mz_logo

Region Schwandorf
Samstag, 24. Februar 2018 2

Lokalpolitik

Die Gebührenerhöhung ist vom Tisch

gKU-Vorstand Gluth konnte sich im Burglengenfelder Rat nicht durchsetzen. Deshalb bleiben die Bestattungskosten unverändert.
Von Thomas Rieke

Die Bestattungskultur ist bundesweit einem starken Wandel unterworfen. Auch Burglengenfelder interessieren sich für eine letzte Ruhestätte im Naturfriedhof bei Stefling. Einer von vielen Gründen, weshalb sich am eigenen Friedhof immer mehr Lücken auftun. Foto: Britta Pedersen/dpa

Burglengenfeld.Als der Stadtrat im Dezember letzten Jahres den Beschluss des gKU-Verwaltungsrats zur Erhöhung der Bestattungsgebühren nachträglich absegnen sollte, war die Empörung groß. Manch Mandatsträger fühlte sich überrumpelt und äußerte starke Zweifel an der Notwendigkeit, an der Gebührenschraube zu drehen; manch einer stellte das erste vor wenigen Jahren zusammen mit der Stadt Teublitz gegründete Kommunalunternehmen grundsätzlich infrage. Der Tenor: Wo sind die in Aussicht gestellten Synergien? Wenn es die nicht gebe, sondern, im Gegenteil, die Gebühren auf „exorbitantes Niveau“ gehoben werden müssten, sollte man den „Versuch gKU“ auch wieder beerdigen.

So krass kam es nicht, Vorstand Friedrich Gluth erhielt immerhin die Möglichkeit, im Bauausschuss und in der darauf folgenden Ratssitzung (7. Februar) zu erklären, weshalb aus seiner Sicht kein Weg an einer Gebührenerhöhung vorbei führt. Doch so sehr er sich auch mühte (er hatte mehrere DIN-A4-Seiten Argumente gesammelt und vorgetragen) – weder im Ausschuss, noch im Rat gelang es ihm, die erforderliche Unterstützung zu formieren. Der Rat schmetterte den Beschlussvorschlag sogar einstimmig ab.

Zuschüsse fallen weg

Gluth hatte versucht nachzuweisen, dass sich die Jahresergebnisse für die Friedhöfe in Burglengenfeld sowie Teublitz und Katzdorf unter der Regie des gKU durchaus positiv entwickelt hätten. War 2012 allein für Burglengenfeld ein Minus von knapp 60000 Euro zu verkraften gewesen, so schrumpfte das Defizit für alle drei vom gKU verwalteten Friedhöfe 2015 auf unter 7000 Euro. 2016 konnte sogar ein kleiner Überschuss erzielt werden. Dabei verhehlte Gluth nicht, dass diese Kehrtwende auch der Tatsache zu verdanken war, dass die Regierung der Oberpfalz für die ersten beiden Jahre Zuschüsse von insgesamt 90000 Euro gewährte.

Lesen Sie auch: Auch die neuen Trassenpläne für den Südostlink beschäftigten den Stadtrat.

Diese Förderung gebe es nun nicht mehr. Und auf den Friedhöfen wartete noch eine ganze Reihe von Aufgaben, die es zu erledigen gelte, berichtete Gluth. Genau deshalb sei es ratsam, die Gebühren „anzupassen“, nur so könnten in Zukunft rote Zahlen vermieden werden. Das gKU habe immerhin auch die Pflicht, kostendeckend zu arbeiten.

Konsequenzen

  • Die Folge:

    Der Lengenfelder Stadtrat hat also seine Zustimmung zur vorgeschlagenen „Gebührenanpassung“ verweigert. Damit ist die Satzungsänderung nach Informationen der MZ auch für Teublitz vom Tisch, obwohl dort der Stadtrat im zweiten Anlauf seine Zustimmung gegeben hatte. Künftig auftretende Defizite müssen die Kommunen aus dem städtischen Haushalt ausgleichen.

  • Blick in den Gebührenkatalog:

    Das Öffnen und Schließen eines normalen Grabes kostet 450 Euro; das gKU wollte künftig 600 veranschlagen. Die Kosten für eine Tieferlegung wären von 225 auf 300 Euro gestiegen. Eine Urnenbestattung schlägt mit 240 Euro zu Buche. Wäre der Rat dem Vorschlag von gKU-Vorstand Gluth gefolgt, wären dafür künftig 300 Euro fällig gewesen. Insgesamt war die „Anpassung“ von rund 25 Positionen geplant gewesen. (ht)

Dazu gab es eine Reihe von Wortmeldungen. SPD-Fraktionschef Sebastian Bösl bescheinigte Gluth hervorragende Arbeit. Trotzdem halte er die Gebührenerhöhung für überflüssig. Das zu erwartende Minus könne auch die Stadt und damit die Allgemeinheit tragen; dies sei durchaus zu rechtfertigen.

Albin Schreiner (BWG) meinte, die Gebühren des gKU seien schon jetzt hoch und eine Anhebung deshalb nicht mehr „sozial verträglich“. Eine Stadt, die sich den Luxus leiste, für einen Millionenbetrag die komplette Fronfeste zu sanieren, müsse auch bereit sein, Defizite des Friedhofs zu übernehmen.

Hans-Edmund Glatzl (Bürgerforum) stellte dem gKU kein gutes Zeugnis aus. Die Bestattungen seien teurer als andernorts, viele Leute müssten überlegen, ob sie sich das überhaupt noch leisten könnten. Synergieeffekte durch die gemeinsame Verwaltung der Friedhöfe vermochte Glatzl überhaupt keine zu erkennen, im Gegenteil. Aus der Beschlussvorlage entnahm er, dass die gKU gewisse Aufgaben (Abräumen eines Grabes) delegiere.

„Irgendwas läuft nicht richtig.“

Josef Gruber, 3. Bürgermeister

„Irgendwas läuft nicht richtig“, konstatierte 3. Bürgermeister Josef Gruber (CSU). Die Gebührengestaltung sei „nicht glücklich“ und intransparent. Die Frage, wie sich 600 Euro für das Öffnen und Schließen eines normaltiefen Grabes begründen ließen, führte zu einem kurzen Wortgefecht zwischen Gruber und Gluth. Die Antwort gab’s erst in nicht-öffentlicher Sitzung. Gruber forderte, „alles noch einmal auf den Prüfstand zu stellen, das gKU ist keine heilige Kuh!“

Andreas Beer (Freie Wähler-Land) stimmte zwar auch nicht für die vorgeschlagene Gebührenerhöhung, gab aber zu bedenken, dass der Defizitausgleich durch die Stadtkasse ebenfalls nicht das Gelbe vom Ei sein könne. Am meisten störte er sich an der geharnischten Kritik am gKU: „Dass man so in öffentlicher Sitzung über ein kommunales Unternehmen spricht, ist beschämend.“

Hier lesen Sie mehr Nachrichten aus Burglengenfeld.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

  • HS
    Heinrich Stockinger
    13.02.2018 17:13

    Es is a Frevel in Lengföld, wias mid de Leid um genga. Zerscht a mal dad I des Bulmare im Jahr fia 3 Monat zua macha, so. Dann des Irlbriggerl niad fia 340 ooo Euro neu baun sondern so lassn wias is, denn koan is no wos bassiert wenn er/sie driwagfohrn is, so. Wo anderschts wird "Für" und niad "Gegen" gorwerd. Lengföld wor a mal a scheine Stodt. Es wird zuvülk Göld assegschmissn und anda kinne in ´d Luft schaua.

    Missbrauch melden

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht