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Region Schwandorf
Montag, 25. Juni 2018 20° 3

Sicherheit

Die „Blitzer“ sollen wachrütteln

Die Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Neunburg ziehen eine erste Bilanz der Tempo-Kontrollen der Verkehrsüberwacher.
Von Ralf Gohlke

Die kommunale Verkehrsüberwachung setzt ihre Messsysteme je nach Anforderung der Gemeinden ein, die ihre Schwerpunkte setzen. Foto: Horst Pfeiffer/dpa
Die kommunale Verkehrsüberwachung setzt ihre Messsysteme je nach Anforderung der Gemeinden ein, die ihre Schwerpunkte setzen. Foto: Horst Pfeiffer/dpa

Neunburg.Die kleinen grauen Kästen auf drei Beinen am Fahrbahnrand sind der Alptraum eines jeden Autofahrers. Oft reicht schon eine kleine Unaufmerksamkeit, und statt der erlaubten 50 km/h stehen 60 oder 65 km/h auf der Tachoanzeige. Der „Kasten“ hat’s gemerkt, und schon gibt es diesen kurzen roten Blitz, der einem sein Fehlverhalten noch einmal drastisch vor Augen führt.

Das weitere Prozedere ist bekannt. Je nach Höhe der Überschreitung erfolgt die Verhängung einer kostenpflichtigen Verwarnung, eines Bußgelds, und im schlimmsten Fall drohen Fahrverbote und die Belastung des Punktekontos in der Flensburger Verkehrssünderdatei. Wer beispielsweise innerorts mehr als 20 km/h zu schnell unterwegs ist und dabei erwischt wird, wird mit 80 Euro zu Kasse gebeten, und einen Punkt gibt es außerdem noch gratis dazu.

Keine Einnahmequelle

Bürgermeister Hans Graßl setzt den Schwerpunkt im Hauptort am Zugang zur Schule und zum Kindergarten. „Auch wenn die Messstellen über die sozialen Medien verbreitet werden und dadurch langsamer gefahren wir, ist der Zweck erfüllt.“ Foto: ggo
Bürgermeister Hans Graßl setzt den Schwerpunkt im Hauptort am Zugang zur Schule und zum Kindergarten. „Auch wenn die Messstellen über die sozialen Medien verbreitet werden und dadurch langsamer gefahren wir, ist der Zweck erfüllt.“ Foto: ggo

Es ist daher kein Wunder, dass sich die Markt- und Gemeinderäte der VG Neunburg ihre Entscheidung, den fließenden Verkehr in ihren Hauptorten und Ortsteilen durch den Zweckverband „Kommunale Verkehrsüberwachung Oberpfalz“ kontrollieren zu lassen, nicht leicht gemacht haben. Mindestens einer der gewählten Vertreter in den Gremien forderte „Ausnahmen für Anwohner“ oder zumindest eine Vorabinformation über die Messstellen „für die eigenen Bürger“.

Grund dafür, sich überhaupt mit dem Thema auseinanderzusetzen, waren die Ergebnisse, welche die eigene Messtafel an verschiedenen neuralgischen Stellen geliefert hatte, ohne dass es dabei Konsequenzen für die Raser gegeben hätte.

„Die Polizei konnte uns nur sporadische Kontrollen zusagen, deshalb mussten wir handeln“, sagt der VG-Vorsitzende Hans Graßl und zugleich Bürgermeister von Dieterskirchen im Gespräch mit dem Reporter unseres Medienhauses. Dabei stellt er noch einmal deutlich heraus, dass die Sicherheit im Vordergrund gestanden habe und nicht, wie einige Gegner der Kontrollen vermuteten, „die Abzocke“.

„Die Polizei konnte uns nur sporadische Kontrollen zusagen, deshalb mussten wir handeln.“

VG-Vorsitzender Hans Graßl

Das bestätigten nun die Abrechnungen des Zweckverbands für die ersten drei Quartale, in denen Kontrollen angefordert waren. Darin werden der Aufwand des Zweckverbands nach einem festgelegten Tarif und die Einnahmen aus Verwarnungs- und Bußgeldern miteinander verrechnet. Bislang erwies sich die Überwachung für alle Kommunen als „Draufzahlgeschäft“.

