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Altlasten

Der „Vogelherd“ wird saniert

Die ehemalige Hausmülldeponie im Ortsteil Pirkensee wird abgedeckt und rekultiviert. Die Stadt investiert rund 700 000 Euro.
von Norbert Wanner

  • Im Februar soll mit den Arbeiten an der ehemaligen Hausmülldeponie begonnen werden. Foto: Wanner
  • Das Gebiet soll saniert werden. Foto: Büro Tauw

Maxhütte-Haidhof.Die ehemalige Hausmülldeponie „Vogelherd“ in Pirkensee wird saniert. Einmütig beschloss der Stadtrat dieses Vorhaben. Die Kostenberechnung liegt bei rund 700 000 Euro. Es ist 17 Jahre her, dass das Stichwort „Vogelherd“ das Gremium erstmals konkret mit Blick auf eine mögliche Sanierung beschäftigte.

Bei der Sitzung vom 8. November 2001 beschloss der Stadtrat, eine „Altlastenverdachtsflächenuntersuchung“ für das Areal in Auftrag zu geben. Nächste Etappe war der in der Sitzung vom 25. September 2009 gefasste Beschluss, zwei Grundwassermessstellen einzurichten, die vom Wasserwirtschaftsamt gefordert wurden, weil das Areal „in der Schutzzone III A des Wasserschutzgebietes Degelhof liegt“, wie es damals im Sachverhalt hieß.

Mit Kunststofffolie abgedeckt

Dipl.-Ing. (FH) Matthias Schwalb vom Büro Tauw aus Regensburg stellte den Sanierungsplan vor. Der Ursprung der Deponie geht auf einen Kalksteinbruch aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts zurück. Der Malmkarst wurde dort abgebaut, weil er direkt unter der Geländeoberfläche, ohne eine Lehmdeckschicht lag und so leicht zu erreichen war, erläuterte der Ingenieur. Nach der Aufgabe des Steinbruchs wurde dieser in den Jahren von 1970 bis 1977 mit Hausmüll und Bauschutt verfüllt, schließlich mit Erdreich abgedeckt. Dass es in dem Karstgelände keine Deckschicht gab, verwandelt sich dann zum Nachteil. Regen dringt ungehindert in die Deponie ein, versickert im darunter liegenden Malmkarst. Dazu kommt, dass die umgebenden Flächen als Schießplatz genutzt wurden und mit polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen und Blei belastet sind. Das Wasserwirtschaftsamt Weiden fordere aus „vorsorgendem Schutz“ eine Abdichtung der Deponie, um weiteres Eindringen von Niederschlagswasser künftig zu verhindern. Insgesamt umfasst die abzudeckende Fläche 6800 Quadratmeter. Rund 11 800 Kubikmeter umfasst das Volumen des verfüllten Bereiches.

Die Sicherung der Deponie erfolgt mittels einer wasserundurchlässigen Kunststofffolie über die eine 1,20 Meter dicke Rekultivierungsschicht kommen wird. Die gute Nachricht des Experten war, dass die laufenden Grundwasseruntersuchungen nur geringe Schadstoffbelastungen offenbart hätten. Was genau darunter zu verstehen ist, erläuterte der Experte der MZ auf Nachfrage. Die beiden Grundwassermessstellen hätten weder Schwermetalle noch andere Schadstoffe verzeichnet. Allerdings könnten im Vergleich zu unbelastetem Wasser deutliche Abweichungen festgestellt werden. Dass jede Medaille zwei Seiten hat, zeigte der Blick auf die Finanzierung. Weil kein „Gefährdungstatbestand“ erfüllt ist, wie es Schwalb erläuterte, hieß es in seiner Präsentation für den Stadtrat: „die geforderte vorsorgliche Abdichtung der Deponie ist nicht förderfähig.“

Das führte zu Wortmeldungen der Fraktionssprecher von CSU, Josef Stadlbauer, und SPD, Horst Viertlmeister, weil zwar die Sanierung verlangt werde, aber Zuschüsse versagt blieben. Einhellig war allerdings der Zuspruch für die Feststellung der Bürgermeisterin, dass „wir froh sein können, dass es keine konkrete Gefährdung gibt“.

34,4 Millionen Euro investiert

Dass das Stichwort Wasser den Stadtrat schon lange beschäftigt, und zwar mit großem Einsatz aus der Stadtkasse, zeigte sich auch an den drei Beschlüssen Sanierprogramm Wasser, Erneuerung der Wasserleitung vom Hochbehälter Brücklhof bis Erlenweg und Leitungssanierung in Richtung Ortsteil Roding sowie Sanierungsprogramm Wasser/Kanal Leitungssanierung Goethestraße. Dabei handelt es sich insgesamt um Kosten von rund 1,8 Millionen Euro, die der Stadtrat genehmigte.

Das bemerkenswerte daran war die Einleitung des Themas durch Bürgermeisterin Dr. Susanne Plank mit den „Richtlinien für die Zuwendung von wasserwirtschaftlichen Vorhaben“. Insgesamt 35,2 Millionen Euro wurden seit 1992 in Wasser und Kanal investiert, rechnete sie vor. Die Richtlinie sehe einen Schwellenwert von 34,4 Millionen Euro vor. Werde dieser überschritten, seien alle Baumaßnahmen bei Wasser und Kanal künftig mit mindestens 50 Prozent förderfähig. Plank dankte Stadtbaumeister Gerhard Schmid für die stetige Bearbeitung des Themas. Auf Anfrage der MZ erläuterte er, dass unter Umständen eine Förderung rückwirkend bis maximal 2016 möglich sei.

Zeitplan und Benchmarking

  • Zeitplan Sanierung Vogelherd: Im Februar wird der Sanierungsbereich gerodet. Im März folgt die Herstellung von Ausweichquartieren für den Artenschutz und die Erstellung der Ausführungsplanung samt Ausschreibung der Maßnahme. Im Mai 2019 soll bereits die Auftragsvergabe für die Bauleistungen erfolgen. Ebenfalls noch im kommenden Jahr, im November, wird die Fertigstellung erwartet.

  • Benchmarking: Zu den Voraussetzungen für die Anwendung der Richtlinien für die Zuwendungen zu wasserwirtschaftlichen Vorhaben gehört das Benchmarking. Laut Stadtbaumeister Gerhard Schmid, gehört die Stadt Maxhütte-Haidhof zu den „wenigen Kommunen“ im Landkreis, die die eigene Unternehmensentwicklung bei Wasser/Kanal mit dem Gesamtbild vergleichen, ohne diesen Vergleich keine Förderung. (bxh)

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