MyMz
Anzeige

Kirche

Der Bischof im Landkreis

Rudolf Voderholzer besuchte die Christen in Nabburg und Pfreimd und besichtigte das Johann-Andreas-Schmeller-Gymnasium und Gerresheimer.
Von Christina Röttenbacher

  • Rudolf Voderholzer suchte den Kontakt zu den Schülern des Gymnasiums. Fotos: Röttenbacher
  • Lydia Armer, Gesamt-Betriebsratsvorsitzende, und Geschäftsführer Manfred Baumann führten den Bischof.
  • Als Gastgeschenk erhielt der Bischof ein T-Shirt mit dem Schullogo des Schmeller-Gymnasiums.

NABBURG/PFREIMD. Er sei gerne in die Schule gegangen, denn hier habe er seine Berufung gefunden, berichtete der erst vor drei Monaten in das Amt des Bischofs im Bistum Regensburg berufene Rudolf Voderholzer bei seiner Visite im Landkreis Schwandorf. Hier besuchte er das Johann-Andreas-Schmeller-Gymnasium, um sich über das Schulwesen und die soziale und religiöse Bildung der jungen Menschen zu informieren. Es sei „eine große Ehre – aller Augen warten auf dich, Herr“ begrüßte der Schulleiter, Oberstudiendirektor Franz Xaver Huber den Gast, der in Begleitung der regionalen Geistlichkeit gekommen war.

Der bischöfliche Besuch zeige, so Huber, dass die Kirche die Nähe zur Jugend suche. Um die Jugend auch zu finden, hatte die Schulleitung ein umfangreiches Programm mit den Schülern und ein Gesprächsforum mit der Fachschaft Religion erarbeitet. Empfangen wurde der hohe Besuch vom Schulchor mit einem Song aus „Sister Act“.

Das Programm, freute sich Voderholzer, enthalte alle Aspekte, die ihn als Sohn einer Lehrerfamilie ansprächen. „Schule und Lernen sind mir in die Wiege gelegt worden. Nutzt die Zeit, um zu lernen und zu studieren“, gab Voderholzer den Schülern mit auf den Weg. Bürgermeister Erwin Koppmann erinnerte daran, „dass bisher alle Regensburger Bischöfe in Nabburg waren“, und bat den Gast um einen Eintrag in das Goldene Buch der Stadt.

Ermöglicht hatte den bischöflichen Besuch am Gymnasium Pfarrer Eckehard Birnstiel. Er berichtete über das soziale und religiöse Leben an der Schule mit Gottesdiensten, Meditationen und Teilnahme an den Fastenzeiten. „Das wird sehr gut angenommen, auch von den Kollegen“, sagte er. Und auch das soziale Engagement der Schüler sei bemerkenswert. So würden soziale Hilfsaktionen unterstützt wie die Patenschaft für ein Kind in Kambodscha, medizinische Versorgung und Erholungsaufenthalte in Gastfamilien für ukrainische Kinder sowie Spendensammlungen und die Schülerfirma mit Produkten aus fairem Handel. Darüber hinaus biete die Schule soziale Praktika in Kindergärten und Altenheimen an.

Beeindruckt vom breitgefächerten Angebot machte Bischof Voderholzer deutlich, dass die Schule eine wichtige Anleitung gebe auf die Frage der jungen Menschen, wohin ihr Weg gehe. „Wo ist mein Platz, wo sind meine Begabungen und wo die Sinnhaftigkeit des Lebens“, fragte er.

Nach dem internen Gespräch mit der Fachschaft Religion traf der Bischof mit Schülern zu einer Fragestunde zusammen. Was sich für Voderholzer verändert habe, seit er Bischof sei, wollte ein Schüler wissen. Ein anderer fragte, wie man wieder mehr junge Menschen in die Kirche bekomme und eine Schülerin fragte nach der Stellung der Frauen in der Kirchenhierarchie. Die Frau habe in der Kirche durchaus ihren Stellenwert, ging Vorholzer auf die kritische Frage ein. Die Rollen von Mann und Frau seien in Kirche und Gesellschaft aber nicht beliebig austauschbar.

„Wer an diese Fundamente herangeht, spielt mit dem Feuer“, argumentierte der Bischof. In der Schulturnhalle trafen dann alle 900 Schüler des Gymnasiums zusammen, um einmal „ihren“ Bischof zu sehen. Viele kleine Hände musste der Bischof abklatschen. Verabschiedet wurde er nach einem gemeinsamen Gebet mit einem weiteren Song aus „Sister Act“.

Im Anschluss an den Schulbesuch traf sich Voderholzer mit der Geschäftsleitung des internationalen Unternehmens für medizinische Kunststoffsysteme Gerresheimer in Pfreimd, wo er vom Geschäftsführer Manfred Baumann, dem Produktionsleiter für Europa, Armin Henning und der Gesamtbetriebsratsvorsitzenden, Lydia Armer, empfangen wurde.

Vorgestellt wurden dem Bischof die neuesten Expansionsabsichten mit Bau einer neuen Produktionshalle und einem Hochregallager, die Jahresumsatzzahlen, Mitarbeiterzahlen und internationalen Standorte. Seit 25 Jahren, so Henning, bilde das Unternehmen selber seine Mitarbeiter aus. Derzeit seien es 100 Auszubildende und 2000 Mitarbeiter.

Intensiv diskutiert wurde die Frage nach der Notwendigkeit der Sonn- und Feiertagsarbeit sowie der Schichtarbeit. Diese werde, so die Unternehmensführung, in jedem Fall sozialverträglich und individuell gestaltet. Es geben keinen Mitarbeiter, der sich wegen der Schichtarbeit beklage.

Als ganz neues Modell führe man derzeit die Anpassung der Arbeitsplätze und Arbeitszeiten für ältere Mitarbeiter ein. Erstaunt zeigte sich Voderholzer darüber, dass viele Mitarbeiter, besonders an den Standorten China und Tschechien freiwillig Zwölf-Stunden-Schichten arbeiten, um dann drei Tage frei zu haben, „oft für einen zweiten Job“, so Henning. Die Präzisionsprodukte des Unternehmens werden in sogenannten „Reinräumen“ gefertigt. Der Bischof konnte die Produktion durch Fenster verfolgen.

Beim gemeinsamen Mittagessen ergab sich die Gelegenheit, mit den Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht