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Region Schwandorf
Freitag, 21. September 2018 25° 3

Umwelt

„Den Wald erkenn ich nicht wieder“

Nach der „Durchforstung“ in einer Naturpark-Schutzzone bangt eine Anwohnerin um die bisherige Idylle.

Die Eichen in Krondorf können bis zu 150 Jahre alt und 40 Meter hoch werden.

Leonberg/Neukappl. Nur wenige Schritte sind es von ihrem Haus, dann steht Renate T. (Name von der Redaktion geändert) mitten im Wald hinter Neukappl. Fast täglich macht die Tier- und Naturliebhaberin mit ihren beiden Hunden „Ben“ und „Schnecke“ im Gebiet „Schwarzberg“ bzw. „Leonberger Hänge“ ausgedehnte Spaziergänge. Meistens passiert sie dabei ein dreieckiges, grünumrandetes Schild mit der Aufschrift „Naturpark-Schutzgebiet.“

Wer sie begleitet, den weist die 50-Jährige auf Farne, Moose, auffliegende Bussarde und den Ruf eines Spechts hin. Auch Salamander und Eulen gebe es hier. „Und, auch wenn mir das kaum einer glaubt, ich hab schon mal Luchsspuren in diesem Wald gesehen.“ Wir glauben es ihr, schließlich wollte Renate T. mal Försterin werden...

Ein Idyll am Ortsrand von Kappl also. Doch seit zwei Jahren stellt die Spaziergängerin in „ihrem“ Wald Veränderungen fest, die ihr Sorgen machen: In dem Staatsforst-Gebiet wurde 2008 und 2009 fleißig Holz eingeschlagen. „Langholzlaster haben teilweise im 30-Minuten-Takt tausende von Festmetern Holz aus dem Wald gefahren“, hat sie aus ihrem Fenster beobachtet. Nun sind die Laster wieder weg, aber: „Den Wald erkenn ich teilweise nicht wieder.“

Wo schmale, moosbewachsene Waldwege waren, führen nun breite Schneisen durch den Forst. Holzlagerplätze wurden erweitert, Steilhänge ausgedünnt, Wegkreuzungen zu „Kreisverkehren“ ausgebaut, wie Renate T. in einem Anflug von Sarkasmus sagt. Natürlich wisse sie, dass Bewirtschaftung notwendig ist, um die gewachsene Struktur des ländlichen Raumes zu erhalten. Auch den Gedanken vom Umbau der Fichtenmonokultur hin zum widerstandsfähigen Mischwald kann sie nachvollziehen.

Aber: „Wo bitte ist der Sinn von Schneisen, die diesen Wald zerschneiden, den blanken Granit- und Kieferboden bloßlegen, an dessen Wegrändern die vielen Fingerhutstauden verschwunden sind, die Glockenblumen, die Farne, Moose, Pilze?“ Immer mehr geschützte Winkel würden verschwinden. Was, so die Anwohnerin, bedeute denn noch die Bezeichnung „Naturpark-Schutzzone“?

„Das Gebiet gehört zur Schutzzone im Naturpark Oberpfälzer Wald“, bestätigt Thomas Verron, der Leiter des Forstbetriebs Burglengenfeld. „Forstwirtschaft und Holzeinschlag sind dort aber erlaubt.“ Verron erklärt, dass in den letzten Jahren eine „Durchforstung“ stattgefunden hat. Dazu habe man teilweise die Bankette der Wege verbreitert. „Es wurde links und rechts Raum für Luft und Licht geschaffen, sodass die Wege, wenn die Laster abziehen, wieder abtrocknen können.“ Man dürfe nur das Landschaftsbild nicht grundsätzlich verändern. Neuer Wegebau bedürfte einer besonderen Erlaubnis.

Er könne zwar verstehen, dass die Veränderungen einem aufmerksamen und regelmäßigen Spaziergänger ins Auge fallen. Man habe aber nur erlaubte Maßnahmen durchgeführt. „Da haben wir ein gutes Gewissen, denn wir stehen ja selber unter Beobachtung des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Und die haben keinen Anstoß genommen.“ Der Wald würde sich außerdem regenerieren. „Mehr Licht im Wald hat einen positiven Effekt für die Artenvielfalt. Jeder Wald unterliegt ja einer längerfristigen Dynamik.“

Renate T. führt dagegen eigene Messungen ins Feld: „Die Langholzlaster sind weg, aber wozu wurden die Forstwege hinterher zu Bundesstraßenniveau ausgebaut? Braucht eine Wirtschaftsstraße durch den Wald eine Breite von bis zu 14 Metern?“ Die Gemeindeverbindungsstraße nach Neukappl habe nur eine Breite von drei Metern.

Auch versteht sie nicht ganz, dass „ein Waldweg alle 50 Meter von Kanalrohren untergraben werden muss. Und ist eine Aufschotterung der Wege mit der Körnung 50 bis 100 Millimeter wirklich zur Bequemlichkeit der Wanderer gedacht?“

Auf dem Rundweg haben wir drunten im Tal Hirschling gesehen, das früher hinter einer dichten Baumwand verborgen lag, sind vom grobgeschotterten Wanderweg lieber auf den weichen, federnden Waldboden ausgewichen und haben nochmal ein grünes Schild mit der Aufschrift „Schutzzone“ passiert.

Es steht ein bisschen windschief am Wegrand und droht, vollends umzukippen... Zu den verlegten Kanalrohren erklärt Forstbetriebsleiter Verron: „Zusammen mit der Stadt Maxhütte-Haidhof und dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (Revierleiter Reinhold Weigert) wurde die sogenannte ‚Hochstraße‘ in den kommunalen Waldbesitz (weiterlaufend zum Berghof) ausgebaut. Hierbei wurden auch neue Gräben gezogen, um den Wasserabfluss nach Leonberg-Kappl zu regulieren. Gerade nach Gewittergüssen war dieser bislang ein ständiges Ärgernis für die Anwohner. (Über die Maßnahme hat die MZ berichtet.) Bei dem Weg handelt es sich um einen als Wanderweg ausgewiesenen öffentlichen Anliegerweg. Dieser war zuvor ein schwierig befahrbarer Hohlweg ohne jede Entwässerung.“

Die Schutzzonen entsprechen dem Schutzstatus eines Landschaftsschutzgebietes, heißt es auf der Homepage des Vereins Naturpark Oberpfälzer Wald. „In der Schutzzone sind Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes, z.B. durch ungeregelte Verbauung, Veränderungen sonstiger Art, die den Naturhaushalt oder Naturschönheiten gefährden können, untersagt.“

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