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Musikkabarett

Der Vogelmayer traut sich

„Kleinkunst fürs Großhirn“ zeigte der Liedermacher aus Niederbayern. Die Nittenauer hatten mit ihm viel Spaß. 
Von Renate Ahrens

Aus jeder Situation weiß der Vogelmayer einen lockeren Spruch zu erzählen. Fotos: Ahrens
Aus jeder Situation weiß der Vogelmayer einen lockeren Spruch zu erzählen. Fotos: Ahrens

NITTENAU. Man müsse die Location nur klein genug wählen, dann sei sie voll, bemerkte der Vogelmayer, der eigentlich Thomas Mayer heißt, augenzwinkernd mit Blick auf die nicht ganz gefüllten Plätze. Nächstes Mal werde es eben ein Bushäusl sein, befand er. An diesem Pfingstsamstagvormittag hatten sich im Café Tapferes Schneiderlein nicht sehr viele Zuhörer zum Weißwurstessen mit dem Musikkabarettisten aus Straubing getroffen – doch alle, die nicht gekommen waren, haben etwas versäumt. Der Künstler hat selbst jede Menge Spaß bei seinen hintersinnigen und oft gesellschaftskritischen Gags. Bayerische Kultur liegt dem 35-Jährigen am Herzen, doch das sei eigentlich zu hochtrabend ausgedrückt, flachst er vor dem Auftritt.

Das „Dahoam-Prinzip“ wäre es eher, das der Vogelmayer seinen Zuhörern näherbringen will. Deshalb heißt sein neues Programm auch „Dahoam“. Sogar in Schulen geht er und erzählt den Kindern alles über den Beruf des politischen Musikkabarettisten – und darüber, dass man stolz auf seinen Dialekt sein sollte. Es wäre schade, wenn er verloren ginge, so der sympathische und unkomplizierte Künstler.

„Dahoam“, das ist die Devise vom Vogelmayer. Foto: tre
„Dahoam“, das ist die Devise vom Vogelmayer. Foto: tre

Mitten im Publikum, da gefalle es ihm am besten, statt auf einer Bühne. Und so interagiert er mit den Besuchern, sagt, „was sich sonst keiner traut“, will auch einmal den Finger in die Wunde legen, dort, wo es in der Gesellschaft hakt. Ohne erhobenen Zeigefinger, sondern charmant bringt er das Publikum zum Nachdenken, ob es um Massentierhaltung, Rechtsradikalismus, Mobbing oder bayerische Politiker geht. 

„Straubing-Taste“ am PC

Nicht alle Witze, die er erzählt, stammen von ihm, wie er zugibt. Überall werde doch heute Kabarett und Comedy gemacht, sogar der nordkoreanische Präsident habe ein neues Programm aufgelegt: Wer nicht lacht, wird umgebracht. Selbst das spärliche Publikum war für ihn immer Anlass für einen Scherz. „Wenn einer da ist, spiel’ `ich, wenn keiner da ist, überleg‘ ich es mir“, sagt der Vogelmayer. Kabarett ist seit einigen Jahren sein Hauptberuf, lediglich 15 Stunden wöchentlich arbeitet er als Angestellter im Landratsamt in Straubing, denn leben könne er natürlich nicht von seiner Künstlertätigkeit - was ihm aber natürlich auch Stoff für seine Auftritte liefere und wo es sogar die „Straubing-Taste“ am Computer gäbe. „Kürzlich musste ich einen erkrankten Beamten vertreten. Dann musste ich seine ganze Arbeit mitmachen und volle 16 Stunden in der Woche arbeiten.“ 

Überhaupt gehe es doch immer ums Geld. Immer wieder singt und jodelt er und spielt auf der Gitarre, und animiert die Zuhörer zum Mitsingen - mit einfachen Texten, damit „auch Bewohner aus dem Bayerischen Wald“ mitmachen könnten. Begeistert lobte der Vogelmayer die Nittenauer dafür. „Wenn man es in Nittenau geschafft habe, hat man es überall geschafft.“ Das wäre in Kleinstkunstkreisen allgemein bekannt, versichert er. Ein Paar betritt schließlich unerwartet das Tapfere Schneiderlein und der Vogelmayer ist begeistert, denn da wachse das Publikum gleich um 20 Prozent an.  Doch in der Olympiahalle sei schließlich auch nicht mehr Platz, sie sehe nur größer aus. Selbst in der Pause plaudert er beim Weißwurstessen fröhlich mit den Gästen und hat lockere Sprüche und Wortwitz auf Lager.

Gaudi zum Beruf machen

Die Wirtsleute befragt er über ihr Café, das mit der nostalgischen Einrichtung die passende Kulisse für die Vorstellung bildete. Der Vogelmayer arbeitet zurzeit außerdem noch an einem weiteren Projekt: Sein erstes Buch, „Gaudi zum Beruf machen“, wird ein „bayerisches Nachschlagewerk für Hirn, Herz und Humor“ werden und im Herbst erscheinen. Wissen sei Macht, und viele Bürger wüssten gar nicht, wie schön das Leben sei und wie gut es allen hier gehe. Denn: „Ungewissheit ist stets zentrale Zutat für den durchschnittlich unzufriedenen Deppen.“ Zum Schluss gibt Vogelmayer natürlich noch einen Weißwurstwitz zum Besten, allerdings einen „audiovisuellen Witz“, den man eben sehen muss – und sehens- und hörenswert war der Vogelmayer allemal. Nur zur angekündigten Polonaise, zu der hat es wegen mangelnder Gäste dann doch nicht gereicht. 

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Das Programm

  • „Dahoam“:

    Wer den Vogelmayer versäumt hat, bekommt am 28. September erneut die Gelegenheit in Nittenau. In der Weinboazn präsentiert er sein neues Programm „Dahoam“. Dann ist ein Schweinebraten im Eintrittspreis enthalten.

  • Heimatverbunden:

    Der Vogelmayer absolviert etwa 150 Auftritte im Jahr, seit fünf Jahren auch überregional.

  • Neben Vorstellungen

    auf Kleinkunstbühnen moderiert er politische und kulturelle Events und Familienfeiern.

  • Ideen:

    Inspirationen für seine Gags holt er sich aus dem täglichen Leben, und auch aus seiner Teilzeittätigkeit im Landratsamt Straubing. Das Programm ist vor allem auf „humoristische Unterhaltung“ mit ein wenig Tiefsinn ausgelegt.

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