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Erziehung

Debatte um die handyfreie Zone

Rund um Schwandorf wird die private Nutzung von Smartphones in der Schule erprobt. Nicht jede Schulleitung ist begeistert.
von Reinhold Willfurth

An den Versuchsschulen wird die Aufhebung des Handyverbots erprobt. Foto: Sebastian Kahnert/dpa
An den Versuchsschulen wird die Aufhebung des Handyverbots erprobt. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Schwandorf.Irene Träxler ist ein Fan digitaler Medien im Schulalltag. „Sehr, sehr gute Erfahrungen“ hat die Rektorin der Mittelschule Neunburg mit dem Gebrauch von Tablets gemacht, die in Neunburg ab der fünften Klasse eingesetzt werden. Damit werden Lerntutorials erstellt, Stoff für Referate recherchiert oder Vokabeln gepaukt. „Den Kindern macht das Spaß“, sagt Träxler, deren Schule beim Pilotprojekt „Digitales Lernen“ des Kultusministeriums mitmacht.

Wenn die Rede auf ein weiteres Pilotprojekt kommt, hört sich für Träxler allerdings der Spaß auf: Minister Bernd Sibler lässt an 135 bayerischen Schulen den privaten Handykonsum der Schüler erproben – außerhalb des Klassenzimmers, aber innerhalb des Schulgeländes. „Damit ist dem exzessiven Konsum Tür und Tor geöffnet“, befürchtet Träxler. Die Rektorin will nicht erleben, dass ihre Schüler in der Mittagspause „schon wieder die ganze Zeit am Handy hängen“.

Aula mit Smartphone-Aura

Das will niemand, dem das Wohl seiner Schützlinge am Herzen liegt – auch Klaus Ruetz nicht, Leiter der Mittelschule Schmidgaden. Trotzdem tüftelt Ruetz derzeit eine „Handynutzungsvereinbarung“ aus, die zum Ziel hat, in der Mittagspause das schuleigene WLAN für die große Aula freizugeben. Dort dürfen Schüler ihr Handy privat benutzen.

„Wir sind glücklich, so wie es läuft.“

Diana Schmidberger, Rektorin der Realschule Neunburg

Die Vereinbarung ist ein Entwurf, den Ruetz demnächst mit Dr. Johannes Werner, Leiter des Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasiums Schwandorf, diskutiert. Das Gymnasium nimmt zusammen mit der Schmidgadener Schule an dem Pilotversuch zur Handynutzung teil. Auch Ruetz hat beste Erfahrungen mit seiner Tablet-Klasse gemacht. Nun will er zumindest testen, ob der Einzug der digitalen Realität in die Pausenzone zum Störfaktor wird oder den Schulfrieden bewahrt.

Bayern lockert, Frankreich verschärft

  • Verbot:

    An bayerischen Schulen gilt ein gesetzliches Verbot für den Gebrauch von Smartphones außerhalb des Unterrichts. Ausnahmen sind Notfälle und dringende Telefonate unter Aufsicht eines Lehrers.

  • Versuch:

    Weil das Handy „zur Lebenswirklichkeit unserer Schüler gehört“, lässt Kultusminister Berd Sibler seit dem neuen Schuljahr an 135 Schulen jeweils schulinterne Lösungen für den privaten Gebrauch erproben.

  • Vergleich:

    Ein gesetzliches Handyverbot gibt es deutschlandweit nur in Bayern. Die französische Nationalversammlung hat im Juni auf Vorschlag von Präsident Macron ein generelles Handyverbot für Schüler unter 15 erlassen.

Dr. Werner weist darauf hin, dass eine völlige Freigabe nicht das Ziel sein könne. Denkbar wäre, in der Schulbibliothek oder im Oberstufenzimmer eine Ausnahme vom Handyverbot zu gewähren. Das im CFG erarbeitete Konzept solle auf jeden Fall mit Elternbeirat und Schülermitverwaltung abgestimmt werden. Bis zum Ende des Halbjahrs soll das Konzept stehen. Das Institut für Bildungsforschung (ISB) des Kultusministeriums begleitet den Schulversuch mit regelmäßigen Abfragen. Ein erstes Fazit werde es am Ende dieses Schuljahrs geben.

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Handyverbot - ja oder nein?

Sollten Schüler ihre Handys in der Schule - außerhalb des Unterrichts, innerhalb des Schulgeländes - benutzen dürfen?

Zu den Skeptikern zählt sich Dr. Beate Panzer. Ihre Schule habe sich bewusst gegen eine Bewerbung für den zweijährigen Schulversuch entschieden, sagt die Leiterin des Johann-Michael-Fischer-Gymnasiums in Burglengenfeld. „Ich sehe keinen dringenden Handlungsbedarf“, sagt Panzer. Im Unterricht würden digitale Medien ohnehin genutzt, Schüler(innen) in der zehnten Klasse drehten mit ihren Tablets fleißig Erklärvideos oder benutzten ihre Handys als Stoppuhr. „Das ist der Alltag“. Hauptaufgabe von Schule und Eltern sei die Medienerziehung, um Missbrauch wie exzessivem Handykonsum oder Cybermobbing vorzubeugen.

Lesen Sie auch: Der Deutsche Lehrerverband will das Handy nicht mehr auf Schulhöfen sehen. Sie seien das permanente Mobbinghauptinstrument.

Auch in der Realschule in Neunburg arbeiten viele Schüler bereits mit digitalen Medien. Doch auch Rektorin Diana Schmidberger geht auf Distanz zum Schulversuch rund um den privaten Handykonsum ihrer Schützlinge. „Wir sind glücklich, so wie es läuft“, sagt Schmidberger und meint damit das gesetzlich verankerte strikte Handyverbot an bayerischen Schulen. Man habe ohnehin keine Schwierigkeiten in dieser Richtung: „Die meisten sehen es ein“.

Schulamt: Es gibt keinen Bedarf

Schulamtsdirektor Georg Kick kann diesen Eindruck nur bestätigen, weswegen es aus seiner Sicht auch keine Aufweichung der strengen bayerischen Regel braucht. Keinerlei Beschwerden sind Kick bislang zu Ohren gekommen. „Es gibt keinen Bedarf, zu verbieten oder zu genehmigen“, lautet das Fazit des Schulrats, dessen Behörde den Betrieb an allen Grund- und Mittelschulen des Landkreises kontrolliert. Auch für Maria Karg-Pirzer, Rektorin der Schwandorfer Kreuzbergschule, ist verbotener Handykonsum kein Thema. „Momentan funktioniert‘s“, sagt die erfahrene Pädagogin. Natürlich säßen vor allem jüngere Schüler zu lange am Handy. Medienerziehung sei aber erst einmal eine Sache der Eltern. Lockerungen beim Handykonsum kann sich Karg-Pirzer, die auch Kreisvorsitzende des Lehrerverbands BLLV ist, allenfalls ab dem Mittelschulalter vorstellen.

Rektor Klaus Ruetz ist sich indessen sicher, dass es trotz Handy-Freigabe nicht zum Chaos an seiner Schule kommen wird. Dafür sorge schon das schlechte WLAN in Schmidgaden: „Wenn da 30 Schüler gleichzeitig online gehen wollen, kommen gar nicht alle rein“.

Gesellschaft

Das Smartphone als Gefahr

In seinem neuen Buch warnt Manfred Spitzer vor den Folgen der ständigen Handy-Nutzung – vor allem für Kinder und Jugendliche.

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