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Medizin

Der Tennisarm, das ewige Tennis-Leiden

Operiert wird meist nur noch bei schweren Fällen. Ein Sportmediziner aus Schwandorf beantwortet die wichtigsten Fragen.
von Dr. Sebastian Winkler

Von einem Tennisarm sind meist eher Amateursportler betroffen. Das kann auch an der Nutzung zur harter Rahmen und Saiten sowie an fehlender Technik liegen. Foto: Mark J. Terrill/dpa
Von einem Tennisarm sind meist eher Amateursportler betroffen. Das kann auch an der Nutzung zur harter Rahmen und Saiten sowie an fehlender Technik liegen. Foto: Mark J. Terrill/dpa

Was genau ist eigentlich ein Tennisellenbogen und was sind die genauen Ursachen für eine derartige Verletzung?

Bei gleichartigen, sogar monotonen Bewegungen des Unterarms und Handgelenks beim Sport oder auch bei der Arbeit kann es zu einer Reizung der Sehnenursprünge am äußeren Ellenbogen kommen (Epicondylitis humeri radialis). Dies ist meist ein Ausdruck des Körpers, dass die durchgeführte Belastung zu groß war. Die Anatomie kommt somit an ihre Grenzen. Umgangssprachlich wird diese Symptomatik als „Tennisellenbogen“ bezeichnet. Schmerzen auf der Innenseite des Ellenbogens, an der die Beugesehnen entspringen, werden „Golferellenbogen“ genannt. Die genaue Ursache dieser Erkrankung ist allerdings bis heute nicht geklärt. Man geht von kleinsten Verletzungen der Sehnen aus, die zu fibrösen Umbauten führen. Die Selbstheilung scheint nicht mehr zu funktionieren. Der Übergang von einer Überreizung zu einer Sehnenverletzung, mit Einriss oder sogar Abriss, ist fließend.

Wie äußert sich die Verletzung und was sind die typischen Symptome für einen klassischen Tennisarm?

Dr. Sebastian Winkler ist Experte für Sportverletzungen. Foto: T. Buettner/Asklepios Lindelohe
Dr. Sebastian Winkler ist Experte für Sportverletzungen. Foto: T. Buettner/Asklepios Lindelohe

In der Regel entsteht zunächst ein dumpfer Schmerz während der Belastung, der danach wieder verschwindet. Später entwickelt sich ein eher stechender und brennender Dauerschmerz. Die meisten Patienten können dann einen Punkt demonstrieren, der sehr knochennah liegt und bei direkter Berührung Schmerzen auslöst. Das Anheben des Handgelenks und auch das Strecken einzelner Finger, vor allem gegen Widerstand, sind beim Tennisellenbogen schmerzhaft. Ein festes Zugreifen und die Drehung des Unterarms sind nur eingeschränkt möglich. Im Übrigen sind Amateursportler im Vergleich zu Profis weitaus öfter von einem Tennisarm betroffen.

Serie über Sportverletzungen

  • Thema:

    An jedem ersten und dritten Donnerstag im Monat geben Dr. Markus-Johannes Rueth, Chefarzt der Sportklinik Lindenlohe, und seine Kollegen Einblick in ihre Arbeit. Die Ärzte machen in jedem Teil eine spezifische Sportverletzung zum Thema.

  • Ausblick:

    Der dritte Teil der Serie dreht sich rund um das Thema Knorpelschäden. Der nächste Beitrag dieser Reihe erscheint am
    4. April.

Wie wird ein Tennisellenbogen überhaupt untersucht und von den Ärzten diagnostiziert?

