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Die Ex-Tourismus-Chefin liebt es bunt

Früher hat sich Irene Duscher um Schwandorfs Gäste gekümmert. Jetzt richtet sie sich ein Atelier im Grünen ein.
Von Hubert Heinzl

Die expressive Farbigkeit ist der gemeinsame Nenner in Irene Duschers Bildern. Foto: Heinzl
Die expressive Farbigkeit ist der gemeinsame Nenner in Irene Duschers Bildern. Foto: Heinzl

Schwandorf.Das Wort vom „Unruhestand“ kann Irene Duscher schon nicht mehr hören. Aber auf sie trifft es einfach zu. Vor vier Jahren ist die Leiterin des Tourismusbüros in Pension gegangen, und noch immer ist ihr Terminplan eng getaktet. Da war und ist das Engagement bei Kolping und in der Pfarrei St. Jakob. Einmal im Jahr organisiert die 69-Jährige eine Fahrt mit den „Italienfreunden“. Und im Krankenhaus St. Barbara besucht sie Patienten. Jetzt hat sich Irene Duscher noch einmal neu erfunden: Sie malt.

Bemerkt haben das die Schwandorfer so richtig erst beim Bürgerfest vor etwas über drei Wochen. Die ehemalige Chef-Touristikerin stellte in Reiner Jankas Galerie „M 17“ an beiden Bürgerfest-Tagen rund 80 ihrer Bilder aus – nach einer Anfrage des Hausherrn, wohlgemerkt. Die Resonanz war fast schon überwältigend. „Es war ein tolles Erlebnis. Zum Teil haben sich die Leute durchgeschoben“, erinnert sich Irene Duscher. Am Ende war sie heiser von den „vielen guten Gesprächen“. Bis Mitte September sind die Kunstwerke in der Galerie am Oberen Marktplatz noch zu sehen.

Die Ausstellung in der Galerie „M 17“ ist noch bis Mitte September geöffnet. Foto: Heinzl
Die Ausstellung in der Galerie „M 17“ ist noch bis Mitte September geöffnet. Foto: Heinzl

Angefangen hat alles 2015 mit einem Aquarell-Kurs an der Schwandorfer VHS. „Ich wollte einfach etwas Neues machen. Und weil ich mit Zeichnen oder Malen nur wenig Erfahrung hatte, hab ich mir gedacht, probiere ich das Mal“, sagt Irene Duscher. Im Oktober 2016 folgte ein Workshop mit der Bildhauerin, Malerin und Kunst-Pädagogin Gisela Richter, ebenfalls im  „M 17“. Und in den Monaten seither entstanden im heimischen Wohn- und Esszimmer Bilder über Bilder: „Zum Teil bin ich erst um drei Uhr ins Bett gekommen, weil mir um Mitternacht noch etwas eingefallen ist. Die Staffelei stand ja da“.

Auf keinen Stil festgelegt

Das Ergebnis – ja, es kann sich sehen lassen. Viele Landschafts- und Naturszenen gibt es, aber auch ein düster-expressives Gemälde von „Nine-Eleven“. Ein Südsee-Atoll vor tiefblauem Hintergrund hat Irene Duscher mit Naturmaterialien modelliert, ein paar Meter weiter hängen abstrakte Kompositionen, daneben stilisierte Bäume oder Blumen – die Farbe mal pointillistisch hingetupft, dann wieder kräftig aufgetragen. Acrylfarben dominieren, auch aus praktischen Gründen. Experimentiert wird gern, etwa mit der „Pouring-Technik“, bei der verschiedene Farbkomponenten nach einem komplizierten System ineinanderfließen.

Experimentiert wird viel, zum Beispiel mit der „Pouring“-Technik. Foto: Heinzl
Experimentiert wird viel, zum Beispiel mit der „Pouring“-Technik. Foto: Heinzl

Auf einen Stil, eine Kunstrichtung, will Irene Duscher sich nicht festlegen lassen, „das würde, glaube ich, nicht meinem Naturell entsprechen“. Nur eine Konstante gibt es: Bunt muss es sein. „Ich mag einfach Farben. Ich mag es, mit Farbe zu spielen und dabei meiner Fantasie freien Lauf zu lassen“, sagt die 69-Jährige. Und ihr Selbstverständnis? Auch da will sich Irene Duscher nicht in eine Schublade stecken. „Als Künstlerin würde ich mich nicht bezeichnen wollen. Aber kreativ – das bin ich immer schon gewesen“, gibt sie zur Antwort.

Vor dem Atelier in Richt wacht eine Schaufensterpuppe. Foto: Heinzl
Vor dem Atelier in Richt wacht eine Schaufensterpuppe. Foto: Heinzl

Vor ein paar Wochen hat die ehemalige Tourismus-Chefin ein zweites Angebot bekommen, das sie nicht ausschlagen konnte. Martina Bösl von der gleichnamigen Baumschule in Richt („Grüngelände Bösl“) machte ihr den Vorschlag, doch einen früheren Verkaufsraum auf dem weitläufigen Gelände als Atelier zu nutzen. „Das war für mich das zweite Highlight in diesem Jahr, dass sich das so gefügt hat“, sagt Irene Duscher. Nicht ganz 30 Quadratmeter misst das kleine Studio, in dem sie jetzt ihre Staffelei aufgestellt hat.

Schaufensterpuppe im Jutekleid

Noch ist das Atelier nicht vollständig eingeräumt. Neben dem Maltisch und einem Regal mit Farbtuben sticht vor allem ausgefallene Deko ins Auge. Zwischen Grünpflanzen stecken grellrote Puppenfragmente, es gibt Bilder und weitere Installationen in Rot. Schon am Eingang wacht eine knallig-rote Puppenfrau im Jutekleid. Die Figuren und Körper hat Irene Duscher einfach übernommen. Wenn alles fertig ist, wird aus dem Ganzen einmal ein Schaufenster für die Kunst. Denn Irene Duscher hat mit den Bösls vereinbart, dass sie als Künstlerin bei öffentlichen Aktionen in der Baumschule präsent sein wird.

Auch im Innern ist die Ausstattung extravagant. Foto: Heinzl
Auch im Innern ist die Ausstattung extravagant. Foto: Heinzl

Bis zur Eröffnung Ende September wird die 69-Jährige regelmäßig die zwei Kilometer nach Richt fahren und weiter hin- und herräumen. Und dann stellt sie sich an die Staffelei, kocht sich vielleicht einen Espresso und malt. Langweilig, erzählt sie, wird es nie. Wenn es schön ist, kann sie sich an den Teich ins Grüne stellen. Wenn es einmal doch zu ruhig wird, hört sie Bayern 1 oder Bayern 2 im Radio. Und irgendwer kommt eigentlich immer vorbei, da oben im Atelier.

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