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Das Trinkwasser braucht guten Schutz

Systemtrenner sollen verhindern, dass Keime ins Trinkwasser im Leitungsnetz kommen. Die Neunburger Feuerwehren rüsten auf.
Von Ralf Gohlke

Wassermeister Torsten Hergenröther installiert auf einem Unterflurhydranten ein Standrohr mit zwei Entnahmehähnen, die bereits mit einer digitalen Wasseruhr und Systemtrennern ausgestattet sind.  Foto: Ralf Gohlke
Wassermeister Torsten Hergenröther installiert auf einem Unterflurhydranten ein Standrohr mit zwei Entnahmehähnen, die bereits mit einer digitalen Wasseruhr und Systemtrennern ausgestattet sind. Foto: Ralf Gohlke

Neunburg.Das am besten und am meisten kontrollierte Lebensmittel ist das Trinkwasser. Der Supergau für jeden Trinkwasserversorger ist eine Belastung seines Netzes durch Schmutz oder Keime. Deshalb werden auch technisch alle erdenklichen Möglichkeiten ausgeschöpft, um dem vorzubeugen beziehungsweise, um es zu verhindern – natürlich immer auch gestützt durch Gesetze und Verordnungen, streng nach DIN geregelt.

Geschäftsführer Werner Schärtl (links) und Wassermeister Thorsten Hergenröther halten nicht nur die Sicherheitstechnik auf neuestem Stand. Foto: Ralf Gohlke
Geschäftsführer Werner Schärtl (links) und Wassermeister Thorsten Hergenröther halten nicht nur die Sicherheitstechnik auf neuestem Stand. Foto: Ralf Gohlke

Betroffen sind davon seit dem Herbst 2018 auch die Feuerwehren, da eine Gefährdung des Trinkwassernetzes durch die Entnahme von Löschwasser durchaus denkbar ist. Demnach kann zum Beispiel ein plötzlicher Druckabfall im Leitungsnetz dazu führen, dass Löschwasser aus den keineswegs sauberen Schläuchen ins Netz zurückgesaugt wird. Besonders prekär würde die Situation, wenn zusätzlich Löschschaum eingesetzt wird.

Die Feuerwehr steht noch ganz am Anfang

Für die Versorgung von Baustellen sind Systemtrenner schon fest installiert. Foto: Ralf Gohlke
Für die Versorgung von Baustellen sind Systemtrenner schon fest installiert. Foto: Ralf Gohlke

Abhilfe können sogenannte Systemtrenner schaffen, mit deren Ankauf sich derzeit die Mitgliedsgemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Neunburg und die Feuerwehren im Stadtgebiet beschäftigen müssen. Im Falle eines solchen Druckabfalles schließt sofort ein Ventil an dem Gerät, das zwischen einem Hydranten und der Schlauchleitung platziert wird, und verhindert so den Rücklauf des Wassers.

Gefahren für das Trinkwassernetz könnten zum Beispiel von rücklaufendem Löschschaum ausgehen.  Foto: Georg Schmid
Gefahren für das Trinkwassernetz könnten zum Beispiel von rücklaufendem Löschschaum ausgehen. Foto: Georg Schmid

„Wir stehen dabei aber noch ganz am Anfang“, erklärte der Neunburger Feuerwehrkommandant Bernhard Käsbauer im Gespräch mit der Mittelbayerischen. Das Regelwerk gebe zwar der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches e. V. (DVGW) weitgehend vor, die Handhabung solle aber weitestgehend den Kommunen überlassen bleiben. Der Beschaffungswert läge derzeit bei rund 1000 Euro je Systemtrenner plus einem Prüfkoffer, da die Funktion regelmäßig und vor allem nach Einsätzen kontrolliert werden müsse.

Gerätewarte und Maschinisten werden eingewiesen

Der Einsatz erfordere in jedem Fall eine zusätzlich Schulung und Einweisung der Gerätewarte und Maschinisten. Derzeit werde eine Sammelbestellung geplant, um ein kostengünstiges Angebot zu erhalten; andererseits wolle man die Handhabung durch Verwendung von nur einem System erleichtern. Ein wenig enttäuscht zeigte er sich darüber, dass der Landkreis Schwandorf sich einer gemeinsamen Lösung nicht anschließen wollte.

„Es gab keinen konkreten Grund, den Einsatz von Systemtrennern zu forcieren, vielmehr sind alle Versorger ständig bemüht, die Sicherheit zu verbessern“, betonte Werner Schärtl, Geschäftsführer des Zweckverbandes Nord-Ost-Gruppe. Dort seien die Geräte bereits seit längerem im Einsatz, wenngleich in etwas kleineren Dimensionen. Sie kommen zum Beispiel auf Baustellen zum Einsatz, wo sie zusammen mit einer Wasseruhr fest installiert werden können.

Veranstaltern von Festen liefert die Nord-Ostgruppe bereits fertig installierte Einheiten. Foto: Ralf Gohlke
Veranstaltern von Festen liefert die Nord-Ostgruppe bereits fertig installierte Einheiten. Foto: Ralf Gohlke

„Überall da, wo wir unser Trinkwasser für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung stellen, sind die Anschlüsse bereits mit einem Systemtrenner gekoppelt“, unterstricht auch Wassermeister Thorsten Hergenröther. Es müsste sich also deshalb kein Veranstalter eines Open-Airs oder der Festwirt einer Wiesn Gedanken zu dem Thema machen. Anders sei es da schon bei dem im Anschluss verwendeten Schlauchmaterial, das ebenfalls den festgesetzten Normen entsprechen sollte.

Gleiches empfiehlt Hergenröther für Armaturen, die in jedem Fall „bleifrei“ sein sollten, was vor allem bei billiger Baumarktware nicht immer der Fall wäre. Garantiert werde das nur mit dem entsprechenden KTW- (Kontakt mit Trinkwasser) oder DVGW-Prüfsiegeln.

Bei Verkeimung des Trinkwassers wird gespült

Die älteren, mechanischen Wasseruhren, werden durch digitale Geräte ersetzt. Foto: Ralf Gohlke
Die älteren, mechanischen Wasseruhren, werden durch digitale Geräte ersetzt. Foto: Ralf Gohlke

Wie sorglos damit zum Teil umgegangen wird, verdeutlichte er unter anderem am Beispiel mit einem normalen Gartenschlauch oder der „festen“ Schlauchverbindung zwischen der Trinkwasserleitung im Haus und der Heizungsanlage, die natürlich nicht sein dürften. Aus dem gleichen Grund müssten auch Eigenwasserleitungen komplett vom öffentlichen Netz getrennt sein.

„Auf einem Salatblatt sind sicher mehr Keime als im Trinkwasser.“

Thorsten Hergenröther, Wassermeister

Solche Vorgaben, „vielleicht zum Leidwesen des Einzelnen durchsetzen zu müssen, dient letztendlich dem Schutz der Allgemeinheit“, verdeutlichte der Wassermeister. Für den Fall, dass es doch einmal zu einer Verkeimung kommen sollte, gelte für den Versorger der Grundsatz: „Spülen, desinfizieren und wieder spülen!“ So konnte in einem Fall bereits binnen kürzester Zeit die Verkeimung von einem Wert von Hundert auf 30 gesenkt werden. Wichtig sei vor allem, den Ursprung einer Verkeimung zu lokalisieren, was durch die mittlerweile vorhandenen technischen Möglichkeiten deutlich erleichtert werde. „Auf einem Salatblatt sind sicher mehr Keime als in unserem Trinkwasser“, ist sich Hergenröther sicher und richtet die Aussage vor allem an die Skeptiker.

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