Meist kann man mit einer klinischen Untersuchung und einem Ultraschall die sichere Diagnose eines Tennisarms stellen. Ergänzend sollte allerdings auch immer ein Röntgenbild beim Patienten angefertigt werden. Ein MRT (Kernspin) wird dagegen erst dann benötigt, wenn entweder Einklemmungen auftreten oder die Beschwerden nach einem Unfall hoch akut sind beziehungsweise schon über einen längeren Zeitraum hinweg anhalten. Bei der Diagnostik ist es vor allem auch wichtig, eine Reizung von einer Verletzung der Sehne zu differenzieren. Denn: Je höher der Grad der Sehnenverletzung ist, desto instabiler kann das Gelenk dadurch werden. Dies beeinflusst schließlich auch die Therapie, die am Ende angewendet wird. Weitere Begleiterkrankungen, die tennisellenbogenartige Schmerzen verursachen können, sind Schleimhautfalten, die sich im Gelenk einklemmen, freie Gelenkkörper und auch Knorpelschäden.

MZ-Serie

Patellaluxation: Eine eklige Verletzung

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Wie genau sieht eine Therapie der Verletzung aus und wie wird ein Tennisellenbogen am besten behandelt?

Spezielle Schienen und Spangen können die Sehnen polstern und entlasten. Foto: pa/obs/medi GmbH & Co. KG/dpa
Spezielle Schienen und Spangen können die Sehnen polstern und entlasten. Foto: pa/obs/medi GmbH & Co. KG/dpa

Die Therapie richtet sich nach der Intensität und Dauer der Beschwerden und ist meist konservativ. Initial sollte der akute Schmerz reduziert werden. Der Patient kann Schmerzmittel ein-nehmen, den Ellenbogen kühlen und am wichtigsten, den Sehnen eine Ruhepause gönnen – manchmal auch für kurze Zeit in einer Gipsschiene. In sehr vielen Fällen ist die Reduktion der Belastung der wichtigste Faktor einer erfolgreichen Therapie. Wenn der Schmerz reduziert wurde, kann die Selbstheilung der Sehnen verbessert werden. Hierfür finden Stoßwellentherapie, stimulierende Massagen und Reizstrom Anwendung. Mit Eigenübungen, manueller Medizin und Krankengymnastik sollten die Unterarmmuskeln ergänzend gedehnt werden. Spezielle Schienen und Spangen können die Sehnen polstern und entlasten. Als neue Therapieform könnten zentrifugierte Eigenblutanteile (ACP) in den Sehnenbereich gespritzt werden, um die Heilung zu verbessern.

„In sehr vielen Fällen ist die Reduktion der Belastung der wichtigste Faktor einer erfolgreichen Therapie.“

Dr. Sebastian Winkler

Eine Infiltration mit Cortison nicht unbedingt ratsam, da das Sehnengewebe zu spröde werden kann. In der nächsten Phase gilt es, die Schmerzen weiter zu reduzieren und die Situation zu stabilisieren. Das Training der Muskelgegenspieler am Unterarm sollte intensiviert werden, ebenso wie die Reizstromtherapie. Bei vollständig abgeklungenen Schmerzen müssen im Anschluss Konzepte erstellt werden, um nicht wieder in die alten Verhaltensweisen rückzufallen und ein Rezidiv zu erleiden. Hierzu gehören Abänderungen am Arbeitsplatz, Änderungen von Techniken und Trainingsplänen. Die konservative Therapie dauert meist neun bis 12 Monate und ist in etwa 80 Prozent der Fälle erfolgreich. Wenn keine Selbstheilung der Sehnen erreicht werden konnte oder die Schäden zu groß sind, wird eine OP empfohlen. Dabei wird zunächst mit einer Kamera das Gelenk gespiegelt, um Begleitpathologien und die Stabilitiät zur erfassen.

Wie sieht die Nachbehandlung eines Tennisarms aus, wenn dabei eine Operation nötig war?

Die Nachbehandlung hat zum Ziel, einen Mittelweg aus Ruhigstellung und Bewegung zu finden, um die Heilung zu garantieren, aber Bewegungseinschränkungen zu vermeiden. Die exakte Planung richtet sich nach dem Eingriff und der Schwere der Verletzung.

Lesen Sie auch: Sportverletzungen sind sein Metier. Dr. Markus-Johannes Rueth ist Chefarzt der Sportklinik in Schwandorf. Früher hat er Fußballer wie Khedira und Werner betreut.

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