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Region Schwandorf
Freitag, 23. Februar 2018 2

Heimat

Die Geschichte steht niemals still

Eine neue Informationstafel erinnert an die Funktion und Geschichte der ehemaligen Mühle in Baumhof bei Neunburg.
Von Karl-Heinz Probst

2013 wurden das Wohnhaus und das Mühlgebäude (hier eine Aufnahme von 1973) in Baumhof abgerissen. Foto: Trudi Stadlbauer

Neunburg.Den Schlusspunkt der Gestaltung des neuen Dorfplatzes in Baumhof setzten Bürgermeister Martin Birner und Bewohner der Ortschaft am Freitag. Eine Informationstafel erinnert dort jetzt an die ehemalige Mühle, die 2013 der Spitzhacke zum Opfer fiel. Die Initiative für die Aufstellung geht auf Helmut Pongratz zurück. Schon bald nach dem Abbruch der Mühle kam dem Baumhofer die Idee, mittels einer Tafel über die Geschichte und die Funktion des einst ortsbildprägenden Anwesens zu informieren.

Initiative von Helmut Pongratz

Helmut Pongratz recherchierte zunächst selbst im Staatsarchiv in Amberg und stellte dann mit Unterstützung von Kreisheimatpfleger Theo Männer und dem Ortsheimatpfleger von Neukirchen-Balbini, Karl-Heinz Probst, den Text für die Tafel zusammen. Die optische Gestaltung des Werks hat Werbefachfrau Elke Reinhart aus Schwarzhofen übernommen. Die Kosten für die Herstellung übernahmen die Neunburger Stadtwerke als letzte Besitzer der Baumhofer Mühle.

Bürgermeister Martin Birner bedankte sich bei den Baumhofern und insbesondere Helmut Pongratz für ihr Engagement. Ein Teil des Mühlenareals wurde als Dorfplatz umgestaltet und wird von den Familien Pongratz und Kaiser mustergültig gepflegt. Aus den ehemaligen Lagersteinen der Mühle wurden Sitzgelegenheiten geschaffen, daneben wurde das Marterl von anno 1897 aufgestellt, das an den Unfalltod des Müllers Jakob Weiß in seiner Mühle erinnert. Die Stadtwerke Neunburg haben das Flurkreuz bereits 2014 fachmännisch restaurieren lassen. Am neuen Dorfmittelpunkt treffen sich seitdem die Baumhofer alljährlich an Silvester und an Johanni zu kleinen Feierlichkeiten, berichtete Helmut Pongratz.

Ehemalige Mühle in Baumhof

  • 1568:

    Erste Erwähnung der Mühle in Baumhof

  • Laut Kataster

    lagen die Mahl-, Ölmühl- und Sägmühlgerechtigkeit auf dem Anwesen.

  • Um 1870

    wurde ein Schleif- und Polierwerk angebaut.

  • 1938:

    Einstellung des Schleifbetriebs

  • 1950:

    Die Mühle wird stillgelegt.

  • 1972:

    Die Spiegelglasschleife wird abgebaut und 1978 im Industrie- und Bergbaumuseum in Theuern wieder aufgebaut.

  • 2013:

    Das Wohnhaus und das verfallene Mühlgebäude werden abgerissen und das Areal wird zum Teil als Dorfplatz gestaltet.

  • Besitzer:

    1568/70 Hans Peurl, bis 1672 Hans Völckhl, ab 1672 Hans Völckhl junior, ab 1699 Hans Grädl, 1713 bis 1718 Erhard Ippisch, ab 1718 Hans Wolf Horn, bis 1746 Ignaz Horn, 1746 bis 1775 Hans Georg Dobler, 1775 bis 1770 Georg Michael Dobler, 1779 bis 1784 Hans Georg Ritsch, 1784 bis 1800 Kaspar Nißl, ab 1800 Joseph Baumer, spätestens seit 1808 bis 2006 Familie Weiß, 2006 bis 2011 Freistaat Bayern, seit 2011 Stadtwerke Neunburg

Über viele Jahrhunderte hinweg bestimmte die alte Weiß-Mühle das Ortsbild Baumhofs mit, in den letzten Jahren war sie nur noch eine Ruine, erinnerte Kreisheimatpfleger Theo Männer. Nachdem die Ortschaft an die Kanalisation in Schwarzhofen angeschlossen werden sollte, stand sie im Wege, vor allem auch weil sie ein Hindernis für die Erweiterung der Straße darstellte, da sie genau im Scheitelpunkt der Kurve stand. Der Eigentümer, die Stadtwerke Neunburg, erhielt, zur Überraschung des Kreisheimatpflegers, vom Landratsamt die Genehmigung, das unter Denkmalschutz stehende Gebäude (ein langgestreckter Walmdachflügel, im Kern 17./18. Jahrhundert) abreißen zu dürfen.

„Schweren Herzens“ habe er diese Entscheidung mitgetragen, gestand Männer ein. Auflage des Landesamtes für Denkmalschutz war lediglich der fachgerechte Ausbau der gotischen Holzdecke im Erdgeschoss. Diese momentan zwischengelagerte Decke soll wiederverwendet werden, wenn ein geeignetes Objekt gefunden wird. Männers Vorschlag, die gotische Decke in der Fronfeste einzubauen, sei allerdings bei Oberkonservator Raimund Karl vom Landesamt für Denkmalpflege auf Ablehnung gestoßen. Auch die alten Fenster- und Türgewände hat der Kreisheimatpfleger ausbauen lassen und beim Stadtbauhof zwischengelagert.

1568 erstmals erwähnt

Die Mühle zu Baumhof taucht erstmal 1568 in den Akten auf. Damals legte der Müller Hans Peurl Einspruch gegen die Umwandlung des Blechhammers zu Oberaschau in eine Mühle ein. Auf dem Anwesen lag laut Kataster die Mahl-, Öl- und Sägmühlgerechtigkeit. Spätesten seit 1808 besaß die Familie Weiß das Mühlanwesen. Um das Jahr 1870 baute sie eine Glasschleife an. Wegen des schlechten Geschäftsgangs hat Ludwig Weiß dieses Werk 1838 geschlossen.

Bürgermeister Martin Birner (r.), Heimatpfleger Theo Männer und Bauamtsleiter Georg Keil und Ortsbewohner von Baumhof flankieren die neue Erinnerungstafel. Foto: Karl-Heinz Probst

1974 hat das Bergbau- und Industriemuseum in Theuern das Schleif- und Polierwerk erworben, die Einrichtung abgebaut, nach Theuern transferiert und dort wieder in einem dem Original nachgebauten Gebäude installiert. Ein kleines Modell dieser Glasschleife befindet sich übrigens im Schwarzachtaler Heimatmuseum.

Den Mühlbetrieb stellte Weiß erst um 1950 ein. 2006 ist der letzte Besitzer des Anwesens ohne Erben gestorben. Der Nachlass ging an den Freistaat Bayern, der den Besitz wiederum 2011 an die Neunburger Stadtwerke für einen eher symbolischen Preis veräußerte.

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