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Region Schwandorf
Freitag, 21. September 2018 26° 1

Projekt

Die Arbeiten liegen im Zeitplan

Der Markt Neukirchen-Balbini arbeitet mit großen Schritten an der Realisierung eines Leuchtturmprojekts in der Region.
Von Karl-Heinz Probst

Viel Handarbeit ist gefragt bei der Sanierung der alten Mauern. Foto: Probst
Viel Handarbeit ist gefragt bei der Sanierung der alten Mauern. Foto: Probst

Neukirchen-Balbini.Der Markt Neukirchen-Balbini beabsichtigt, den denkmalgeschützten Schießl-Hof an der Fronauer Straße zu öffnen, zugänglich zu machen, zu sanieren und einer vielfältigen Nutzung zuzuführen. Der mittelalterliche Erdstall unter dem Gebäude ist mit dem restlichen Anwesen eine herausragende Besonderheit des kulturellen Erbes und in dieser Form wohl einmalig.

Landesweit gibt es kein vergleichbares Objekt, so dass es als ein Alleinstellungsmerkmal der Region anzusehen ist. Dies hat man auch bei der Regierung der Oberpfalz und der Obersten Baubehörde in München so gesehen und das Neukirchner Projekt im Wettbewerbsverfahren für den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung Bayern (EFRE) 2014 bis 2020 auserwählt.

Hohe Förderung

Nachdem das Projekt ins Förderprogramm EFRE (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung) aufgenommen worden war, musste aus fördertechnischen Gründen das Nutzungskonzept für das rund 3000 Quadratmeter große Areal mehrmals umgearbeitet und verändert werden. Die Gesamtkosten werden mit rund 2,8 Millionen Euro beziffert, die sich auf die Haushaltsjahre 2016 bis 2020 verteilen. Die Förderung beträgt rund 2,3 Millionen Euro.

Die Zimmerer werden ab Mitte März die Sanierung des Stadels fortsetzen. Foto: Probst
Die Zimmerer werden ab Mitte März die Sanierung des Stadels fortsetzen. Foto: Probst

Über die bereits abgeschlossenen und noch laufenden Arbeiten im Schießl-Hof informierte Bürgermeister Markus Dauch im Gespräch mit unserem Medienhaus. Im Stall aus dem Jahre 1872 mit seinem böhmischen Gewölbe haben die Arbeiter innen und außen den Putz abgeschlagen, die Viehtränken sowie den Boden, beides aus Beton, entfernt, das Mauerwerk verfestigt und das Fundament des Gebäudes zur Stabilisierung unterfangen. Der Rohbau wurde Ende 2017 abgeschlossen, heuer werden die Zimmerer noch den Dachstuhl sanieren.

Im Stadel haben die Bauarbeiter noch den historischen Bierkeller aus statischen Gründen gesichert. Einige Restarbeiten stehen dort noch aus, die in den nächsten Wochen angepackt werden, so dass die Zimmerer ab Mitte März die Sanierung des Stadels beenden, die vorbereitenden Arbeiten haben sie bereits erledigt.

Überraschungen im Boden

Arbeiter der Baufirma Wilhelm tragen mit einem Minibagger Boden im Gewölbekeller ab. Foto: Probst
Arbeiter der Baufirma Wilhelm tragen mit einem Minibagger Boden im Gewölbekeller ab. Foto: Probst

Bei den Arbeiten kamen mittlerweile unerwartet einige Baudetails zum Vorschein, welche die Architekten und Ingenieure überraschten und auch vor Rätsel stellten. Unter dem Putz der Kammer im Obergeschoss kam eine Kuriosität zutage: Die Innenwände waren ursprünglich nicht gemauert, sondern bestanden aus einer Holzbohlenkonstruktion, die laut Statiker Anton Landgraf nach seinem Kenntnisstand einzigartig in der Oberpfalz sei. Später wurden zwei Holzwände durch Ziegelwände ersetzt, welche durch ihr Gewicht die Statik merklich beeinträchtigten.

Die Holzbohlenwände werden die Zimmerer in alter Manier wieder rekonstruieren. Beim Entfernen eines wohl in den 1930er Jahren eingebauten Backofens kam im Erdboden ein altes Mauerstück zum Vorschein, dessen Funktion ungeklärt ist. Im gleichen Zimmer zeigte sich beim Abgraben an der Innenseite der Außenmauer, dass dort der Untergrund aus gewachsenem Boden aber auch aus Auffüllmaterial bestand. So kamen in diesem Material in über einem Meter Tiefe verkohlte Holzreste ans Tageslicht. Dieser Brandschutt könnte von den großen Bränden im Markt anno 1797 oder 1779 oder während des Dreißigjährigen Kriegs anno 1634 und 1641 herrühren.

Der Dachstuhl am Wohnhaus ist bereits fertiggestellt und neu gedeckt. Foto: Probst
Der Dachstuhl am Wohnhaus ist bereits fertiggestellt und neu gedeckt. Foto: Probst

Aus statischen Gründen und zur Scherung des Erdstalls und des mittelalterlichen Kellers werden derzeit sogenannte Zugplatten eingebaut, um die Lasten des Gebäudes besser zu verteilen und dabei vor allem die Decken des Kellers und des Erdstalls zu entlasten. Wenn dies sowie die Unterfangung des Fundaments in wenigen Wochen abgeschlossen sind, können die Handwerker im Wohnhaus mit dem Innenausbau beginnen, informierte Bürgermeister Dauch.

Der nächste Ausschreibungsblock für das Projekt „Erdstallforschungszentrum mit archäologischer Dokumentation“ steht kurz vor dem Abschluss. Ende 2017/Anfang 2018 wurden folgende Gewerke ausgeschrieben: Putzarbeiten innen und außen, Schreinerarbeiten wie Bodenbeläge, Fenster, Fußböden und Treppen sowie die Schlosserarbeiten.

Im ersten Halbjahr 2019 stehen dann die Ausstattung und Einrichtung des Erdstallforschungszentrums sowie die Herstellung der Außenanlagen im Mittelpunkt. Läuft alles nach Plan, könnte Mitte 2019 das Zentrum in Betrieb genommen werden, berichtete Dauch weiter.

Im März erwartet der Bürgermeister noch wichtigen Besuch in Neukirchen-Balbini. Dr. Peter Schabe, der Projektreferent Bayern der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, wird den Schießl-Hof besichtigen.

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