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Kreistag

Den Neubürger besser verstehen

Eine App beantwortet Alltagsfragen und verbessert die Kommunikation von Einwanderern. Die meisten sind keine Flüchtlinge.
Von Reinhold Willfurth

Ein kostenloses Computerprogramm hilft bei Alltagsanliegen von Migranten, von denen es im Landkreis immer mehr gibt. Foto: Catherine Simon/dpa
Ein kostenloses Computerprogramm hilft bei Alltagsanliegen von Migranten, von denen es im Landkreis immer mehr gibt. Foto: Catherine Simon/dpa

Schwandorf. Gelegenheiten zu Missverständnissen gibt es reichlich zwischen Neubürgern mit ausländischen Wurzeln und Behörden oder freiwilligen Helfern. Der „Google-Translator“, der bislang beim Versuch, sprachliche Hürden zu überwinden, oft unfreiwillige Komik und Kopfschütteln auslöst, hat nun ausgedient – zumindest im Landkreis Schwandorf. Denn dort soll demnächst ein Computerprogramm mit dem etwas sperrigen Namen „Integreat-App“ für mühelose Verständigung sorgen.

Ursprünglich für die Kommunikation zwischen Flüchtlingen und Behörden oder ehrenamtlichen Helfern entwickelt, leistet die kostenlose App ihre wertvollen Sprachdienste mittlerweile auch bei Neuankömmlingen aus EU-Ländern und anderen „Nicht-Fluchtländern“. Und deren Anteil an Landkreisbürgern mit Migrationsbiografie nimmt immer mehr zu.

Immer mehr Einwanderer

Zug- und Bustickets werden etwas billiger – für Fahrgäste aus dem Raum Cham, die nach Schwandorf fahren. Foto: Oberpfalzbahn/flo hagena.com
Zug- und Bustickets werden etwas billiger – für Fahrgäste aus dem Raum Cham, die nach Schwandorf fahren. Foto: Oberpfalzbahn/flo hagena.com

In den vergangenen sechs, sieben Jahren habe sich dieser Anteil im Landkreis mehr als verdoppelt, sagt Franz Pfeffer, Kulturreferent des Landkreises, der die App am Montag im Ausschuss für Kreisentwicklung, Umweltschutz und Touristik (Kuta) kurz vorstellte. Auf 10- bis 15 000 Menschen schätzt Pfeffer die Zahl der Migranten insgesamt im Landkreis, ein Anteil von rund acht Prozent an der Gesamtbevölkerung. „Weit über die Hälfte“ der Neubürger kommen laut Pfeffer aus dem EU-Ausland.

Kreis tritt ein wenig auf „Tarifbremse“

  • Ziel:

    Die Oberpfälzer Landräte streben einen einheitlichen Tarif für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) an, die bayerische Staatsregierung sogar einen bayernweiten Einheitstarif.

  • Anfang:

    Durch eine Vereinbarung gleicht jetzt der Landkreis Schwandorf seine Tarife dem Nachbarlandkreis Cham an.

  • Beschluss:

    Der Kuta beteiligt sich an der „Tarifbremse“, mit der die östlichen Nachbarn ihren Bürgern bei Monats- oder Jahreskarten des regionalen Verkehrsverbunds (VLC) einen Rabatt einräumen.

  • Einschränkung:

    Der Rabatt gilt nur auf Linien des VLC, die in den Landkreis Schwandorf hineinreichen, z. B. auf der Bahnlinie nach Schwandorf.

Das ist auch der Grund, warum sich die 70 Mitglieder des Integrationsnetzwerks im Landkreis neben einfachem Deutsch und Arabisch Rumänisch als dritte Sprache gewünscht haben, in der alles, was man als Zuzügler aus dem Ausland über das Leben im Landkreis wissen muss, beschrieben wird. Ohne Rumänen hätte es so manche Firma im Landkreis angesichts des Fachkräftemangels schwer, sagte Landrat Thomas Ebeling. Nicht einmal ein Internetanschluss ist nötig, um an die Informationen in der App zu kommen. Aber auch für Behördenmitarbeiter und freiwillige Helfer sei die App eine sinnvolle Alternative zum gerne sinnfreien „Google Translator“. Der Kuta beschloss die Beschaffung für zunächst zwei Jahre, was dem Landkreis insgesamt 6000 Euro kostet. Nach und nach wird die App jetzt mit allgemeinen und landkreis-spezifischen Inhalten gefüllt, sagt Bildungskoordinatorin Manuela Dorsch von der „Lernenden Region“. Der Entwickler, die „digital factory“ aus Augsburg, Träger des Integrationspreises des Bezirks Schwaben und bereits in den Landkreisen Neumarkt und der Stadt Regensburg aktiv, sorgt als Dienstleister für die Inhalte aus den Alltagsthemen Wohnen, Lernen, Beruf und Wohnungssuche.

Windelsäcke nur für zwei Jahre

Es bleibt dabei: Der Landkreis gewährt Eltern mit kleinen Kindern kostenlose Abfallsäcke für Windeln für die Dauer von zwei Jahren. Rudi Sommer (Grüne) kam mit seinem Antrag nicht durch, die Frist von zwei auf drei Jahre zu verlängern. Zu groß sei die Gefahr eines Mitnahmeeffekts gab Landrat Ebeling zu bedenken – etwa, wenn ein Kind schon nach zwei Jahren sauber sei. Die Maßnahme sei ein Erfolg, man solle aber nicht übertreiben, sagte Maria Baumer (CSU). Bis Oktober hat der Landkreis bereits knapp 10 000 Windelsäcke für 1146 Kleinkinder und knapp 7000 Säcke für 564 Pflegepersonen ausgegeben. Die Kosten dafür: 86 500 Euro.

Auch beim Ansinnen des Vereins Oberpfalz Marketing, den Beitrag des Landkreises künftig zu vervierfachen, legte der Ausschuss die Bremse ein. Geschäftsführer Christoph Aschenbrenner pries in seinem Vortrag die Erfolge des Vereins, in jüngster Vergangenheit vor allem bei seinem neuen Schwerpunkt, der Rekrutierung von Fachkräften für die Oberpfalz. Der Wettbewerb deutsche Regionen um Fachkräfte nehme zu, warb Aschenbrenner für eine Steigerung des Jahresbeitrags von jetzt zwölf Cent pro Einwohner auf 48 Cent. Die deutliche Erhöhung sei auch nötig, weil der Verein eine feste Personalstruktur brauche – und für seine Aufgaben auch eine Personalstelle mehr als die 2,5, mit denen er bislang arbeiten müsse. Die Kreisräte waren der Meinung, dass eine Verdreifachung des Beitrags auf 36 Cent ausreiche.

Auf Antrag von Arnold Kimmerl (ÖDP) stemmt sich der Landkreis gegen das Insektensterben. Begleitet von Infokampagenen, beispielsweise in Gartenbauvereinen, sollen auf geeigneten Grundstücken in eigenem Besitz Blühstreifen ausgesät werden – ein kleiner Schritt mit Signalwirkung, wie Kimmerl hofft.

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