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Die Fronfeste wird ein Glanzpunkt

Die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes steht vor dem Abschluss. Die Bauarbeiten sollen Ende des Jahres beendet sein.
Von Karl-Heinz Probst

  • Zumindest außen präsentiert sich die Alte Fronfeste schon im neuen Glanz. Foto: Probst
  • Zweite Bürgermeisterin Margit Reichl überzeugte sich hier im Obergeschoss vom Stand der Sanierungsarbeiten. Foto: Probst
  • Architekt Michael Steidl erläutert den Einbau der Verbundfenster. Foto: Probst

Neunburg.Die Sanierung eines historisch bedeutsamen Bausteins der gesamten Burg- und Schlossanlage der Pfalzgrafenstadt steht vor dem Abschluss. Die alte Fronfeste im Stadtteil „Im Berg“ soll bis zum Ende des Jahres in neuem Glanz erstrahlen. Bei der Fronfeste mit ihrem massiven Mauerwerk und dem auf der Südseite vorgelagerten Zwingerabschnitt aus dem 15. Jahrhundert handelt es sich im Kern um ein mittelalterliches Gebäude, das im Lauf der Jahrhunderte natürlich immer wieder umgebaut und verändert wurde. Der zweigeschossige Satteldachflügel verlängert das Neue Schloss (altes Landratsamt) in südöstlicher Richtung. Auf der Burghofseite wird das Bauwerk durch eine spätbarocke Fassade mit klassizistischem Einschlag betont. Das Eingangsportal ist mit Granitgewänden und einer aufgedoppelten Haustür aufwendig gestaltet. Das Gebäude wird in der Denkmalliste als Einzeldenkmal geführt. Deshalb waren im Vorfeld zahlreiche Gespräche mit dem Landesamt für Denkmalpflege erforderlich. Die denkmalgerechte Sanierung des Gebäudes erfolgte unter weitgehender Erhaltung der Bausubstanz und Baustruktur.

Baubeginn im April 2015

Zweite Bürgermeisterin Margit Reichl überzeugte sich am Freitagvormittag bei einem Ortstermin mit Architekt Michael Steidl vom Fortschritt der im April 2015 begonnenen Sanierungsarbeiten. Nachdem zunächst der Zwinger freigelegt, das Fundament der Fronfeste trockengelegt und die Außenmauer an der Rahmseite durch die Firma Wilhelm aus Neunburg saniert worden waren, hat die Firma Kraus aus Teunz den aus dem 18. Jahrhundert stammenden Dachstuhl saniert, der einige statische Mängel aufwies, blickte Steidl zurück. Es mussten statisch relevante Holzteile insbesondere die Mauerlatten und die Enden der Zerrbalken, sowie konstruktive Hölzer ausgetauscht werden. Das Dach wurde wieder mit einer roten Biber-Doppeldeckung versehen, die gesamten Einblechungen, Wandanschlüsse und Regenrinnen mit Fallrohren wurden erneuert. Von den drei Kaminen wurden zwei barocke Kaminköpfe neu gefertigt, ein neuerer Kamin wurde entfernt.

Die Baufirma Wilhelm hat dann die Gewölbe und das Mauerwerk stabilisiert sowie die Fundamente innen und außen trockengelegt. Im Erdgeschoss wurden die Böden ausgebaut und das darunter liegende Material bis auf die Gründungssohle ausgehoben. Danach wurden Kies und Schotter eingefüllt, eine Wärmedämmung angebracht und darüber die Bodenplatte errichtet. Alle diese Arbeiten mussten weitgehend von Hand, ohne besonderen Maschineneinsatz ausgeführt werden, was natürlich sehr zeitaufwendig war, informierte der Architekt.

Die Erneuerung der Fenster erfolgte durch den Einbau von Verbundfenstern nach historischem Vorbild, was dem Architekten selbst ein großes Anliegen war. Eine Besonderheit sei dabei die Behandlung der Oberfläche mit reinem kaltgepressten, pigmentiertem Leinöl. Steidl ist ganz begeistert von dieser Methode. Bei der Fensterverglasung wurden mundgeblasene Außenscheiben verwendet.

Viele Arbeiten konnten nicht wie bei einem Neubau im Hau-Ruck-Verfahren durchgezogen werden, erläuterte der Architekt. Oftmals war viel Fingerspitzengefühl, Abstimmung und vorsichtiges Arbeiten vonnöten. Auch die Trocknungszeiten der bis zu fünf Zentimeter stark angebrachten Putze erforderten viel Zeit und Geduld.

Nach dieser Trocknungsphase stehen laut Steidl demnächst folgende Arbeiten an: Abnahme der partiell noch lockeren Farbe, Einbau der Bodenbeläge (Fliesen und Natursteinbeläge im Erdgeschoss, Holzdielen im Obergeschoss), Fertiginstallation der Haustechnik, Malerarbeiten, Setzen der Innentüren, Einbau der Brandmeldezentrale im Bereich des Durchgangs zur Baumerstaffl. All diese Arbeiten sollten bis Jahresende abgeschlossen werden.

Zweite Bürgermeisterin Margit Reichl zeigte sich beeindruckt vom Umfang und der Qualität der Sanierungsarbeiten. Die Vertreterin der Stadt ist überzeugt, dass die Alte Fronfeste nach Abschluss des Projektes wesentlich zur Aufwertung des Quartiers „Im Berg“ beitragen werde. Die Stadt nehme dafür auch viel Hand in die Hand, der Eigenanteil beläuft sich auf rund 550 000 Euro. Die restlichen Kosten von 1,2 Millionen Euro werden mit Zuwendungen finanziert (Städtebaufördermittel, Bayerische Landesstiftung, Landesamt für Denkmalpflege, Landkreis Schwandorf und Bezirk Oberpfalz).

Nutzungskonzept geändert

Das Nutzungskonzept sieht eine Umnutzung des Gebäudes vor. Im Erdgeschoss wird ein Generationentreff mit Café etabliert. Im Bereich der früheren Verliese wird eine Zelle weitgehend in den Originalzustand gebracht und zur musealen Nutzung etwa im Rahmen von Stadtführungen vorgesehen. Im Obergeschoss wird der Jugendtreff eine Heimat finden. Der Eine-Welt-Laden wird wohl nicht mehr einziehen, sondern in seinem aktuellen Domizil der Hauptstraße bleiben, informierte Reichl.

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Eigentümer/Mieter der Fronfeste

  • Bis 1967:

    Freistaat Bayern

  • 1967 bis 1972:

    Landkreis Neunburg

  • 1972:

    Übernahme durch die Stadt Neunburg

  • Bis circa 1931:

    Fronfeste bzw. Gefängnis mit vier Gefängniszellen im Erdgeschoss

  • 1931 bis 1967:

    Wohnung des Gerichtsvollziehers Heinrich Moor (Obergeschoss); zuvor Wohnung des Gerichtsdieners des Landgerichts

  • 1967 bis 1982:

    Schwarzachtaler Heimatmuseum (bis 1972 Träger Landkreis, danach Stadt Neunburg; 1982 Umzug ins „Alte Schloss“

  • 1982 bis 2002:

    Arztpraxis Dr. med. Gerd-Jürgen Woschée (Obergeschoss); Erdgeschoss leer

  • 2002 bis 2004:

    Leerstand

  • 2004 bis 2015:

    Eine-Welt-Laden und „Burgladen“ (Obergeschoss)

  • ab 2019:

    „Haus der Begegnung“

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