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Fasching

Die Burgritter sind jetzt an der Macht

Die Geschicke Burglengenfelds liegen nun in den Händen von Waldemar I. und Alexandra II. Sie wollen mit Frohsinn regieren.
Von Josef Schaller

3. Bürgermeister Josef Gruber übergab den Rathausschlüssel an die Prinzenpaare der Burgritter.  Foto: Josef Schaller
3. Bürgermeister Josef Gruber übergab den Rathausschlüssel an die Prinzenpaare der Burgritter. Foto: Josef Schaller

Burglengenfeld.Am Montagabend um 18.11 Uhr stürmten die „Burgritter“ das Rathaus und übernahmen für die kommenden 106 Tage die Herrschaft in der Burglengenfelder Machtzentrale. Obwohl ihm der Maxhütter Kollege Franz Brunner in der schweren Stunde zur Seite stand, sah sich 3. Bürgermeister Josef Gruber angesichts der närrischen Übermacht in einer ausweglosen Situation und überreichte den Rathausschlüssel freiwillig dem Prinzen Waldemar I. und seiner Lieblichkeit Alexandra II.

Das Faschingstreiben wurde mit einem Tanz des Kinderprinzenpaares eröffnet, bevor es ihnen Waldemar I. und Alexandra II. nachmachten. Im Anschluss gab es auch heuer wieder die Premiere der lange einstudierten Gardetänze der verschiedenen Gruppierungen zu bewundern.

Mit Heiterkeit wird regiert

Die verschiedenen Garden führten ihre Tänze auf.  Foto: Josef Schaller
Die verschiedenen Garden führten ihre Tänze auf. Foto: Josef Schaller

Bereits 45 Minuten vor dem Überfall hatten die Burgritter den Zugang zum Rathaus besetzt und durch die Bacherl Musikanten den bevorstehenden Sturm ankündigen lassen. Dort sei ihnen schließlich auch der 3. Bürgermeister in die Falle gegangen, wie der Vorsitzende der Faschingsgesellschaft, Franz Fischer, der versammelten Gemeinde nach der Machtübernahme wissen ließ.

Der „feige Stadtrat“ hätte vor den grimmigen Gardemädchen allerdings die Flucht ergriffen. Nun würden die Geschicke unserer Stadt vertrauensvoll in die Hände des Prinzen und seiner Lieblichkeit gelegt, so Fischer. Neun Monate seien ins Land gegangen, seit wir am letzten Kehraus den Rathausschlüssel vertrauensvoll wieder zurück in die Obhut von Bürgermeister und Stadtrat gegeben hätten, in der Hoffnung, dass der Geist der Vernunft und des klaren Denkens wieder in den Burglengenfelder Amtsstuben Einzug halte.

Die Burgritter

  • Vereinschronik:

    Beim Inthronisationsball 1971 in Schmidmühlen wurden Konstantin Lochner und Erwind Heindl dazu animiert, dass so etwas auch in Burglengenfeld möglich sein müsse. Zwei Tage später besprach man erste Vorbereitungen. „Damische Burgritter“ sollten die Organisatoren des Burglengenfelder Faschings künftig heißen. Im Herbst 1972 gaben sich „Die Burgritter“ schließlich die Satzung einer Faschingsgesellschaft.

  • Veranstaltungen

    19. Januar: Kindergardetreffen in Nittenau, 26. Januar: Großes Gardetreffen in Weiden, 2. Februar: Kinderfasching im Pfarrheim St. Michael, 9. Februar: Jugendgardetreffen in Nabburg, 15. Februar: Showtanztreffen in Hohenfels, 25. Februar: Kehraus (interne Veranstaltung). Ab 23 Uhr wird dabei der Sensenmann den Prinzen auf Schritt und Tritt begleiten. Um Mitternacht findet dann die Aufstellung zum Trauerzug statt.

„Allerdings haben wir vergeblich gehofft. Deshalb werden wir wieder regieren, disponieren und Verfügungen treffen. Wir werden Anweisungen erteilen und Verordnungen erlassen“, kündigte der Vorsitzende an, bevor Prinz Waldemar I. und seine Lieblichkeit Alexandra II. ans Mikrofon traten und die künftige Marschrichtung vorgaben. „Von heute bis Aschermittwoch, so geben wir bekannt, hat nur Freude zu herrschen im ganzen Land. Mit Frohsinn und Heiterkeit wollen wir regieren. Lasst uns zusammen fröhlich sein, beim Fasching, beim Umzug und beim Gläschen Wein“, so die Hoheiten an die versammelte Menge. Sie dankten dem Prinzenpaar der letzten Faschingssaison, die noch vor dem Rathaussturm die Faschingsorden an ihre Nachfolger überreichten. Eine wundervolle Saison sei es im vergangenen Jahr gewesen, lobten die Neuen ihre Vorgänger.

Freizeit

Nittenauer läuten den Fasching ein

Das Weiberkomitee stürmte das Rathaus und gab den Startschuss für die fünfte Jahreszeit. Höhepunkt ist der Hofball.

Dabei hat es lange nicht so ausgesehen, als ob rechtzeitig zum Faschingsbeginn noch ein neues Prinzenpaar gefunden wird. Doch Selina Dechant hat es schließlich geschafft, Waldemar Derk und Alexandra von Habenstein, die auch privat ein Paar sind, zu überzeugen. „Wir wollten die Burgritter ein wenig unterstützen“, sagte die neue Prinzessin im Gespräch mit der Mittelbayerischen.

Erst vor zwei Wochen hätten sie sich dazu entschlossen, in Amt und Würde der Burgritter zu treten. Schnell hätten sie noch die erforderlichen Tänze einstudiert. Bereits als Kind hatte Alexandra von Habenstein bei der Garde der Faschingsgesellschaft D’Rummlfelser aus Fischbach reingeschnuppert, wie sie erzählte. Das Kinderprinzenpaar Datuhan I. (neun Jahre) und Maria I. (fünf Jahre) seien sogar erst am Tag zuvor festgestanden, verriet Vorsitzender Franz Fischer.

Es gibt selbst kreierte Faschingsorden

Natürlich haben die Burgritter auch heuer wieder besondere Faschingsorden aus Zinn kreiert, die von einer Abbildung des Burglengenfelder Burgtores geziert werden und zahlreich bei der Machtübernahme verliehen wurden. Da sich 3. Bürgermeister Josef Gruber der Machtübernahme nicht widersetzte, wurde auch er mit einem Orden belohnt.

Die symbolische Besetzung des Rathauses beim Fasching durch die Narren ist insbesondere im Rheinland, aber auch anderswo in Deutschland der Brauch. In der Chronik der Burgritter wird der Rathaussturm zum ersten Mal 1972 erwähnt. Auf die Karikatur des Amtsschimmels und die Erinnerung an Patzer der Verwaltung, wie es anderswo praktiziert wird, wird in Burglengenfeld allerdings verzichtet. 2009 fand der Rathaussturm der Burgritter erstmals in Maxhütte-Haidhof statt.

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