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Region Schwandorf
Mittwoch, 25. April 2018 21° 4

Satire

Das Volk bei Laune halten

Das Seebarner Singspiel griff das „Stadt- Landgefälle“ beim Neunburger Jubiläumsjahr auf. Das Publikum hatte viel zu lachen.
Von Tobias Ziereis

  • In ihrer unverwechselbaren Art begeisterten die vier Singspieler Christian Ferstl, Raimund Ferstl, Hans Reichl und August Schießl (von links) die Bockbierfestbesucher.Foto: Tobias Ziereis
  • Wen der „Emir von Quatar“ hier nachempfindet, dürfte angesichts der Handhaltung eindeutig sein: Kanzlerin Angela Merkel. Foto: gtz

Neunburg. In der Schwarzachtalhalle trafen sich am Freitag und Samstag die Scheichs „Emir von Quatar“ (Christian Ferstl), „Maharadscha“ (Hans Reichl), „Scheich vo Kloiwinkalen“ (August Schießl) und „Sultan Al-Ashraf-Salah“ (Raimund Ferstl), um darüber zu debattieren, ob und wie der Stadt Neunburg finanziell unter die Arme greifen könnten. Dabei moderierte Vorleser Dominik Schießl, der zum ersten Mal am Singspiel teilnahm, souverän durch den Abend.

Für einen von vielen Höhepunkten sorgte das Duett Sibylle Wollender und Matthias Rösch mit ihrem Lied „Dann geh doch“, das die ganz normalen Probleme in einer Partnerschaft beschrieb. Foto: gtz

Die Scheichs ließen sämtliche Geschehnisse Revue passieren, die jüngst rund um die Pfalzgrafenstadt passierten. Beispielsweise stellten sie fest, dass auch in Neunburg ein starkes „Stadt-Land-Gefälle“ herrscht. Denn neben der Stadt Neunburg wurden auch die Ortschaften Diendorf, Hillstett, Wenigrötz und Gütenland 1000 Jahre alt, die Feierlichkeiten verliefen jedoch dort anders: „In Neunburg hat die Verwaltung und das Fremdenverkehrsamt keine Kosten und Mühen gescheut, um sich selbst zu präsentieren und ihre Bürger bei Laune zu halten.

Die Dörfer schauen in die Röhre

Auf den Dörfern haben die Bürger selbst die gute Laune mitgebracht und dabei einen schönen Gewinn erwirtschaftet“, lautete der Tenor. Und auch bei der Verteilung der Haushaltsmittel stellten die Scheichs das besagte „Stadt-Land-Gefälle“ fest, denn während ein Großteil für die Stadt eingeplant wurde, „reichte es für die Ortschaft Haslarn gerade noch für zwei neue Kanaldeckel“

Matthias Rösch brachte gleich mit seinem Auftaktlied richtig Stimmung in die Schwarzachtalhalle. Foto: gtz
Damit der Neunburger Stadtrat – anders wie beim großen Jubiläumsfestzug – künftig einheitlich auftreten kann, sponserten die Seebarner der beiden Bürgermeistern (hier Margit Reichl) ein T-Shirt. foto: gtz

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Natürlich wurde auch die Politik aufs Korn genommen, sowohl auf bayerischer als auch auf Bundesebene. Die Singspieler haben diesbezüglich auch die Schuldigen dafür gefunden, warum die Regierungsbildung so lange gedauert hat: „Der Wähler, der dumme Wähler ist schuld!“ Untermalt wurde unter anderem dieses Thema von der einzigartigen „Feier-A-Band“ mit Markus Gruber, Konrad Schmid, Thomas Kirchberger, Roland Mehltretter und Martin Greber. Sie sorgten für hervorragende Stimmung in der Halle. Für einen von vielen Höhepunkten sorgte das Duett Sibylle Wollender und Matthias Rösch mit ihrem Lied „Dann geh doch“, das die ganz normalen Probleme in einer Partnerschaft beschrieb: Die Frau will nach Hause, der Mann bestellt sich aber noch eine Maß Bier.

Sibylle Wollender deutet in ihrem Lied auf die Schuldigen an der langen Regierungsbildung: Den Wähler. Foto: gtz

Natürlich wurde auch der Filmdreh in Seebarn mit Iris Berben, Moritz Bleibtreu, Kolb’n Adolf sowie „Neuhausbauern Sepp und Marianne“ thematisiert. Viele stellten sich die Frage, warum als Drehort ausgerechnet Seebarn ausgewählt wurde. „Zuerst haben die Filmemacher an Neunburg gedacht. Aber dafür wird erst ein Gutachten benötigt; bis dies fertig ist, ist in Seebarn der Film schon lange fertig und im Fernsehen die dritte Wiederholung gelaufen“, hatten die Scheichs gleich die passende Antwort.

