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Aktion

Der Rettungskutter aus Regensburg naht

Gegen Gleichgültigkeit, für das Leben: Das Schiff „Sea Eye“ unter dem Kommando von Michael Buschheuer hat abgelegt.
von Pascal Durain, MZ

  • Auf zum Retten: Michael Buschheuer (ganz links) und seine Mannschaft wagen am Dienstag ihre „besonders anspruchsvolle Reise“. Foto: Buschheuer
  • Als Sternhai ging dieser Kutter auf Heringsfang früher; nun soll er Menschenleben retten. Foto: Buschheuer

Regensburg. An diesem Tag ist Michael Buschheuer nicht mehr nervös; das sei schon lange vorbei, sagt er. Jetzt geht es endlich los. In wenigen Stunden verlässt er, der Kapitän des Kutters „Sea-Eye“, mit seiner Mannschaft den Hafen von Licata in Sizilien. Acht Tage will die Acht-Mann-Besatzung dann in den Gewässern vor der italienischen Insel Lampedusa unterwegs sein – um auf eigenes Risiko Menschenleben zu retten. Von Angst hört man aber am Telefon keine Spur: „Das ist keine besonders gefährliche Reise, dafür eine umso anspruchsvollere“, sagt der Regensburger Unternehmer dazu.

Buschheuer ist motiviert. Denn die Gründe für diese Unternehmung sind akut: Erst am Wochenende kenterte wohl wieder ein Flüchtlingsboot zwischen Ägypten und Kreta; mehr als 300 Menschen könnten ertrunken sein, vermutet man derzeit. Sicher ist aber: Mehr als 3700 Menschen sind 2015 auf der Flucht im Mittelmeer ertrunken. Als dann die italienische Marine ihre Operation „Mare Nostrum“ zur Flüchtlingsrettung einstellte, platzte dem Regensburger der Kragen. „Viele haben es emotionslos hingenommen, dass Menschen ertrinken, und Deutschland diskutiert nur noch über die Verteilung der Flüchtlinge. Das geht nicht.“ Er gründete daher die Initiative „Sea Eye“ und kaufte ein Schiff. Im Februar stach der 24 Meter lange Hochseefischkutter von Rostock aus in See. Nun, ab Dienstagnachmittag und somit einen Tag früher als geplant, patrouilliert der Rettungskutter dann ein knapp 1000 Quadratkilometer großes Einsatzgebiet.

Hier sehen Sie die aktuelle Position der „Sea Eye“:

Die Welle kommt

Das Wetter ist an diesem Dienstag traumhaft, das Meer ruhig; aber das ist nicht nur in Sizilien so. Und das bedeutet für Schlepper und Flüchtende in Libyen: Die Überfahrt Richtung Europa kann beginnen. Tausende stünden bereits in den Startlöchern, sagt Buschheuers Onkel und Pressesprecher Hans-Peter. Dieses Jahr gehe die „Flüchtlingswelle“ wohl früher los als noch im Vorjahr. Und da die Balkanroute dicht ist, suchen wieder mehr Flüchtlinge ihr Heil über das Mittelmeer.

Die MZ schaut genau hin: Was erleben Flüchtlinge, Helfer, Anwohner? Was sind die Fakten? Eine Multimedia-Reportage.

Der Rettungskutter wurde am Dienstag noch kurz vor der Abfahrt durch einen Priester gesegnet.
Der Rettungskutter wurde am Dienstag noch kurz vor der Abfahrt durch einen Priester gesegnet. Foto: Buschheuer

Michael Buschheuer, zweifacher Vater, will mit der insgesamt achtköpfigen Besatzung südlich der italienischen Insel Lampedusa kreuzen. „Entdecken wir ein in Not geratenes Flüchtlingsschiff, werden wir ein SOS absetzen und so eine Seenotrettung erzwingen“, erklärt er den geplanten Einsatz. „Bis zum Eintreffen qualifizierter Retter und der Küstenwache sichern wir das Überleben der Menschen auf den oft hoffnungslos überladenen Schlauchbooten. Nur im Notfall werden wir Flüchtlinge auf unserem Kutter aufnehmen.“

Sea Eye – Verein und Schiff

  • Kapazitäten

    Der 74 Kubikmeter große Laderaum ist mit Rettungsinseln für 400 Menschen und rund 700 Schwimmwesten sowie mit Wasser und Nahrung gefüllt. Die für Fischkutter typischen Winden werden abgebaut, ein Rettungsboot mit Außenbordmotor sowie eine Satellitenstation an Bord gebracht.

  • Spenden

    Der Einsatz der „Sea Eye“ kostet ungefähr 250 000 Euro. Die Initiative ist auf Spenden angewiesen. Diese können auf das Konto IBAN: DE60 7509 0000 0000 0798 98 (BIC: GENODEF1RO1) überwiesen werden. Interessenten für eine Mitarbeit wenden sich per E-Mail info@sea-eye.org an den Verein.

Mehrere Tonnen Trinkwasser hat die „Sea Eye“ an Bord.
Mehrere Tonnen Trinkwasser hat die „Sea Eye“ an Bord. Foto: Buschheuer

Fünfeinhalb Monate soll der Einsatz zunächst dauern. Die achtköpfige Crew besteht vor allem aus Menschen mit nautischer Erfahrung. Die Besatzung wird dann alle zwei Wochen ausgetauscht. Dutzende Freiwillige haben sich für den Bordeinsatz gemeldet, die ihren Urlaub opfern. Dazu zählt auch der Schwandorfer Günther Pirnke, ein pensionierter Polizeibeamter. Der 62-Jährige will bei drei Einsätzen selbst das Steuer übernehmen.

Mit Material von dpa

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