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Porträt

Der Jungspund bläst zum Angriff

Der jüngste Herausforderer um das Bürgermeisteramt in Nittenau posaunt seine Meinung offen heraus. Fehlende Erfahrung gleicht er mit Ideen aus.
Von Simone Grebler

Mit acht Jahren hat Benjamin Boml angefangen, Fanfare zu lernen. „Früh übt sich“ gilt bei ihm wohl auch für die Bürgermeisterkandidatur. Foto: Grebler

Nittenau.Da sitzt einer, der schon früh wusste, was er will. Benjamin Boml ist zwar erst 31 Jahre jung, traut sich aber Kommunalpolitik nicht erst seit gestern zu. Das passt zu dem zielstrebigen Banker, der heute in der Nittenauer Geschäftsstelle hinter seinem Schreibtisch über großen Zahlen brütet. „Ich habe schon in jungen Jahren gerne Geld gespart und habe früh gemerkt, dass ich zur Bank gehen möchte; das Handwerkliche war nicht das Meine“, sagt Boml. Trotzdem sei auch früh klar gewesen, dass er von zu Hause nicht weit weg wollte. „I mog mei Nittenau“, sagt der Banker und lächelt spitzbübisch.

Beim Wahlkampfauftakt der Freien Wähler wurde er als frech, dynamisch und frei charakterisiert. In dieser Ecke fühlt sich der Hengersbacher mit den lässig hochgegelten kurzen Haaren wohl: „Frech musst du einfach sein, wenn du sowas in dem Alter machst. Ich hab schon immer gern mit angepackt und lasse mir keine Meinung aufdrucken.“ Den Weg zur Politik habe er über seinen Großvater gefunden. Der hat in Zeitlarn einst als Bürgermeister kandidiert. Seit 2011 sitzt Boml für die Freien Wähler im Stadtrat und vertritt als Ortssprecher besonders die Belange der Altgemeinde Stefling. Mit 25 hat er das erste Mal für den Stadtrat kandidiert.

Lange Gespräche vor Kandidatur

Der Sprung zur Bürgmeisterkandidatur habe ihn zum Nachdenken gebracht. „Ich habe mich lange mit Andreas Weigl (Ehrenvorsitzender der Freien Wähler, Anm. d. Red.) unterhalten“, sagt Boml. Dann habe er sich entschlossen etwas zu tun, denn nur so könne man etwas ändern. Seine Eltern unterstützen den Sohn in seiner Entscheidung und Boml gibt zu bedenken, dass auch Julius Schmatz oder Joachim Hanisch in diesem Alter waren, als sie gewählt wurden.

Für den Posten als Bürgermeister wäre er zudem quasi prädestiniert als Finanzexperte und Ideengeber. „Wir müssen Nittenau vom Schuldenberg runterbringen. Aber wir müssen auch in die Industrie und in Baugebiete investieren“, erklärt Boml und kritisiert, dass man sich bislang nicht breit genug aufgestellt habe. Im Vordergrund stehe für Boml die Ansieldung, die man Familien und Unternehmen durch die Lage im „erweiterten Speckgürtel“ von Regensburg schmackhaft machen wolle. Eine Art Storchenprämie schwebt Boml dabei vor, die die Familien erhalten und als Regentaler wieder in die Wirtschaft der Stadt zurückfließen lassen.

Bei der Entwicklung verschiedener Konzepte könne man sich zudem nicht einfach auf das ISEK verlassen, sondern müsse an der Regierung dranbleiben, damit die Region zum Beispiel einen Drogereimarkt bekommt. Darauf sei Nittenau angewiesen, ebenso wie auf eine professionell vermarktete Angerinsel. Die Bürger ins Boot holen und eine Agentur mit den Plänen beauftragen sei Bomls Weg. „Von Stadtseite muss man das Wunschdenken begraben, dass man das Geld wiederbekommt“, meint der Bankkaufmann. Mehr investieren will Boml auch in die Jugend. Ein hauptamtlicher Jugendbetreuer sei für die Zukunft wichtig, die jungen Leute müssten vor Ort eingebunden werden. Auch bei Veranstaltungen sollten laut Boml auch andere Musikstile angedockt werden: „Der Kulturkalender ist noch zu klassiklastig. Man könnte Rockkonzerte anbieten und zum Beispiel den M.T.V. mit dem Trachtenverein ins Boot holen.“

Projekte für Jugend und Senioren

Auch bei den Senioren sieht Boml Handlungsbedarf. Der Seniorenbeirat sei zwar sehr aktiv, aber er könnte sich interessante Angebote wie ein Leih-Oma oder Leih-Opa-Projekt vorstellen. Zudem könnten Jugendliche den Älteren helfen, Berührungsängste beim Thema Internet abzubauen.

Berührungsängste hat Boml hingegen vor der Wahl nicht, weder zu den Bürgern noch zu dem Amt. Auch wenn er nicht gewählt wird, würde der 31-jährige Hengersbacher dies locker nehmen: „Ich werde mich weiterhin stark engagieren, dann eben als Stadtrat.“ Mehr Entscheidungsfreiheit käme ihm dabei aber entgegen, denn was momentan passiere, sei vorher undenkbar gewesen. „Zehn Jahre hat man zum Thema Schreinerhaus gesagt, dass man es nicht wegreißen kann, jetzt prüft man es plötzlich. Da hat man ja zehn Jahre lang die Bürger angelogen“, kontert Boml. Er habe bei Bürgerversammlungen viele emotionale Diskussionen erlebt. Er würde daher lieber die Bürger befragen und dann eine Entscheidung treffen. Ob ihm die Bürger diesen Auftrag geben, klärt sich allerdings erst am 16. März.

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