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Region Schwandorf
Donnerstag, 24. Mai 2018 22° 8

IT-Forum

Die Energienetze werden digital

I Die IHK veranstaltete in Neunburg einen Unternehmerworkshop zu den Chancen, die Datennetze für die Energiewende bieten.
Von Ralf Gohlke

Verteilerpunkte, in dem zahlreiche Glasfaserkabel zur Übertragung von Hochgeschwindigkeitsinternet zusammenlaufen, bilden die Voraussetzung für die Digitalisierung, auch auf dem Energiesektor.    Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Neunburg. Wenn von der Energiewende die Rede ist, geht es häufig nur um die Art und Weise der Stromerzeugung. Weit weniger in der öffentlichen Diskussion, außer vielleicht in der Frage der Stromtrassen, steht dagegen die Frage, wie die dezentral erzeugte Energie den Verbraucher erreicht und welche Rolle die Digitalisierung dabei spielen kann und wird. Aus dem Grund veranstaltete die IHK-Regensburg für Oberpfalz und Kelheim in der Neunburger Schwarzachtalhalle ein Unternehmer-Forum, das sich genau damit beschäftigte, nämlich der Digitalisierung im Energiesektor.

Über 1,6 Millionen Stromquellen

In seiner Einführung stellte Thomas Genosko die Herausforderungen der Zukunft dar. Mittlerweile werde Strom in über 1,6 Millionen Kraftwerken erzeugt, von der Photovoltaik- über Windkraft-Anlagen bis hin zu industriellen Kraft-Wärme-Kopplungen. Mit Batteriespeichern, flexiblen Verbrauchern oder steuerbaren Netzbetriebsmitteln kämen viele weitere Elemente im Energiesystem hinzu. „Schon heute sind darüber hinaus tausende Energieerzeuger in virtuellen Kraftwerken gekoppelt“, stellte Genosko fest.

Darin bezog er auch die steigende Zahl an Elektroautos und den damit verbundenen Anstieg an Ladesäulen im öffentlichen Raum mit ein. Die Vielzahl dieser Elemente erfordere eine intelligente Vernetzung schon aus dem Grund, um die tageszeitlich- und witterungsbedingten Schwankungen bei der Erzeugung von Strom mittels Wind und Sonne dem Bedarf der Verbraucher anzupassen.

„Blockchain in der Energiewende“ war das Thema, das die Expertin der E.ON Dr.-Ing. Elisabeth Kellerer den Forumsteilnehmern näher brachte. Sie war zuversichtlich, dass der direkte Handel mit Energie in naher Zukunft kommen werde.

Ein Thema sei auch die steigende Verbreitung sogenannter intelligenter Zähler (Smart-Meter), die künftig Auswirkungen auf die Energieflüsse in den Stromnetzen haben könnten. Wesentliche Voraussetzung für die Vernetzung seien schließlich intelligente Mess- und Steuerungssysteme. Sie ermöglichen es, Strompotenziale aufzuspüren, Stromspitzen zu kappen oder die Eigenversorgung zu optimieren.

Zusammenfassend stellte Thomas Genosko die Zielsetzung des IHK-Forums heraus, in dem über aktuelle Energieentwicklungen diskutiert und mögliche, erfolgversprechende Geschäftsmodelle im Bereich Netzumbau, Anlagen- und Komponentenbau, Kommunikation und Datentransfer sowie Stromhandel erörtert werden sollen.

Aktuell „Digitalbonus Bayern“

Ein Anwendungsbeispiel für die Verwendung, der bisher eher im Zusammenhang mit der digitalen Währung „Bitcoin“ bekannten Blockchain-Technologie, als Transaktionstechnologie auch für das Energiewesen, gab Dr. Elisabeth Kellerer von der E.ON. Vereinfacht handle es sich dabei um eine kontinuierlich erweiterbare Liste von Datensätzen („Blöcken“), die durch „kryptographische Verfahren miteinander verkettet“ (Verschlüsselung) seien. Sie stellte die Vorteile heraus, die vor allem in der Dezentralität, der Transparenz, der Unveränderbarkeit, Autonomie und Gebundenheit lägen.

Thomas Genosko, von der IHK Regensburg, führte in die Thematik ein. Foto: ggo

Dies seien einige der Grundlagen, die Voraussetzung wären, den Großhandel mit Energie auch abseits der Börsen zu gestalten. Vereinfacht stellte sie fest: „Blockchains verbinden die physikalische und die digitale Welt.“

Welchen Beitrag der Freistaat zur künftigen Digitalisierung von Unternehmen leistet, erklärte Dr. Robert Feicht von der Regierung der Oberpfalz. Sein Thema war das Förderprogramm „Digitalbonus Bayern“ mit einem Volumen von derzeit 230 Millionen Euro. Dieses richte sich vor allem an kleine und mittlere Unternehmen. „Eines der Ziele ist die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit durch Digitalisierung“, erklärte Dr. Feicht.

Über den „Digitalbonus Bayern“ für den Energiebereich, informierte der Vertreter der Regierung der Oberpfalz, Dr. Robert Feicht. Das Förderprogramm ist vor allem für kleine und mittlere Unternehmen konzipiert.

Konkret ginge es darum, die Unternehmen darin zu unterstützen, ihre Produkte, Dienstleistungen und Prozesse digital zu transformieren und ihre IT-Sicherheit zu erhöhen. Der Schwerpunkt der Antragstellungen läge derzeit bei Servern und Firewalls. Nicht förderfähig seien bereits vorhandene Systeme oder als Standard bekannte Hard- und Software.

Bevor den Forumsteilnehmern weiteren Fachreferate zu den Themen „intelligente Messsysteme“, Smart-Meter-Gateway, digitale Zukunft der Energieversorgung, das „Virtuelle Kraftwerk“, oder Energieeffizienz durch Digitalisierung angeboten wurden, bot sich ihnen die Möglichkeit zu einem „Speed-Networking“, einem zeitlich begrenzten Kennenlernen im Gespräch von Angesicht zu Angesicht, wie Partnersuchende es vom „Speeddating“ her kennen.

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