Vorleser Dominik Schießl führte das Publikum durch den Abend. Foto: gtz

Für Landrat Thomas Ebeling, der sich die Veranstaltung wie auch die beiden Bürgermeister Martin Birner und Margit Reichl nicht entgehen ließ, hätten die Singspieler den perfekten Job, und zwar den des Ministerpräsidenten: „Schließlich lässt sich Bayern bestimmt nicht zehn Jahre von einem Franken namens Markus Söder regieren.“ Einen Vorschlag für Ebelings Nachfolge hatten die vier mächtigen Männer auch schon im Gepäck, denn ihnen ist es nicht entgangen, dass sich Martin Birner gerne in diesem Amt entfalten würde.
Die Seebarner nahmen noch viele weitere Themen wie den Besuch von Bischof Voderholzer oder die Bauplatzproblematik in Seebarn humorvoll auf die Schippe. Auch die „grüne Algenpampe“ Eixendorfer Stausee durfte natürlich nicht fehlen – die gehört sozusagen schon traditionell zum Programm. Und auch das „Grabmal am Plattenberg“ bekam seinen festen Platz im Regiebuch, das genauso wie das rote Kunstwerk mit dem vielsagenden Namen „Etwas“ einfach „hipatzt“ wurde.

Rap brachte Halle zum Kochen

Sibylle Wollender alias „Margit Reichl“ wünschte sich nichts sehnlicher, als das Bürgermeisteramt von Martin Birner zu übernehmen. Foto: gtz

Und ein Thema durfte natürlich auch nicht fehlen: „Der Magnet, der Mittelpunkt der Kaufkraft, das Mekka des Konsums: das Pfalzgrafencenter.“ Der „Emir von Quatar“ alias Christian Ferstl brachte dabei mit seinem selbst komponierten Rap nach dem Original „MFG“ die Schwarzachtalhalle zum Kochen.

Die herausragende Sängerin Sibylle Wollender mit der „Feier-A-Band“: Roland Mehltretter, Markus Gruber, Thomas Kirchberger und Martin Greber (von links). Foto: gtz

Zum Schluss kamen „Maharadscha“, „Sultan Al-Ashraf-Salah“, der „Scheich vo Kloiwinkalen“ und der „Emir vo Quatar“ aber zum Entschluss, dass die Stadt und auch die Ortschaften kein Geld, sondern alte Werte wie Zusammenhalt, Kameradschaft und Freundschaften brauchen. Die Bürger sollen sich einbringen und an Veranstaltungen teilnehmen, „sonst stirbt alles aus“.

Mit dem Bockbierfest haben die „Macher“, bestehend aus dem Musikverein und Sportverein und mit Hans Gruber als Hauptorganisator bewiesen, wieso die Veranstaltung mittlerweile einen solch hohen Stellenwert hat. Ob Singspieler, Musikanten und auch die für die Technik zuständigen Heiko Strasser, Hans Ruhland und Stefan Strasser – die Seebarner bereiteten den Besuchern einen unvergesslichen Abend.

Die besten Sprüche:

„Bei dem neuen Zeltdach haben die Statiker wohl einen Zahlendreher reingebracht; anstelle von 19 Kubikmeter wurden offensichtlich 91 Kubikmeter Beton reingebaut.“

Zum starken Nebel beim Jubiläumsfeuerwerk an Silvester: „Wieder mal typisch für Neunburg; alles für sie selber, alle anderen können sich aufs Maul hauen.“

„Warum hat das Jahrtausendkonzert ‚Jahrtausendkonzert‘ geheißen? Weil sich die Stadt das die nächsten 1000 Jahre nicht mehr leisten kann!“

„Die Münchner Philharmoniker in Neunburg – das ist so, als ob in der Seebarner Hüttn das Heeresmusikkorps spielen würde.“

„38 Prozent bei der Bundestagswahl für die CSU; das ist für die Partei ungefähr so, wie wenn die Neunburger SPD bei der Stadtratswahl 2-3 Prozent bekommen würde.“

„In Neunburg hätte für den Film mit Iris Berben die Hauptstraße wenigstens nicht extra gesperrt werden müssen – da fährt eh niemand durch!“

„Wenn die Kirche in Eichstätt 60 Millionen in den Sand setzt, muss man zum Ausgleich das Jugendheim verkaufen, ist doch klar.“

„Es wär nicht schlecht, wenn es in Kleinwinklarn mal wieder richtig brennen würde; dann hätt‘ die Feuerwehr wieder einen gscheiden Einsatz und sie hätten gleichzeitig Platz für ein neues Gerätehaus.“

„Wenn ich meine Augen schließe, denke ich bestimmt nicht an Neunburg.“

Zum Neubau an der Neukirchner Straße: „An der stadtzugewandten Seite wurde wenigstens gleich eine vier Meter hohe Klagemauer für die direkten An- und künftigen Bewohner errichtet.“

„Jeder hockt zuhause vorm Fernseher oder vorm Handy, die alten Werte gehen alle den Bach hinunter. Genau das muss sich ändern!“

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