„Aber die Fälle gehen seit der Überwachung deutlich zurück“, weiß Jürgen Steinbauer, der die Zahlen für alle vier Gemeinden im Blick hat. Überhaupt liegen die rund 900 gemessenen Verstöße laut Maximilian Köckritz, Geschäftsführer des Zweckverbands, bei allen vier Gemeinden „im guten Mittelfeld, im Vergleich zu allen Mitgliedern.“ Echte Ausreißer habe es lediglich in der Dreißiger-Zone beim Feuerwehrhaus und dem Kindergarten in Neukirchen-Balbini gegeben, erklärte er auf Nachfrage.

Messsungen notfalls erhöhen

Bürgermeister Markus Dauch sind die Raser in der 30er-Zone beim Kindergarten ein besonderer Dorn im Auge. „Die Beschwerden der Eltern gibt es schon seit Jahren, aber ein Zebrastreifen oder nur eine Querungshilfe waren einfach nicht machbar.“ Foto: ak
Bürgermeister Markus Dauch sind die Raser in der 30er-Zone beim Kindergarten ein besonderer Dorn im Auge. „Die Beschwerden der Eltern gibt es schon seit Jahren, aber ein Zebrastreifen oder nur eine Querungshilfe waren einfach nicht machbar.“ Foto: ak

„Das ist auch genau der Bereich, in dem wir schon seit vielen Jahren um Lösungen bemüht sind“, sagt Bürgermeister Markus Dauch. „Die Messungen zeigen hier aber offenbar Wirkung“, ist er sicher. Der zweite Punkt sei der Ortseingang aus Richtung Rötz. Eine Ausweitung der Messpunkte sei vorerst nicht geplant.

Bürgermeister Walter Schauer  steht voll hinter dem Beschluss des Gemeinderats. „Thanstein war durch den Umleitungsverkehr stark betroffen und in Kulz ist es die Radlgasse.“ Wie sich in Kulz die Ortsdurchfahrt entwickelt, wird sich aber erst nach Ende der Bauarbeiten zeigen. Foto: ggo
Bürgermeister Walter Schauer steht voll hinter dem Beschluss des Gemeinderats. „Thanstein war durch den Umleitungsverkehr stark betroffen und in Kulz ist es die Radlgasse.“ Wie sich in Kulz die Ortsdurchfahrt entwickelt, wird sich aber erst nach Ende der Bauarbeiten zeigen. Foto: ggo

„Außer in Kulz haben wir nicht den großen Durchfluss wie in Dieterskirchen“, sagt der Thansteiner Bürgermeister Walter Schauer. Wegen der Baustelle an der Kreisstraße nach Winklarn liege der Schwerpunkt nach wie vor an der „Radlergasse“. Ruhiger sei es in Thanstein geworden, nach dem Wegfall der Umleitung aus Rötz.

Die Ortsein- und -ausgänge bilden die Schwerpunkte, bestätigt Bürgermeister Maximilian Beer für Schwarzhofen. An manchen Stellen fehle es den Verkehrsteilnehmern trotzdem immer noch an der Einsicht. „Notfalls werden wir die Messfrequenzen erhöhen“, kündigt er an.

Bürgermeister Maximilian Beer kennt einige Stellen in Schwarzhofen, wo deutlich zu schnell gefahren wird. „Da musst du aufpassen, dass dir nicht die Schuhspitzen wegefahren werden, wenn du aus der Haustür kommst. Der positive Effekt durch die Messung ist aber schon erkennbar.“ Foto: ggo
Bürgermeister Maximilian Beer kennt einige Stellen in Schwarzhofen, wo deutlich zu schnell gefahren wird. „Da musst du aufpassen, dass dir nicht die Schuhspitzen wegefahren werden, wenn du aus der Haustür kommst. Der positive Effekt durch die Messung ist aber schon erkennbar.“ Foto: ggo

„Die Autofahrer aufzurütteln ist letztendlich auch das, was wir erreichen wollten“, unterstreicht Hans Graßl. Seine Schwerpunkte liegen im Hauptort im Bereich der Zufahrt zur Schule und zum Kindergarten und an der Kreisstraße nach Kulz an der Bushaltestelle sowie der Haltestelle in Bach. Keiner der Bürgermeister hatte ein Problem mit entsprechenden „WhatsApp-Gruppen“, die ziemlich schnell auf die „Blitzer“ reagieren und vor ihnen warnen. „Wenn langsamer gefahren wird, haben wir unser Ziel erreicht“, so der Tenor.

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