann man die Flügel entfernen. Diese haben schließlich bei Segelfliegern eine große Spannweite, um den erforderlichen Auftrieb bei geringstem Widerstand zu gewährleisten.

Mehr Eindrücke finden Sie hier:

Der Flugsport-Club will hoch hinaus

Für die D-Kader-Mitglieder ist das alles längst Routine. Allein zu fliegen, davon träumen auch Markus Kirschner und sein Sohn Christian aus Irlaching. Sie nehmen gerade an einem zweitägigem vhs-Kurs des Flugsportclubs teil. „Ziel ist, die Anfänger an das Metier Luft zu gewöhnen“, erklärt Kursleiter Gerd Neudecker. Hin und wieder dürfen die sieben Teilnehmer schon unter Aufsicht das Ruder übernehmen. Sogar einen Looping seien sie zusammen mit dem Fluglehrer geflogen, berichtet der 14-jährige Christian begeistert.

Fliegen im Vereinssegler

Vielleicht, so überlegt sein Vater, machen beide bald den Flugschein. Ein eigenes Flugzeug brauchen sie dafür nicht – der Verein stellt seinen Mitgliedern fünf Segelflugzeuge, ein Motorflugzeug und ein Ultraleichtflugzeug zur Verfügung. Neueste Errungenschaft und ganzer Stolz des Clubs ist der doppelsitzige Hochleistungssegler „Arcus T“ mit dem Wettbewerbskennzeichen „ES“ (Echo Sierra), der dem im vergangenen Jahr nach schwerer Krankheit verstorbenen ersten Vorsitzenden Dr. Erich Spiertz gewidmet ist.

Rund 180 Liter Wasser passen in den Tank, um das Flugzeug schwerer werden zu lassen. Foto: Ahrens
Rund 180 Liter Wasser passen in den Tank, um das Flugzeug schwerer werden zu lassen. Foto: Ahrens

Mit einem vereinseigenen Zweisitzer ist auch Tobias unterwegs. Der Flug mit ihm über das Oberpfälzer Seenland ist viel zu schnell vorbei. Auch die Landung ist bei einem Flugzeug ohne Motor etwas Besonderes. Der Pilot muss sich von oben sozusagen an den Boden herantasten. Überschüssige Höhe wird mithilfe der Bremsklappen abgebaut. Der 37-Jährige, der erst vor zwei Jahren die Fluglizenz erwarb, setzt schließlich sanft auf der Landebahn auf – und man möchte eigentlich gleich wieder abheben.

Weitere Nachrichten aus Schwandorf lesen Sie hier.

Segelfliegen ist ein Gemeinschaftssport

  • Der FCL Schwandorf

    fliegt seit diesem Jahr wieder in der 1. Segelflugbundesliga. Bei Saisonstart hat sich der Club bereits in der zweiten Runde auf den fünften Platz der insgesamt 30 besten deutschen Vereine geflogen. Gewertet wird die schnellste Durchschnittsgeschwindigkeit in einem zweieinhalbstündigen Zeitfenster.

  • Thermik

    ist von der Sonne erwärmte Luft, die vom Boden aufsteigt.

  • Neben dem „Flugzeugschlepp“

    gibt es den „Windenstart“, bei dem das Segelflugzeug von einer stationären Winde am entgegengesetzten Ende der Startbahn in die Luft gezogen wird – was wesentlich häufiger genutzt wird, da es umweltfreundlicher und kostengünstiger ist. Segelfliegen ein Gemeinschaftssport – bei Starthilfe, Einholen der Flieger oder am Funkgerät sind viele helfende Hände nötig.

  • Der Mitgliedsjahresbeitrag

    beim FCL beträgt 250 Euro. Wer jetzt mit dem Flugschein beginne, könne im Oktober schon allein fliegen, so die Verantwortlichen des FCL. Die Ausbildung kann mit 13 Jahren begonnen werden. Ein vierwöchiger Schnupperkurs beim FCL mit zehn Starts und Flugzeit kostet 127,73 Euro. Infos auf www.edpf.de. Am 18. und 19. August findet beim FCL Schwandorf das Flugplatzfest statt.

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