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Region Schwandorf
Dienstag, 21. August 2018 28° 3

Filmkunst

Der WAA-Film ist bereit zur Premiere

Spannend und zum Nachdenken anregend: „Wackersdorf“ will mehr sein als ein Drama aus der bayerischen Geschichte.
Von Reinhold Willfurth

Dreharbeiten bei Roding-Altenkreith im November 2017. Dort wurden die Szenen am nachgebauten Bauzaun gedreht. Von links Johannes Zeiler als Hans Schuierer, Florian Brückner und Andreas NicklFoto: if... Productions/Erik Mosoni
Dreharbeiten bei Roding-Altenkreith im November 2017. Dort wurden die Szenen am nachgebauten Bauzaun gedreht. Von links Johannes Zeiler als Hans Schuierer, Florian Brückner und Andreas NicklFoto: if... Productions/Erik Mosoni

Schwandorf. Der Anfang vom Ende kam im Januar 1988. Der bayerische Verwaltungsgerichtshof (VGH) erklärte den gesamten Bebauungsplan für die geplante Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf (WAA) für nichtig. Ein Jahr später wanderten die Pläne für das umstrittenste Industrieprojekt der deutschen Geschichte ins Endlager der Archive.

Gut 30 Jahre nach dem Urteil der höchsten bayerischen Verwaltungsrichter feiert der Spielfilm „Wackersdorf“ Premiere. Ab dem 20. September soll auf möglichst vielen Leinwänden im Land zu sehen sein, wie sich eine gesamte Region gegen die Atomfabrik erhob.

Oberpfälzer Held und Staatsfeind

Held des Films und Galionsfigur des Widerstands ist der damalige Landrat Hans Schuierer, ein „zutiefst bürgerlicher Lokalpolitiker, der seine Karriere und seine persönliche Zukunft aufs Spiel setzt, weil er kompromisslos für Recht und Gerechtigkeit kämpft, dabei zwischen alle Fronten gerät, schließlich als Held gefeiert und als Staatsfeind verfolgt wird“, wie es im Ankündigungstext der Verleihfirma heißt.

Rund 120 Komparsen „demonstrierten“ am Bauzaun.Foto: Archiv / Mühlbauer
Rund 120 Komparsen „demonstrierten“ am Bauzaun.Foto: Archiv / Mühlbauer

Einige Auserwählte konnten sich am letzten Donnerstag in einem Studio in Unterföhring bei München den (fast) fertigen Film ansehen – auf einer richtigen Leinwand, wie es sich für einen Kinofilm gehört. Der „final cut“, die endgültige Schnittfassung also, habe niemanden kalt gelassen, sagt Ulrike Körner, die schon als Pressefrau bei den Dreharbeiten dabei war. „Sehr, sehr gut“ sei der Film geworden mit einem sperrigen Helden, dessen spröde Oberpfälzer Art auf der Leinwand ihre Wirkung bestens entfalte und den Film gerade deshalb so sehenswert mache. Das liege natürlich auch am famosen Spiel von Schuierer-Darsteller Johannes Zeiler. Dass „Wackersdorf“ kein handelsübliches Historiendrama sei, sondern auch heute noch viel Stoff zum Nachdenken und zur politischen Diskussion liefere, glaubt Körner an der Reaktion einer jungen Kollegin zu erkennen, für die Wackersdorf allenfalls ein Begriff aus dem Geschichtsbuch ist. Sie sei ebenso beeindruckt gewesen wie die übrigen Zuschauer, unter ihnen auch solche, die noch selbst gegen den „WAAhnsinn“ protestierten.

Jetzt werden die Töne gemischt

Auch Ingo Fliess stand als 18-Jähriger vor dem Bauzaun im Taxölderner Forst. Der Produzent von „Wackersdorf“ freut sich nach dem Ende der mehrmonatigen Arbeiten am Filmschnitt auf die Premiere am 20. September – auch wenn es noch viel zu tung gebe: Die Tonmischung steht noch bevor.

Regisseur Oliver Haffner und Produzent Ingo FliessFoto: Archiv
Regisseur Oliver Haffner und Produzent Ingo FliessFoto: Archiv

Dabei werden Dialoge, Geräusche, die „Atmo“ und nicht zuletzt die Filmmusik für jede Szene ins rechte Verhältnis gesetzt, „ein aufwendiger Prozess“, so Fliess im Gespräch mit der MZ. Wenn es nach ihm geht, wird die Premiere möglichst nahe am Ort des damaligen Geschehens stattfinden. Schwandorf selbst scheide leider aus, weil das dortige Kino mit 120 Plätzen zu klein sei. Auf jeden Fall solle es eine Premiere in der „echten Oberpfalz“ geben, will heißen, außerhalb Regensburgs, so Fliess, der aus Sulzbach-Rosenberg stammt. Danach folge der Bundesstart – „mit vielen Kopien in Bayern“.

Diese Strategie bestätigt eine Mitarbeiterin der Münchener Verleihfirma. Sie hat „Wackersdorf“ ebenfalls bereits gesehen und ist hingerissen: „Das ist ein sehr guter Film mit tollen Schauspielern geworden“. Die Atmosphäre der Achtziger Jahre sei „toll erzählt“.

A propos Filmmusik: Komponiert und eingespielt wurde sie nach MZ-Informationen von der „Hochzeitskapelle“, einer Band aus dem Umfeld der oberbayerischen Indie-Elektronik-Gruppe „The Notwist“. Der tiefenentspannte Sound der „Hochzeitskapelle“ mit Tuba, Posaune, Banjo, Geige und Schlagzeug passt exzellent zur bayerischen Landschaft.

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„Wackersdorf“ - der Film

  • Das Konzept:

    Einen Spielfilm mit einem realen Helden (Hans Schuierer) und kein Geschichtsdrama mit nachgestellten Bauzaunschlachten haben Drehbuchautor Gernot Krää und Regisseur und Co-Autor Oliver Haffner im Sinn. Komparsen aus der Region und Originalschauplätze sind Bestandteil des dramaturgischen Konzepts. Wunsch der Filmemacher ist eine Vorpremiere auf einem Festival, zum Beispiel dem Münchener Filmfest im Juni/Juli.

  • Die Akteure:

    Der österreichische Schauspieler Johannes Zeiler verkörpert den knorrigen Helden. Der Ensemble-Film lebt auch von bekannten deutschen Akteuren wie der in Schwandorf aufgewachsenen Anna Maria Sturm. (fu)

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