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Agrar

Die „Baustellen“ der Schwandorfer Bauern

Die Landwirtschaft steht nach dem Strukturwandel vor neuen Herausforderungen. Der BBV sieht die Politik in der Verantwortung.
Von Max Schmid

BBV-Generalsekretär Georg Wimmer rief die Bauern zu mehr Selbstbewusstsein auf. Land- und Fortwirtschaft – dies hat Zukunft.  Foto: Max Schmid
BBV-Generalsekretär Georg Wimmer rief die Bauern zu mehr Selbstbewusstsein auf. Land- und Fortwirtschaft – dies hat Zukunft. Foto: Max Schmid

Nabburg.Traditionell wurde der Sebastiani-Bauerntag durch die Jagdhornbläser der Kreisgruppe Nabburg eröffnet. BBV-Kreisobmann Josef Irlbacher hieß eine lange Liste an Ehrengästen willkommen, die aus der Politik, von Behörden, Schulen und Wirtschaftsunternehmen gekommen waren. Seine Analyse über die derzeitige Situation der Landwirtschaft war eher eine bittere Pille für alle Bauern. Es würden immer mehr Leute aus der Landwirtschaft an die Industrie abgegeben. Mit ihnen gehe wichtiges Wissen um den Bauernstand verloren.

Die Landwirtschaft habe einen gewaltigen Strukturwandel hinter sich, sagte Irlbacher, die Produktivitätssteigerung aber könne sich sehen lassen. Doch gerade diese Leistungsfähigkeit werde nun kritisiert und stehe im Focus der Gesellschaft. Chemischer Pflanzenschutz werde verpönt, der Einsatz großer Landmaschinen argwöhnisch beäugt, moderne Tierhaltungssysteme infrage gestellt und das Wort Gülle zum Unwort erklärt.

Weichenstellung

Couragierte Landwirte, glückliche Kühe

Der Feuerer-Hof in Pottenstetten wird auf „Bio“ umgestellt. Für Maria und Ulrich Stangl ist das eine Herzensangelegenheit.

Nahrungsmittel sollen günstig sein und im gewohnten Umfang zur Verfügung stehen, gleichzeitig solle diese Qualität möglichst ökologisch erzeugt werden. Das Anforderungsprofil an die Bauern sei deshalb gigantisch. Das, was aber nun über die Landwirtschaft hereinbreche, überfordere die bäuerlichen Familien, sagte Irlbacher unter Hinweis auf das Volksbegehren, das Agarpaket auf Bundesebene und die Verschärfung der Düngeverordnung. Deshalb sei die Stimmung so schlecht wie nie zuvor.

Gutes Leben für die Familien

Die aktuelle Agarpolitik biete keine Perspektiven, die schwierige Lage der Bauern scheine keine Rolle zu spielen. Kanzlerin und Bundeslandwirtschaftministerin würden nicht daran denken, Änderungen beim Agrarpaket oder der Düngeverordnung vorzunehmen. Kreisbäuerin Sabine Schindler zollte allen Bauern ihre Anerkennung, die würden mit ihrer Hände Arbeit dafür sorgen, dass ihre Familien ein gutes Leben haben. Dem Umbruch könne sich auch die Landwirtschaft nicht entziehen, Jammern allein helfe nicht. Die Bauern haben sich gewehrt und „Bulldog gezeigt“, um sich so Gehör zu verschaffen.

Die Stimmen der Politiker

  • Abgeordneter:

    MdL Alexander Flierl lobt die Bauern für ihre Umweltschutzleistungen und Produktion hochwertiger Lebensmittel.

  • Bürgermeister:

    Armin Schärtl verweist auf die lange Tradition des Sebastiani-Bauerntags und ruft zur Unterstützung der bäuerlichen Landwirtschaft auf.

  • Stellvertretender Landrat:

    Arnold Kimmerl betont den hohen Stellenwert der Landwirtschaft im Landkreis, 42 Prozent der Fläche würden bewirtschaftet. Die Probleme könne man nur im gemeinsamen Dialog lösen.

Alle seien nun gefordert, sich ökologisch, ökonomisch und sozial einzubringen, um so die Zukunft des Bauernstandes gemeinsam zu gestalten. BBV-Generalsekretär Georg Wimmer rief die Bauern dazu auf, den Verbrauchern die Botschaft mitzugeben, darüber nachzudenken, was sie von der Landwirtschaft haben und was sie fordern. Man dürfe sich nicht das Selbstbewusstsein nehmen lassen, müsse zusammenhalten und auf die tolle Ausbildung der Landwirte verweisen. „Man braucht uns“, rief Wimmer den Besuchern zu – für gesundes Essen ebenso wie für den Klimaschutz.

Landwirtschaft hat Zukunft

Der Festredner zeigte sich davon überzeugt, dass Land- und Fortwirtschaft Zukunft haben. Dennoch müsse man aufpassen, dass die Politik nicht mit den Bauern spiele. Es sei nötig, dass man mit einer geballten Stimme bei der Politik auftreten müssen und nicht viele unterschiedlichen Ansichten vertreten dürfe. Der Bauernstand brauche fachlich gute Entscheidungen, keinen populistischen Mainstream.

Interview

Von der Schaustellerin zur Bäuerin

Kerstin Dirschwigl hat sich in einen Landwirt verliebt. Mit ihm hat sie in Oberkatzbach (Guteneck) einen Kompoststall gebaut.

Wimmer kritisierte die Doppelzüngigkeit in Deutschland. Als Beispiel nannte er den immer höher werdenden Rindfleischimport aus Südamerika, einem Land, in dem die Vorschriften schon Jahrzehnte alt seien, während es in Deutschland immer höhere Auflagen für Bauern gebe. Zudem geb es viele weitere „Baustellen“, wie Düngeverordnung, Kälbertransport, Anbindehaltung, Volksbegehren und übertriebene Hofkontrollen.

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